Kreativ auf Föhr : So viel Südstrand-Brücke war noch nie

Zur Bildhauerei fand Peter Obermeier über Galionsfiguren.
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Zur Bildhauerei fand Peter Obermeier über Galionsfiguren.

Peter Obermeier wurde spät zum Künstler – aber er ist es mit all seinen Sinnen.

shz.de von
08. Februar 2018, 18:45 Uhr

Peter Obermeiers neuestes Projekt wird ein Film über die Sandsack-Füllmaschine von Schlossermeister Benno Hansen aus Oevenum. Eine Webseite hat der Föhrer Künstler für den Föhrer Tüftler bereits gebastelt – und jetzt soll ein Film über das gute Stück, das immerhin fast 2000 Säcke in einer Stunde füllt, den Vertrieb beschleunigen. Ideen für Interessenten weltweit hat Obermeier schon im Kopf.

Umtriebig ist der 67-Jährige ohnehin: Er malt, fotografiert und bildhauert. Seine Holzskulpturen, Landschaftsbilder und Fotos wurden schon in Eutin, Kiel und Bremen ausgestellt. Früher war der zwischen der Hansestadt und Föhr pendelnde Allrounder Lehrer. 25 Jahre lang unterrichtete er an Berufsschulen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Dann kam das Burn-out.

„Und ich hab’ mein Leben umgeschmissen.“ Statt im geplanten Sabbatical fand sich Obermeier 2004 in der Klinik wieder. Bei der Mal-Therapie stieß er bald auf sich selbst und ging ein Jahr lang zu einem Tischler ins Praktikum. „Aber dafür war ich nicht geeignet.“ Begeisterung ergriff ihn im Atelier von Claus Hartmann, der auf einer Fluss-Insel in der Unterweser Gallionsfiguren schnitzt für Schiffe in aller Welt. „Mich haben diese Figuren schon immer fasziniert.“

Obermeier meldet sich für Bildhauerkurse an und kauft eine Kettensäge. Erst probiert er sich an Brettern, dann wagt er sich an Klötze. „Bis ich es in die dritte Dimension geschafft hatte, hat es allerdings lange gedauert“, gibt Obermeier zu und schmunzelt. Es entstehen Köpfe und Körper. Seine Else 3 hing früher in einer Rathaus-Ausstellung in Achim, mittlerweile schmückt sie Obermeiers Haus bei Bremen.

In der Natur faszinieren ihn Linien. „Ein Motiv in grafischen Kontext einbetten“, das gefällt ihm. Sein derzeitiges Lieblingsfoto zeigt Tampen um einen Poller gewunden; er hat es kürzlich am Wyker Hafen fotografiert. Aber sein absolutes Lieblingsobjekt auf Föhr ist die Südstrandbrücke. „Für mich die Inkarnation der Insel“, sagt er. Sein Vater, Erwin Obermeier, gebürtiger Bielefelder, war Sport-, Geschichts- und Mathelehrer am Deutschen Gymnasium in Wyk und Mitinitiator des erstes Sportfestes. Die ersten zehn Jahre seiner Kindheit hat der junge Obermeier auf Föhr verbracht. „Hauptsächlich auf und unter der Brücke“, erinnert er sich. Dort waren sie immer baden und angeln mit den Jungs vom Schlachter. Er kennt jeden Pfeiler dieser Brücke und hat ihr für 2018 einen Fotokalender gewidmet.

Weitere Ideen gibt es zuhauf: Postkarten mit seinen Inselmotiven; eine Fotoausstellung über die Bäume Föhrs schwebt ihm vor – und über die Südstrandbrücke. Das nächste Brückenfest steht an, und sein Garten hat viel Platz für Kunst.

Dabei weiß Obermeier, dass er sich ein wenig schonen sollte – 2008 wurde bei ihm Parkinson diagnostiziert; „gottseidank ein sehr langsamer Verlauf.“

Obermeiers Lebenslauf ist der eines Suchenden: Als Jugendlicher mit den Eltern nach Eutin. „Kellersee, Reiten, Motorcross, Turnen – toll.“ Danach Banklehre und Studium der Bankbetriebslehre. „Nie wieder was mit Bank“ sagte er sich, sattelte ein Wirtschaftspädagogik-Studium drauf und kam nach einem Jahr Referendariat zu dem Schluss: nie wieder Lehrer. Also fuhr er LKW und ging als Ölbohrer in die Niederlande. „Der Job war toll, aber die Leute waren mir nicht geheuer.“ Da fragte ihn die Direktorin einer Berufsschule, was er davon hielte, liebe, nette Rechtsanwalts- und Bankanwärter zu unterrichten? „Nichts“, hab ich gesagt. Er war 33 Jahre alt, hatte bereits seine heutige Frau zur Freundin und nahm das Angebot trotzdem an. Rund zwei Jahrzehnte blieb er an Berufsschulen, gab Fortbildungen. „Irgendwann kam es von allen Seiten, dazu mein hoher Anspruch.“ Die Quittung kam. Zack, Burn-out, raus aus allem.

Mit der Therapie kam die Entdeckung des Malens. Und irgendwann wusste ich, was ich ändern wollte im Leben.“

Er freut sich immer auf die Südstrandbrücke. „Wie sie dem Meer trotzt und mit ihm altert“, das fasziniert ihn. Seine Frau, mit der er zwei erwachsene Kinder hat, fragt manchmal: Wie oft willst du sie denn noch fotografieren? „10 000 Mal mindestens!“

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