Kultur auf Föhr : Spannende Führungen und Musik von der Insel

Die Rundgänge durch die Ausstellungen fanden auch in Alkersum großen Anklang.
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Die Rundgänge durch die Ausstellungen fanden auch in Alkersum großen Anklang.

Internationaler Museumstag war wiederum ein Publikumsmagnet. Erstmals öffnete neben dem Alkersumer Museum Kunst der Westküste auch das Wyker Friesenmuseum seine Pforten.

shz.de von
19. Mai 2015, 15:30 Uhr

Auch die Föhrer Museen hatten ihre Türen anlässlich des 38. Internationalen Museumstages geöffnet, wobei jeweils nicht nur eine Besichtigung, sondern auch Führungen und Referate geboten wurden.

Museumsdirektorin Ulrike Wolff-Thomsen konnte bereits um 10 Uhr zahlreiche Besucher im Museum Kunst der Westküste begrüßen und auf ein vielseitiges und interessantes Programm hinweisen. Mit einer Museums-Rallye und der offenen Werkstatt der Museumspädagogik wurde auch an die kleineren Besucher gedacht, die sich mit glänzenden Augen gern beteiligten, während sich die Großen bei Rundgängen durch die Ausstellung „Papermania“ und Führungen von Kuratorin Martina Nommensen informieren ließen. Eine Gelegenheit, die auch viele Einheimische ausgiebig nutzten.

Ein Highlight, das vor- und nachmittags angeboten wurde, war das Gespräch mit Anke Bleicken über die Ausstellung mit Werken ihres Vaters Bleicke Bleicken, dem bekannten Sylter Fotografen. Daneben waren zwei Mädchen, die in den Sälen die Aufsicht wahrnahmen, in friesischer Tracht gekommen und erklärten den Gästen geduldig die Einzelheiten ihrer Kleidung, die auch auf vielen ausgestellten Bildern zu sehen ist. Für den Gaumen hielt das Team in „Grethjens Gasthof“ allerlei bereit und ein Genuss für die Ohren war der Auftritt des Männergesangvereins Föhr-West, der den Raum des Saales stimmgewaltig ausfüllte. Mit knapp 700 lagen die Besucherzahlen im Rahmen der Erwartungen, ließen aber dennoch jedem Gast genügend Raum und Zeit für Fragen.

Von einer guten Beteiligung konnte auch Jutta Kollbaum Weber berichten, Leiterin des Dr. Carl-Haeberlin-Friesenmuseums in Wyk. „Die Vorträge und Sonderführungen waren gut besucht, lediglich über Mittag gab es eine kleine Flaute.“

„Es war hochinteressant“, berichtet eine begeisterte Zuhörerin über die Führung der Wykerin Kreske Ingwersen zum Thema „Auswanderung der Föhrer nach Amerika und Australien“.

Das Urteil „hoch interessant“ verdient mit Sicherheit auch der Vortrag des Archäologen Bente Majchczack, der über neueste Erkenntnisse zu Römischer Kaiserzeit und Frühmittelalter auf Föhr referierte. Schon anhand von Grabbeigaben lasse sich analysieren, wie gelebt wurde und wie stark die Insel besiedelt war. Mithilfe der Geomagnetik sei deutlich geworden, wo die für das 5. Jahrhundert n. Chr. so typischen Langhäuser gelegen haben und, so Majchczack weiter, wie groß diese gewesen seien, wie etwa eines auf der Wrixumer Geest mit einer Länge von 60 Metern. Die Grubenhäuser, typische Bauten der frühmittelalterlichen Wikingerzeit, die zirka ab dem 7./8. Jahrhundert n. Chr. beginne, so der Referent weiter, lieferten Erkenntnisse über Handwerk und Handel, denn in diesen kleinen Häusern seien immer wieder Hinweise auf handwerkliche Tätigkeiten zu finden.

Und der junge Forscher unterstrich: „Die nordfriesischen Inseln liegen nicht irgendwo am Ende der Welt. Sie sind mittendrin. Mittendrin im Handel der Welt.“ Ein großes Fragezeichen hinterlasse aber immer noch die Zeit zwischen 500 und 800 n. Chr., da aus dieser Zeit (noch) keine Funde vorlägen.

Und international wie der Museumstag selbst waren auch seine Besucher: So gab es eine spezielle Führung auf Englisch von Kollbaum-Weber durch die Räume des Museums für die Teilnehmer des Kurses „Deutsch für Ausländer“, übersetzt in Farsi von Karin Faltings. Das Friesenmuseum ist regelmäßig das „Klassenzimmer“ dieser hauptsächlich aus Afghanistan und Syrien stammenden jungen Menschen, die mit großem Interesse den Ausführungen der „Direktorin“ folgten.

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