Kirche als Bühne : Spannende Zeitreise in Süderende

Die vielen Proben haben sich gelohnt: Die Schüler ernteten für ihre Darbietung den verdienten Applaus.
Die vielen Proben haben sich gelohnt: Die Schüler ernteten für ihre Darbietung den verdienten Applaus.

Vom Mittelalter in die Gegenwart: Ein Anhänger macht es möglich. Schüler führen „Leonarda und das magische Amulett“ auf.

shz.de von
07. Juli 2018, 18:00 Uhr

Das gibt es sonst nur im Kino: Zeitreisen von einer Epoche in die andere. Michael Fox alias Marty brauchte dafür in den Filmen „Zurück in die Zukunft“ in den 1980-er Jahren noch ein Auto, mit dem er unter anderem ins Jahr 2015 reiste. In der St.-Laurentii-Kirche in Süderende reichte dafür aber ein Anhänger: Ein Mistkäfer, auch Skarabäus genannt. Er katapultiert Leonarda (gespielt von Ranim Ben Mansour) aus dem Jahr 1348 in die heutige Zeit, wo sie in eine Schulklasse gerät, in der eine angeblich coole Clique, die „Könige“, die „Loser“ terrorisiert.

Das ist der Inhalt des Musicals „Leonarda und das magische Amulett“, das Diana Jeß mit dem Schulchor der Eilun-Feer-Skuul einstudiert hat. Jeweils rund 90 Minuten dauerten die beiden Aufführungen an zwei Abenden in dem Gotteshaus, in denen die Schüler aus den Klassenstufen fünf bis acht ihr Talent und Können unter Beweis stellten. Textsicher performten sie die vielen Songs, egal, ob es sich dabei um ein klassisch anmutendes Solo handelte oder einen poppigen Rap. Auch stimmlich konnen die Darsteller auf ganzer Linie überzeugen.

Alles beginnt damit, dass Leonardas Vater Hieronimus (Clara von Stülpnagel) ein Mittel gegen die grassierende Pest sucht und deswegen von dem bösen Domingo (Till Stubenrauch) auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden soll. In diesem Moment entfaltet der Skarabäus seine Kraft und katapultiert Leonarda in das Jahr 2018 – auf einen Parkplatz. Hier freundet sie sich mit Antonia (Elli Ketelsen) an, die von den „Königen“ rund um die arrogante Schizzo (Janke Carstensen) gemobbt wird. Antonia hilft Leonarda, sich in der modernen Welt zurechtzufinden, während diese Antonia und den anderen „Losern“ Mut zuspricht und sie aufmuntert, sich gegen die „Könige“ zu wehren. Gleichzeitig müssen sie nach einem Weg suchen, Leonarda wieder ins Mittelalter zurückzuschicken, da diese ihren Vater vor dem Scheiterhaufen bewahren will.

Keine leichte Aufgabe, die die Schüler allerdings mit vollem Einsatz meisterten. Das Publikum, zum größten Teil Eltern und Verwandte der Darsteller, war begeistert und belohnte die grandiose Leistung mit lang anhaltendem Applaus. Und auch Diana Jeß strahlte nach der Aufführung über das ganze Gesicht: „Ich bin hoch zufrieden mit der Aufführung. Aber dafür haben wir auch lange gearbeitet.“ Ungefähr seit Jahresbeginn hat die Gruppe an den Liedern für das Musical gefeilt, in der Woche der Aufführung wurde jeden Tag geprobt. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat.

Die Schüler haben dabei nie den Spaß an dem Stück verloren. So sagt Elli Ketelsen, die als Antonia viele Lieder, darunter auch Solo-Stücke, lernen musste: „Es hat super viel Spaß gemacht. Und ich bin zufrieden, dass alles gut geklappt hat.“ Für sie war es die erste große Gesangsrolle, „im Dorf habe ich sonst mal gesungen, aber jetzt war es das erste Mal auf einer Bühne“.

Viel Lob vom Publikum bekam Diana Jeß auch für die Auswahl des Stückes: Es verbindet den geschichtlichen Kontext im Mittelalter mit der Jugendsprache der heutigen Zeit: „Mir ist es wichtig, dass man bei den Stücken immer auch ein bisschen was lernt, dass nebenbei geschichtliches Wissen vermittelt wird“, erklärt sie. Und um eine andere Zeitepoche kennenzulernen, sind Zeitreisen tatsächlich eine ideale Möglichkeit.

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