Gelebte Tradition : Sprich fering mit mir!

Die Jüngsten eröffneten den Festball mit alten und neuen Tänzen.
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Die Jüngsten eröffneten den Festball mit alten und neuen Tänzen.

Der Festball der Friesen war mit Trachtentanz und Liederkunst wieder ein Zeichen für die Verbundenheit der Insulaner mit ihrer Kultur.

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13. Februar 2018, 12:45 Uhr

„Wi hed al ens ringer tidjen“ (Wir hatten schon einmal schlechtere Zeiten), so Carl Rickmers ganz pragmatisch als Vorsitzender des „Fering Ferian“, der mit großem Wohlwollen beim Festball (fering inj) auf den gut gefüllten Saal blickte. Nach längerer Zeit wurde wieder im (größeren) Oldsumer „Ual fering Wiartshüs“ gefeiert, wegen des Umbaus der Utersumer „Post“ musste eine andere Räumlichkeit gefunden werden, was sich angesichts der großen Anzahl an Trachtentänzerinnen als Glück erwies.

Traditionell eröffnet der Nachwuchs den Trachtentanzabend: Unter der Leitung von Margret Ketelsen präsentierten die Jüngsten alte und neue Tänze, Tänze, die von der Leichtigkeit und dem ganz besonderen Charme kleiner Damen geprägt sind.

„Goor ei so ianfach, ale oner een hud tu fun“ (Gar nicht so einfach, alle unter einen Hut zu bekommen), resümierte Helga Wögens als Leiterin der Utersumer Trachtengruppe, der beim „fering inj“ auch genau diese Aufgabe oblag, die Tänzerinnen der Wyker, der Oldsumer und der Oevenum-Midlumer Trachtengruppe unter selbigen zu bekommen. Manche Tänze könnten wegen der erforderlichen Mindest-Tänzerinnen-Zahl kaum in den einzelnen Gruppen geübt werden, so Wögens. Da man sie aber bei überregionalen Trachtentreffen gern präsentieren möchte, sei der „fering inj“ ein willkommener Anlass, um in großer Runde zu tanzen. Musikalische Unterstützung fanden die Friesinnen bei Conny Prasser (Akkordeon) und Birke Licht (Querflöte).

Ein besonderes Highlight bot diesjährig Mattis Brodersen mit seinem Kurzauftritt: Als einer der Preisträger des vom Friesenrat ausgerufenen Musiikweedstridj 2017 präsentierte er unter anderem mit seinem Siegertitel (friesischer Text nach „Shape of You“ von Ed Sheeran), dass seine Muttersprache lebendig ist, dass man sie nicht nur spricht, sondern auch singt. Damit habe er, so Ilse Johanna Christiansen als Vorsitzende des Friesenrates, Sektion Nord, die Aufgabe „Sicht- und Hörbarmachung der friesischen Sprache und Kultur“ sehr erfolgreich erfüllt.

Anhand eines Märchens machte auch Gudrun Fuchs, Vorsitzende des Nordfriesischen Vereins, deutlich, dass Heimat und Sprache kostbare Besonderheiten seien.

Zum ersten Mal Gäste auf der Traditionsveranstaltung waren Jörgen Vilsmaier-Nissen (Geschäftsführer des Nordfriesischen Vereins), sowie die Professoren Jarich Hoekstra (Nordfriesische Philologie und Leiter der Nordfriesischen Wörterbuchstelle in Kiel) und Nils Langer (Nordfriesisch, Minderheitenforschung und Minderheitenpädagogik in Flensburg), der in Begleitung seines Doktoranden Hauke Heyen gekommen war. Heyen forderte die Festbesucher auf, mit ihm unbedingt fering zu sprechen, sollte man ihn auf der Straße treffen. Dank der „Muttersprachler-Zwei-Mann-Kapelle“ von Stefan Hansen und Peter Jensen, die nicht nur zum Tanz aufspielte, sondern auch das friesische Liedgut in Text und Melodie beherrscht, hat er den Abend zur Fortbildung nutzen können. Das gemeinsame Singen und Tanzen muss es auch Hoekstra sehr angetan haben, denn spontan ließ er sich das Versprechen entlocken: „Ich komme nächstes Jahr wieder.“

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