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In Wyk : Startschuss für eine Föhr-Premiere

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Erstmals wird auf der Insel ein Integrationskurs angeboten. Rund 20 Flüchtlinge büffeln bis Mitte November im Helu-Heim Deutsch.

Er ist eine Premiere, auf die die Initiatoren zu Recht stolz sind: Der erste Integrationskurs auf Föhr. Gut 20 Teilnehmer sind seit dieser Woche dabei und lernen im Helu-Heim an vier Tagen in der Woche in jeweils fünf Unterrichtsstunden die deutsche Sprache. Rund die Hälfte der Schüler kommt aus Syrien, die übrigen Teilnehmer sind aus dem Irak, aus Eritrea und Afghanistan nach Deutschland gekommen. Sie alle lernten am Auftakttag vor allem eines: Regeln. Anwesenheitspflicht, Pünktlichkeit, das richtige Verhalten beim Fernbleiben vom Unterricht und die Hausordnung bestimmten das Programm.

Seit Oktober des vergangenen Jahres liefen die Vorbereitungen, an denen neben dem Landesverband Schleswig-Holstein der Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Bildungsträger die Ausländerbehörde in Husum, die ehrenamtlichen Mitglieder des Föhrer Vereins „Flüchtlingshilfe“, der Eine-Welt-Laden der evangelischen Gemeinde St.  Nicolai und die Lehrkräfte beteiligt waren. Und das Amt Föhr-Amrum, denn die Kontakte zwischen den immerhin fünf Institutionen hatte der Flüchtlingsbeauftragte Hafedh Ben Mansour hergestellt. Und bei dem Ordnungsamtmitarbeiter Marco Christiansen, der zeitweise von seinen eigentlichen Aufgaben freigestellt war, liefen die Fäden zusammen.

Ein schwieriger Vorlauf, sagt Lehrer Manfred Thomsen, denn es galt, Räumlichkeiten und einen Platz für die Kinderbetreuung zu finden, Versicherungsfragen zu klären und vieles mehr. Zudem waren durch die vielen Beteiligten und die Insellage Missverständnisse programmiert. Doch alle Hürden wurden genommen und mit dem Ergebnis ist auch Sabine Grull, als Awo-Migrationsberaterin für die Betreuung der Flüchtlinge während des gesamten Eingliederungsprozesses zuständig, zufrieden: „Durch den Kurs vor Ort entstehen keine Fahrkosten und wir ersparen den Menschen Zeit“. Kosten fallen für die Flüchtlinge ohnehin nur für sechs Lehrbücher an. Zehn Euro pro Person und Buch, die Differenz in Höhe von rund fünf Euro wird jeweils vom Eine-Welt-Laden aufgestockt.

Manfred Thomsen ist für das Projekt ein Glücksfall. Der Alkersumer war jahrelang an der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein für die Organisation und Durchführung von Sprachkursen zuständig, hat selbst unterrichtet und ist wie seine Kollegin Ricarda Loibl im Besitz der Zulassung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Beide werden bis Mitte November jeweils an zwei Tagen in der Woche unterrichten. 660 Stunden umfasst der Integrationskurs, dessen Klassenziel der Deutschtest für Zuwanderer (DTZ) ist. Dieser bescheinigt am Ende, dass die Flüchtlinge in der Lage sind, an Alltagsgesprächen teilzunehmen, Behördengänge selbst zu erledigen und sich nicht perfekt, aber gut auf Deutsch unterhalten zu können.

Etwa 60 Prozent erreichen in der Regel dieses Ziel, so der Mittelwert. Für die Föhrer Gruppe ist Thomsen optimistisch: „Es handelt sich um eine homogene Gruppe, in der alle rudimentäre Grundkenntnisse der deutschen Sprache haben“. Deren Mitglieder, wie sie selbst beteuerten, keine Probleme mit den Vorgaben hätten, nicht selten bereits deutsche Freunde haben und den Kurs auch mit Hoffnung verknüpfen. Wie Shoaib Noorzi aus Afghanistan, der in seiner Heimat als Automechaniker gearbeitet hat, in einem Föhrer Autohaus bereits ein Praktikum absolvierte und hier auf einen Ausbildungsplatz hofft. Und die Regeln seien kein Problem, beteuern Noorzi, Fariba Hashemi und Fateme Hazizi aus Afghanistan sowie Mahari Yemane und Mahari Werede aus Eritrea und Shivan Mihi aus dem Irak unsiono: „Das können wir gut akzeptieren und nehmen es an, wie es ist“.

Bei allen Teilnehmern sei die Motivation zu spüren, betonte Manfred Thomsen. Dennoch ist allen klar, dass der Föhrer Premieren-Kurs kein Selbstläufer wird. Die Lehrkräfte orientieren sich dabei an dem schwächeren Drittel. Vielfach müsse erst das Lernen gelehrt werden, sagt Thomsen. Dies gelte insbesondere für Schüler, die in ihrem Heimatland keine Schule besucht haben und Neuland betreten. Das gehe soweit, „dass nicht alle mit einem Lehrbuch oder einem Lexikon umgehen können“.

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erstellt am 23.Feb.2017 | 12:15 Uhr

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