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Kinder-Uni 2017 : So kommt das Meer in die CD

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Lauter kleine Technik- und Musikfreaks waren Gasthörer im Tonstudio von Hauke Nissen.

Die sechs kleinen Studenten, die sich in Hauke Nissens Tonstudio in Oldsum auf dem Sofa drängten, waren hoch motiviert und musikalisch ganz weit vorne. Fast alle spielten ein Instrument, einige sogar schon vor Publikum, und einer der acht- bis neunjährigen Neugierigen hatte schon Kurzfilme mit seinen Playmobil-Figuren gedreht.

Beste Voraussetzungen für ein Gespräch unter Experten, wie auch Hauke Nissen befand. Der 64-jährige Musiker und Geräusche-CD-Macher hatte im Rahmen der Kinder-Uni zum ersten Mal in sein Klangreich eingeladen und war ganz angetan vom Fachwissen und den Fragen, weil sie ihm das Erklären viel leichter machten.

Wie viele CDs hast du schon gemacht?
Hauke Nissen: In den zwanzig Jahren, die ich das jetzt mache, habe ich zwölf CDs aufgenommen. Auch die erste gibt’s immer noch. Sie heißt „Heimwärts“ und spielt am Meer und in der Marsch und ist inzwischen wohl schon ein Klassiker.

Hauke Nissen wurde in Oldsum geboren, knapp zweihundert Meter neben seinem jetzigen gemütlichen Haus mit einem süßen „secret garden“, wie er ihn nennt und der ihm Inspiration bietet. Direkt daneben in einem kleinen Gartenhaus ist sein Studio.

Was sind das hier für Instrumente? Spielst du die alle?
Die spiele ich alle. Das ist ein Tasteninstrument, eine Weiterentwicklung zum Keyboard, dann mein Klavier, die Gitarre, das Röhrenglockenspiel, eine Tastenharfe und verschiedene Blockflöten.
Hälst du das Mikrofon ans Meer und in die Luft zu den Vögeln?
Nein, guck’, ich habe dieses kleine Raumklangmikrofon.
Huch!
Ja, so klein, aber so gut. Die Kabel hängen an einem Minidisc-Rekorder, der speichert die Geräusche. Und die kleinen Ohrstöpsel stecke ich mir in die Ohren und lege mich gemütlich in den Windschatten hinter dem Strandhafer. Ich hab’ mich schon früh für Geräusche interessiert. Wenn andere gesagt haben, guck’ mal den Himmel, dann hab ich immer gesagt, hör’ mal den Austernfischer.
Und mit den Hörern hörst du alles wie in echt?
Genau, nicht nur Stereo sondern wirklich räumlich. Das ist eine gute Technik, das Mikrofon dorthin zu tun, wo man selbst hört. Wenn die Möwe von hinten kommt, dann denkst du später, wenn du es abhörst, auch, dass sie von hinten kommt.
Wo gehst du damit noch so hin?
An den Strand natürlich, in die Salzwiesen, die Marsch und in den Wald.
Und zuhause kannst du das Meer dann lautstellen?
Ja, erst geht alles in mein Mischpult, das Gerät ist mein Tonstudio. Da gibt es Lautstärkeregler für jedes Instrument und für jedes Geräusch. Damit kann ich das Meer lauter oder leiser stellen.
Und dann geht es über den Verstärker in die Boxen ...
(Hauke Nissen perplex) Genau! Du bist ja ein richtiger Profi!
Ja, ich interessiere mich für Mischpulte. Ich dreh auch schon Filme! Kannst du jetzt mal etwas vorspielen?
Ich bin hier ja normalerweise immer alleine. Ich bin jetzt ziemlich aufgeregt, vor so vielen Zuhörern zu spielen.
Sollen wir uns verstecken?
Ach nein, das gehört ja auch dazu, dass ihr hier einen Musiker seht, der Lampenfieber hat.
Das ist mir egal, Hauptsache, ich lerne was.
Hauke Nissen zieht die Schuhe aus. Das tut er immer, wenn er Musik macht. Auf dem Mischpult hatte er Gitarre, Klavier und Harfenmelodien bereits aufgenommen, ebenso zwei Naturstimmen, die jetzt im Hintergrund zu hören sind. Dazu spielte er erst auf dem Tasteninstrument und regelt mit der freien rechten Hand die Stimmen im Mischpult, danach legt er beide Hände an die Flöte und spielt ins Mikrofon vor ihm. Die Kiddies werfen sich ganz relaxt ins Sofa und die Sessel. Nach fünf Minuten verstreicht der letzte Ton.
War das das Meer?
Das war so eine Mischung, denke ich. Aus Meer, Strandhafer und Wind. Das ist manchmal schwer auseinanderzuhalten.
Wie macht das Meer?
Das Meer macht schsch... oder ffffffffff... es rauscht oder strudelt.
Oder rrrrrrh!
Dann ist es gewaltig, ja!
Dann kommt in dem Mischpult Natur und Musik zusammen?
Genau. Das ist quasi mein Mitmusiker. Und es nimmt auch gleichzeitig die CD auf. Die Flöte eben, die kommt übers Mikrofon dazu.
Spielst du nach Noten?
Nein, nie.
Genau wie ich. Ich kann Noten, aber spiele lieber ohne.
Ich auch. Ich scheibe mir auch nichts auf. Ich überlege mir nur vorher, welchen Klang die Instrumente haben sollen und welchen die Natur. Die Musik entsteht also im Moment und intuitiv.

  • Die Fragen stellten Josua (8) aus Hamburg, Charlotte (9) aus Eschborn, Merle (8) aus Hannover, Mattis (9) aus Buchholz, Colin (8) aus Winsen, Levin (8) aus Wolfsburg und Undine (52) von Amrum.

 

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erstellt am 07.Jul.2017 | 08:30 Uhr

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