Feuerwehren auf Föhr : Selbstloser Einsatz für andere Menschen

Seit seinem sechsten Lebensjahr dabei: Jens Hartmann.
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Seit seinem sechsten Lebensjahr dabei: Jens Hartmann.

Jens Hartmann ist Feuerwehrmann aus Leidenschaft. Die personelle Entwicklung der Alkersumer Brandschützer betrachtet der 33-Jährige mit Sorge.

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16. Januar 2018, 17:30 Uhr

Stell dir vor es brennt, und keiner kommt. Die Freiwilligen Feuerwehren kämpfen vielerorts mit Nachwuchsproblemen. Föhr bildet keine Ausnahme. Die Inselwehren wollen jetzt mit einer großen Werbeaktion unter dem Motto „Wir brauchen Dich“ gegensteuern. Wir stellen in den kommenden Monaten einige Brandschützer vor.

Ob es sein eigener Wunsch war, mit sechs Jahren in die Alkersumer Jugendfeuerwehr einzutreten, oder mehr der seiner Eltern, weiß Jens Hartmann heute nicht mehr so genau. Aber er war dabei, wie alle seine Freunde und viele aus dem Dorf. „Ich bin sehr gern bei der Feuerwehr, wo ich mich für andere Menschen einsetzen kann“ erklärt er, warum er noch immer in der Wehr ist. Denn den Brandschützern den Rücken zu kehren, kam für Hartmann nie in Frage. Neben dem wichtigsten Argument, anderen zur Seite zu stehen, wenn diese Hilfe benötigen, gibt es eine Reihe weiterer Gründe. So werde der Kontakt zu den Dorfbewohnern gefestigt und die Gemeinschaft gefördert. Auch in den Dörfern werde das Leben immer schnelllebiger, sodass oft die Zeit für gemeinsame Aktivitäten fehle. Hier biete die Feuerwehr über Generationen hinweg eine wichtige Plattform auch für gesellige Momente.

Der 33-Jährige führt damit die Familientradition fort, denn sein Vater John Hartmann (stellvertretender Wehrführer) war ebenso bei der Truppe wie sein Großvater Julius Hartmann (Wehrführer). Eine Affinität, die sich bisher nicht vererbt hat: Der zweifache Vater schätzt die Chance als gering ein, dass seine Töchter eines Tages zu den Brandschützern gehören. Aber: „Wenn sie das wollen und mit Herzblut dabei sind, werde ich sie nicht davon abhalten.“

Zwei Jahre hatte der gelernte Landwirt ausgesetzt, als er die Insel mit 17 Jahren für die Ausbildung in Richtung Festland verließ. Bei seiner Rückkehr trat er dann den Aktiven bei. In der Jugendwehr hatte er die Leistungsspange erworben, nun folgten die Truppmann-Ausbildung und die Lehrgänge Truppführer, Atemschutzgeräteträger und Funker sowie Gruppenführer eins und zwei. Zudem gehörte er dem Vorstand als Schriftführer an. Derzeit ist Jens Hartmann Oberlöschmeister und Gruppenführer. Eine Gruppe gibt es in der Alkersumer Wehr, bis vor einigen Jahren waren es noch zwei. Da nicht immer alle Kameraden an den Diensten teilnehmen konnten, waren sinnvolle Übungen nicht immer möglich. Eine Erkenntnis, die zur Zusammenlegung führte.

Gut 30 Mitglieder zählt die Alkersumer Wehr derzeit und ist damit gut aufgestellt. Doch auch wenn die personelle Stärke aktuell keinen Grund zur Sorge bietet: Jens Hartmann ist nicht wirklich optimistisch. Viele der Kameraden seien um die 50 Jahre alt, einige könnten bereits in die Reserve wechseln. Da aus der Jugend nicht genug nachwachse, sei die Situation nur vordergründig gut: „Wir haben jetzt noch kein Problem, aber spätestens in 20 Jahren.“ Dann bliebe nur der Zusammenschluss mit anderen Dörfern oder der ungeliebte Weg in die Pflichtwehr.

Die Gründe für das nachlassende Interesse der Kids an der Feuerwehr sieht Hartmann unter anderem in der Vielzahl der Freizeitangebote und dem Gefühl jedes Einzelnen, überall dabei sein zu müssen. Seine Tochter sei ein gutes Beispiel: Neben der Schule spiele sie Klavier, dazu kämen Reiten, Gesang und Theater. „Das ist so viel, dass irgendwo Abstriche gemacht werden müssen“, und bei Jugendlichen sei das oft die Feuerwehr, zu der sie irgendwann keinen Bezug mehr hätten. „Ich glaube, wir haben zurzeit vier oder fünf Kinder in der Jugendwehr“, sagt er. Zu wenig, um eine Gruppe zu stellen, und zu wenig, um vernünftig zu üben. Andere Wehren haben reagiert und sich zusammengeschlossen. Ein Weg, der in Alkersum noch nicht gegangen wurde. Doch es gebe Überlegungen für eine Kooperation mit den Nieblumern, sagt Hartmann. „Es macht wenig Sinn, mit einer Handvoll Kindern zu üben, von denen die Hälfte vielleicht mit sechs oder sieben Jahren noch ganz am Anfang stehen.“ Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoll, Wehren zusammenzulegen, und so Gruppen bilden zu können.

Etwa drei bis vier Einsätze fahren die Alkersumer Blaujacken pro Jahr, die mit Nieblum und Borgsum einen Löschverbund bilden. Bei größeren Einsätzen, etwa im Museum Kunst der Westküste, wird zusätzlich Midlum alarmiert. So auch im Februar 2012, als ein Feuer, das Jens Hartmann noch gut in Erinnerung ist, im Museum kostbare Gemälde in Mitleidenschaft gezogen hatte. Seinerzeit hätten die Atemschützer die wertvollen Bilder von der Wand genommen und diese – vorbei an dem damaligen Museumsdirektor Thorsten Sadowsky und den Angestellten, die voller Sorge um die Kunstschätze waren – in den Gasthof getragen. „Ein kurioser Einsatz der am Ende gut gelaufen ist, wie in der Nachbesprechung auch von Museumsseite bestätigt wurde.“

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