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Walsterben in der NOrdsee : Skelett als Amrumer Touristen-Attraktion

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Öömrang Ferian interessiert sich für eines der gestrandeten Tiere. Der Pottwal könnte in der alten Norddorfer Einschwimmhalle ausgestellt werden.

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erstellt am 15.Jan.2016 | 11:45 Uhr

Der Walfang bescherte den Menschen auf den nordfriesischen Inseln und Halligen einst neuen Wohlstand. Angesichts der Not im eigenen Land heuerten über zwei Jahrhunderte unzählige Insulaner als einfache Seeleute, Harpunierer, Steuermänner oder auch Kommandeure auf Grönlandfahrern an. Dieses spannende und prägende Kapitel der Geschichte soll auf Amrum bald in besonderer Weise präsentiert werden: Der Öömrang Ferian möchte eines von drei Wal-Skeletten der zwölf Meter langen Pottwal-Kadaver übernehmen, die bis gestern im kleinen Hafen Holmer Siel auf Nordstrand angelandet worden sind. Entsprechend präpariert und ausgestellt soll es zu einer zusätzlichen Touristen-Attraktion für die Insel werden. „Wir lassen uns die Chance nicht entgehen, wir werden das irgendwie wuppen“, erklärte Vorsitzender Jens Quedens gestern auf Anfrage des Insel-Boten zum ambitionierten Vorhaben des Vereins.

Für den Fall der Fälle hatte der Öömrang Ferian schon vor längerer Zeit bei der Nationalparkverwaltung in Tönning sein Interesse an einem Wal-Skelett angemeldet. „Es stranden ja nicht jeden Tag Pottwale an der Küste“, erzählte Quedens. „Jetzt hat man an uns gedacht, und das finde ich gut.“ Und: „Sie kriegen es auch“, bestätigte Dr. Hendrik Brunckhorst, Pressesprecher des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein in Husum. Denn neben den Amrumern, die ganz oben auf der Liste stehen, hat bisher nur die Universität Gießen Interesse für eines der drei Wal-Skelette angemeldet.

Bevor das Ausstellungs-Projekt realisiert werden kann sind freilich noch viele Gespräche zu führen, Detailfragen und auch finanzielle Aspekte zu klären. Denn nach einer ersten Schätzung werden auf den rührigen Heimat-, Kultur- und Naturschutzverein Kosten bis zu 130  000 Euro für Transport, Präparieren und Präsentation zukommen. „Das ist auch für uns eine große Hausnummer“, sagt Jens Quedens, der seit 1974 Vorsitzender des Vereins ist. „Noch ist alles zu frisch, deshalb gibt es auch noch keine Zusagen, uns zu helfen.“ Immerhin hat das Umweltministerium die entsprechenden Antragsformulare auf Landesförderung prompt geschickt. Denn, so Quedens: „Bei einem Walkadaver kann man nicht warten, es muss alles sehr schnell gehen, sonst verwest er.“

Auf Unterstützung für das Projekt hofft der Ömrang-Ferian-Vorsitzende von der Gemeinde in Norddorf. Denn dort könnte das attraktive Objekt künftig ausgestellt werden. Angedacht ist, dafür die leerstehende Einschwimmhalle des ehemaligen Schwimmbades zu nutzen. Dort in Strandnähe, wo sich bei schönem Wetter in den Sommermonaten tausende Menschen tummeln und bereits das Naturzentrum Amrum und die Ausstellungen des „Maritur“ ihr Zuhause haben, wäre die Wal-Skelett-Präsentation ein echter Publikumsmagnet, ist sich Jens Quedens sicher. „Das ist ein idealer Platz.“ Dazu müsste allerdings zunächst die Gemeindevertretung ihr Okay geben. Und die will erst umfassend informiert sein, was angesichts der sich überschlagenden aktuellen Ereignisse noch nicht möglich war.

„Alle müssen sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass wir wieder auf Walfang gehen wie in vergangenen Jahrhunderten“, sagt Jens Quedens nicht ohne Hintersinn. Der Öömrang Ferian wünscht sich, auch andere als Förderer, Spender und Unterstützer für sein Vorhaben gewinnen zu können. „Wir hoffen sehr, dass alle uns helfen und an einem Strang ziehen – in dieselbe Richtung“, sagt der Vorsitzende.

Die toten Wale wurden gestern auf Nordstrand von Mitarbeitern der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht, die Proben aus dem Gewebe und den Gehörgängen der Tiere entnahmen. Danach wurden damit begonnen, die Kadaver zu zerlegen und die Weichteile über Container der Tierkörperverwertung Jagel zu entsorgen. Das Skelett wandert in einen separaten Container. Wo es aufgearbeitet wird, muss dann der Öömrang Ferian entscheiden. Besondere Erfahrungen bei derlei Projekten haben laut Nationalparkverwaltung die Experten des Museums für Meereskunde in Stralsund.

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