Greifvogel besucht Amrum : Seltener Insel-Gast reist durch

Tagesgast am Kniepsand:  Dem imposanten Greifvogel scheint Amrum zu gefallen. Foto: Jan Bertelsen
Tagesgast am Kniepsand: Dem imposanten Greifvogel scheint Amrum zu gefallen. Foto: Jan Bertelsen

Ein junger Seeadler machte auf seiner Entdeckungstour Rast am Kniepsand - einem für ihn untypischen Gelände.

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27. März 2009, 12:07 Uhr

Amrum | Jan Bertelsen traute seinen Augen nicht, als er durch sein Teleobjektiv einen großen Greifvogel mitten auf dem Kniepsand vor Wittdün sah. Mit Hilfe von Armin Jeß, dem Leiter des Norddorfer Naturzentrums, konnte er den Vogel identifizieren. Es handelte sich um einen jungen Seeadler, der auf seiner "Junggesellentour" einen Stopp am Amrumer Strand machte.
Seeadler sind äußerst seltene Gäste auf Amrum, höchstens ein bis zweimal im Jahr haben Jeß und seine Mitarbeiter das Glück, den größten Greifvogel der deutschen Küste vor die Linse zu bekommen. Inzwischen gibt es wieder 60 Brutpaare in Schleswig-Holstein, doch dass der jetzt beobachtete Adler sich auf Amrum ein Brutrevier schaffen könnte, hält Jeß für ausgeschlossen - der Insel fehle der von den Adlern bevorzugte hohe Baumbestand.
Die Raubvögel, die eine Spannweite von zweieinhalb Metern, ein Gewicht von fünf Kilogramm und ein Alter von bis zu 36 Jahren erreichen, ernähren sich überwiegend von Wasserfischen und -vögeln und leben deshalb vor allem in der Nähe von großen Seen. Nur drei Seeadlerpaare brüten in Nordfriesland. Davon befindet sich der nahegelegenste Horst im Gotteskoog.
Mit Schadstoffen belastet

Der Seeadlerbestand in Deutschland hat sich seit den 90er-Jahren wieder deutlich erholt. Stark gefährdet war der Greifvogel, der am Ende der Nahrungskette steht, vor allem durch eine hohe Schadstoffbelastung, Überlandleitungen und den Straßenverkehr. Häufig vergifteten sich die Seeadler auch indirekt. Verspeist er Aas von Wasservögeln, kann es passieren, dass der Adler Bleischrote aufnimmt, die zu einer schleichenden Bleivergiftung führen.

Aas gehört neben Wasservögeln und Fischen zum normalen Nahrungsspektrum des Seeadlers, auch der "Amrum-Tourist" wurde in der Nähe eines Seehundkadavers gesehen. In den ersten drei Jahren gehen die jungen Seeadler auf "Spritztour" und erkunden großräumig ihr Umland, dabei kann man sie an Orten wie dem Amrumer Strand sehen, an denen man sie sonst nicht antreffen würde.

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