St. Clemens investiert in Friedhöfe

Der bisherige Eingang zum Heimatlosenfriedhof soll ganz von duftenden Flieder büschen überwuchert werden.  Foto: ww
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Der bisherige Eingang zum Heimatlosenfriedhof soll ganz von duftenden Flieder büschen überwuchert werden. Foto: ww

Gleich zwei "Friedhofs-Projekte" hat sich der Kirchenvorstand der St. Clemens-Gemeinde vorgenommen: Der Heimatlosenfriedhof soll verschönert, die historischen Grabsteine bei der Kirche sollen restauriert werden.

shz.de von
03. Juni 2009, 06:59 Uhr

Amrum | "Es ist noch eine Ruhe vorhanden", mahnt der Einlassbogen zum sogenannten Heimatlosenfriedhof auf dem Nebeler Mühlenberg, auf dem bis zum Jahr 1954 unbekannte Tote bestattet wurden, deren Körper am Amrumer Strand angespült worden waren. Nun will die St. Clemens-Kirchengemeinde diesen Friedhof aus seinem Dornröschenschlaf wecken. Die Südpforte, bisher Nebeneinlass, soll im Zuge einer Verschönerungskur des gesamten Areals zum neuen Eingangsbereich werden. Die vertraute weiße Staketen umfriedung wird hierhin versetzt und der ausgediente bisherige Einlass mit hellen Fliederbüschen zugepflanzt. So wird kein Besucher einer Gefährdung auf der neu gestalteten Straße ausgesetzt und niemand muss über den Rinnstein stolpern.

Als ein Kleinod, umringt von hohen Büschen, soll der außergewöhnliche Friedhof zum Ruhepol werden. Ihm gegenüber wird gerade das Jugendzentrum fertiggestellt. Mit dem Kinderspielplatz und dem Fußballplatz des Amrumer Sportvereins in unmittelbarer Nachbarschaft sowie dem Mühlenmuseum sind Anlaufstellen für alle Generationen vorhanden, die den Namenlosenfriedhof nicht "links liegen lassen" sollten. Das erhofft sich der Kirchenvorstand der St. Clemens-Gemeinde, der eine Umgestaltung des Geländes befürwortet. Die Bepflanzung des Friedhofes soll farbenfroher werden, auch die Informationsangabe bedarf einer Überarbeitung.

Die Verschönerung des Geländes auf dem Mühlenberg ist nicht das einzige Friedhofsprojekt der Amrumer Kirchengemeinde. Auch die historischen Grabsteine auf dem Nebeler Friedhof sollen restauriert werden.

Diese Steine sind Zeugen der Amrumer Geschichte, sie erzählen Lebensgeschichten von Insulanern und werden hundertfach fotografiert und studiert. Frank Hansen, der Ehemann von Pastorin Friederike Heinecke, hat sich intensiv mit diesen Grabsteinen und ihrer Geschichte beschäftigt. Die kunstvollen Steinmetzarbeiten wurden über die Jahre stark von Wind und Wetter angegriffen. Schon im Jahr 2003 wurde vom Kirchenvorstand ein Gutachten zum Zustand dieser Grabsteine in Auftrag gegeben, das zum Ergebnis kam, dass eine Restaurierung notwendig sei, um die historischen Steine zu erhalten. Insgesamt seien die Steine noch in einem relativ guten Zustand, so Frank Hansen. Doch einige seien gebrochen, bei anderen sei die Schrift nicht mehr leserlich. Und fast alle müssten von Flechten und Moosen befreit werden. "Außerdem wäre es gut, den Sockel der

Steine aus dem Spritzwasserbereich zu heben", so Hansen. Der vor fünf Monaten gewählte Kirchenvorstand möchte sich dieser Aufgabe vornehmlich widmen. Die Restaurierung der historischen 91 Grabsteine, die auf dem "Ehrenfriedhof" und am Friedhofswall stehen, gibt auch Gelegenheit, über eine Neuanordnung nachzudenken. Eine chronologische und thematische Anordnung der Grabsteine würde den Besuchern die Inselgeschichte besser vermitteln können.

Der Kirchenvorstand möchte diese Aufgabe nicht alleine angehen, sondern sich in einer Projektgruppe mit fachlich qualifizierten und interessierten Menschen zusammenschließen. Frank Hansen, Kurt Tönissem und Christa Langenhan kümmern sich um die Koordination des Projektes. "Wir werden uns dafür Kompetenzen von außen holen müssen," so Hansen, "wir werden Amrumer bitten, wir werden Hochschulen ansprechen, Fachleute aus dem Denkmalschutz, Restaurationsfachleute, museumspädagogische Fachleute, Unterstützer für die Geldbeschaffung - kurz: wir werden in enger Abstimmung mit diesem Projektbeirat arbeiten und machen uns auf einen längeren Prozess gefasst".

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