Spaziergang durch das alte Wyk

Freuen sich über die große Resonanz bei der Eröffnung: Jutta Kollbaum-Weber und Julia Sophie Syperreck (stehend, v. re.).
Freuen sich über die große Resonanz bei der Eröffnung: Jutta Kollbaum-Weber und Julia Sophie Syperreck (stehend, v. re.).

Urige Typen und mondänes Strandleben: Ausstellung im Friesenmuseum zeigt Fotos aus den Anfangszeiten des Seebades

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16. September 2019, 15:49 Uhr

WYK | Im Archiv des Wyker Friesenmuseums schlummerten rund 8000 teilweise über 150 Jahre alte Fotografien, die das Leben und Treiben in Wyk und auf der Insel Föhr dokumentieren. Diese Zeitzeugnisse, die teilweise noch nie öffentlich gezeigt worden sind, hat Julia Sophie Syperreck, seit Kurzem wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, aus dem Schlaf geholt, gesichtet und zu einer Ausstellung großformatig reproduzierter Fotografien umgewandelt. Unter der Überschrift „Sommerfrische und Naturidyll“ lädt das Friesenmuseum nun zu einem fotografischen Spaziergang durch das Seebad Wyk um 1900 mit seiner zweiten Sonderausstellung anlässlich des 200. Seebad-Jubiläums ein.

Zur Vernissage konnte Museumsleiterin Jutta Kollbaum-Weber eine große Schar Interessierter begrüßen, und sie verwies darauf, dass viele der Fotografien und Alben bereits von Museumsgründer Carl Häberlin gesammelt worden sind. „In der Vergrößerung der alten Fotos erscheinen Details, die vorher mit bloßem Auge nicht zu erkennen waren“, so Kollbaum-Weber, die den guten Zustand der Fotos auch dem Einsatz der Schweizerin Helle Hollenstein zuschreibt, die in früheren Jahren ehrenamtlich das Archiv sortiert hat, wobei die Bilder teilweise auf säurefreiem Papier reproduziert wurden. Sie verwies auch darauf, dass einige der Abzüge sich mit den Glasplatten überschneiden, die im Besitz von Ane Ingwersen sind, und mit ihrer Erlaubnis gezeigt werden.

„Die Originale sind sehr lichtempfindlich“, informierte Julia Sophie Syperreck bei ihrer Einführung, „und sind oft im so genannten Visitenkartenformat von neun mal 13 Zentimeter. Bei der Digitalisierung und Vergrößerung der Bilder ist zwar der Gelbstich verschwunden, es wurden jedoch keine Retuschen vorgenommen“, so die Kuratorin zu ihrer Vorgehensweise. „Wir wollen die historischen Fotos so zeigen, wie sie sind“. Dabei haben die Bilder, die die Entwicklung vom beschaulichen Inselort zum illustren Seebad dokumentieren, ihren ganz eigenen ästhetischen Reiz. „Die Bilder wurden für den Markt produziert und sollten neue Urlauber für die Insel gewinnen“, so Syperreck. Denn viele der im Friesenmuseum gezeigten Fotos stammen von Profis wie Caroline Hammer oder Waldemar Lind, die am Wyker Sandwall ihre Ateliers hatten.

Julia Sophie Syperreck skizzierte auch den zeitlichen Rahmen, in dem die Fotos entstanden. Es war die Zeit der Industrialisierung und der Verstädterung. „Die Natur bekam ihren eigenen Wert und die besser gestellten Menschen konnten es sich leisten, Freizeit zu haben und in die Sommerfrische zu fahren. Es entstand eine Sehnsucht nach Idylle, die die Gäste bei Besuchen in den Inseldörfern oder auf den Halligen erfahren wollten.“

Wie diese idyllischen Momente sind auch viele Menschen fotografisch festgehalten, und diese Porträts dienen dazu, die Friesen als Typen wirkungsvoll in Szene zu setzen. Raue Seehundjäger, bärtige Halligbewohner oder Pfeife rauchende Männer auf der Schifferbank werden den städtischen Urlaubern präsentiert. So ist auch die Fotografie einer Friesin in Tracht erhalten. „Sie wurde sogar als Motiv für eine Briefmarke verwandt, doch niemand kann sagen, wie sie hieß“, berichtete die Kuratorin abschließend, die für sachdienliche Hinweise zu dieser Porträtierten dankbar wäre.

Zum fotografischen Spaziergang durch das Seebad Wyk lädt das Wyker Friesenmuseum bis zum 2. Februar 2020 ein.

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