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125 Jahre wyker turnerbund : Spielerisch Alltagskompetenzen üben

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

In der Sparte „Sport für Menschen mit Behinderungen“ werden Insulaner mit Handicap nicht nur körperlich fit gemacht. Für Spartenleiterin Nancy Petersen hat die Motivation der Teilnehmer eine besondere Bedeutung.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2013 | 18:00 Uhr

Hans- Joachim dribbelt mit einem eng am Bein geführten Fußball voller Begeisterung rund um die Pylone auf dem Midlumer Schulsportplatz, während Birgit nicht mehr weiter weiß. Und in der Midlumer Turnhalle auch ein bisschen „gnatschig“ wird. Das Knien auf dem kleinen Kasten bereitet ihr eigentlich weniger körperliche Mühe, sondern vor allem sichtbaren Ärger. Warum, ist für Außenstehende nicht recht einsehbar. Nancy Petersen hingegen versteht, mit ihren WTB-Schutzbefohlenen und deren Defiziten, manchmal auch mit richtiger Wut oder Ärger, umzugehen.

Seit Anfang des Jahres existiert im Wyker Turnerbund die Sparte „Sport für Menschen mit Behinderungen“. Als Reittherapeutin hat Petersen seit Jahren gemeinsam mit ihren gut ausgebildeten Pferden engen Kontakt zu gehandicapten Menschen. Mit der beim Rehabilitations- und Behindertensportverband Schleswig-Holstein erworbenen Übungsleiterlizenz werden von der Wrixumerin auch abseits des Pferderückens zur Zeit knapp 50 WTB-Sportbegeisterte mit körperlichen und/oder geistigen Handicaps in fünf Wochenstunden fit für allerlei alltägliche Belange gemacht. Zurzeit rekrutieren sich fast alle Teilnehmer aus den Paritätischen Werkstätten, doch generell sind natürlich alle insularen Interessenten in dieser wichtigen Sparte des Wyker Turnerbundes willkommen.

„Unsere Klientel ist zwischen 30 und etwa 55 Jahre alt und mit körperlichen und geistigen Behinderungen unterschiedlicher Schweregrade unterwegs“, so Nancy Petersen. Gemeinsam mit einem entsprechend ausgebildeten vierköpfigen Helferstab übt sie mit ihren Sportlern mit viel Spaß an der Sache Alltagsbewältigung und soziales Miteinander. Gerade bei der Arbeit mit Menschen mit Handicap ist die entsprechende Didaktik in den Übungseinheiten Maß aller therapeutischen Dinge. „Ich arbeite mit Bildern, Metaphern, Gesten und vor allem andauernder Motivation und Bewegung, da wird Zähneputzen dem einen oder Schnürsenkelbinden dem anderen als ganz normaler Alltag vermittelt.“ Und ganz wichtig, so die Therapeutin: Immer wieder motivieren, motivieren, motivieren.

Je nach Grad der Erkrankung ist allerdings auch der Sport ein großes „Aha“-Erlebnis für die Spartenteilnehmer. Das 33. Lübecker Landessportfest für Menschen mit Behinderungen im Sommer erwies sich beispielsweise für knapp 20 Teilnehmer der WTB-Sparte als wahre Medaillen-Fundgrube. Und der anfangs erwähnte Hans-Joachim Wurl verfeinert seine Balltechnik quasi vereinsübergreifend beim Wyker Fußballsportverein.

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