Fähre „Nordfriesland“ : Stimmen ersetzen Orchester

Die Sänger überraschten auf der Fähre mit einem erstaunlichen Repertoire.
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Die Sänger überraschten auf der Fähre mit einem erstaunlichen Repertoire.

Schleswig-Holstein Musik Festival: Ein Südafrikanisches A-Cappella-Sextett begeistert im Wyker Hafen.

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19. Juli 2018, 17:30 Uhr

Das Ambiente dürfte auch die Sänger von „Just 6“ beeindruckt haben: Ein herrlicher Sommerabend, als Schauplatz die über die Toppen geflaggte „Nordfriesland“ und mehr als 500 Gäste, die sich auf ein außergewöhnliches Konzert freuten und nicht enttäuscht wurden. Dass der Ansturm auf die Tickets viel größer gewesen sei und für einen zweiten Auftritt der Sänger an gleicher Stelle gereicht hätte, verriet Gastgeber Axel Meynköhn, Geschäftsführer der Wyker Dampfschiffs-Reederei, in seiner Begrüßung.

Dann betritt das A-Capella-Sextett die Bühne. Instrumente? Braucht es nicht. Die Sänger aus dem südafrikanischen East-London, aus Swasiland, Simbabwe und Pretoria agieren allein mit ihren Stimmen, auch wenn an diesem Abend mehr als einmal der Eindruck entsteht, dass das Autodeck von einem ganzen Orchester beschallt wird. Elektrogitarre, Schlagzeug, Trompete oder Saxofon werden von den Vokal-Akrobaten mühelos ersetzt.

Beeindruckend ist auch das Repertoire der Sänger, das von Eigenkompositionen über afrikanische Traditionals bis hin zu klassischer Musik, Jazz und Pop reicht. Elton Johns „Circle of Life“ aus dem Soundtrack zu „The Lion King“ erklingt ebenso wie Michael Jacksons „Man in the Mirror“ oder ein Leonard-Bernstein-Medley. Mit „Hark! The Herald Angel sing“ wird sogar ein Weihnachtslied intoniert und mit der „Loreley“, eigens für die Deutschlandtour einstudiert, ist auch ein deutsches Volkslied vertreten. Natürlich wird Nelson Mandela gewürdigt, der gestern 100 Jahre alt geworden wäre, und natürlich wird – in einem ganz eigenen Arrangement – mit „Pata Pata“ auch der internationale Hit der 2008 verstorbenen „Mama Afrika“ Miriam Makeba angestimmt. Eine Bandbreite, die kontrastreicher kaum sein kann und den Sängern ermöglicht, ihr ganzes Können zu zeigen.

Und das stellen Mtha Hospas, Luyanda Makapela, Fezile Mavuso, Shakes R Mbevhana (alle Tenor), Molefe Moeketsi (Bass) und Nkosie Hospas (Bariton) humorvoll und garniert mit Tanzeinlagen eindrucksvoll unter Beweis. Sehr zum Gefallen des Publikums, das sich insbesondere nach der Pause von Rhythmus und Gesang mitreißen lässt und mit Applaus nicht geizt. Manch einer mag bedauert haben, dass es am Ende bei einer Zugabe blieb. Die aber hatte es noch einmal in sich: Mit „Dat du min Leevsten büst“ stimmten die Südafrikaner zum Ausklang plattdeutsches Liedgut an. Damit dürfte „Just 6“ den Abend für die Besucher endgültig unvergesslich gemacht haben.

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