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im Wyker Hafen : Schweres Gerät und harte Arbeit

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bei einer Ölwehrübung probten Einsatzkräfte den Ernstfall. Dabei wurden auch Plastik-Enten „gerettet“.

Für Außenstehende war es ein großes Spektakel, für die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und Deutscher Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) dagegen harte Arbeit: Paul-Martin Tappe, Fachberater des THW Niebüll, beschrieb das Arbeitsklima in den Ölschutzanzügen, die er und seine Kameraden trugen: „Nach den zwei Stunden in der Schutzkleidung kann man die Gummistiefel auskippen, das ist eine echt große Herausforderung.“

Doch die weißen Anzüge sind Pflicht, zumindest wenn es um die Arbeit mit Ölen und Treibstoffen geht. Und genau dies war am vergangenen Sonnabend der Fall: Etwa 180 Einsatzkräfte aus ganz Schleswig-Holstein waren im Wyker Innenhafen zusammengezogen worden, um einen schweren Unfall mit Ölaustritt zu bekämpfen. Natürlich war nicht wirklich ein Schiff auf Grund gelaufen und hatte zwei Tonnen Öl verloren. Aber dies war das Szenario, welches sich Karl-August Lorenzen, Übungsleiter des Landesbetriebes Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), für die diesjährige Ölwehrübung ausgedacht hatte.

Und zur Bekämpfung dieses Szenarios wurden alle Register gezogen. Neben den ehrenamtlichen Einsatzkräften war Material im Wert von bis zu 1,2 Millionen Euro auf die Insel geschafft worden. Größtes Gerät war hierbei ein „Tatra“. Das Multifunktionsfahrzeug mit seinen acht Rädern und bis zu 32 Tonnen Gewicht wurde erst Anfang des Jahres in Dienst gestellt, dementsprechend war es seine erste große Ölwehrübung. Aufgabe dieses Kolosses war es, einen sogenannten „Skimmer“ zu halten, der das Öl aus dem Wasser abschöpfen soll.

Die Wyker Feuerwehr hatte eine ähnliche Aufgabe: Laut Übungsplan hatte sich Öl im Wartungsbecken neben dem Fähranleger 3 gesammelt. Mit Ölsperren versuchten die Föhrer, dieses Öl trotz einsetzender Ebbe in dem Becken zu halten und es ebenfalls mit einem Skimmer abzupumpen. Währenddessen sorgten die Helfer des THW Meldorf mit ölaufsaugenden Sorbentmatten den Hafenstrand vom Öl zu befreien. Und auch auf hoher See wurde gearbeitet: Die „Thor“, ein spezielles Ölaufnahmeschiff, sorgte dort für die Beseitigung eines Ölteppichs.

Für das Wohlergehen der Seevögel sorgten Freiwillige des THW aus Tönning. Mit Keschern pirschten sie sich an die mit Öl verklebten Tiere heran und versorgten sie anschließend. Natürlich mussten keine echten Vögel eingefangen werden, sowie auch kein echtes Öl benutzt wurde. Die Tiere wurden durch Puppen ersetzt, das Öl auf dem Wasser mussten sich die Einsatzkräfte vorstellen.

Das „Mann-über-Bord“-Manöver der DLRG war dagegen ganz real und machte für Außenstehende das Chaos perfekt.

Doch für Lorenzen lief alles relativ reibungslos: „Die Kommunikation über den Digitalfunk klappte sehr gut, alle Freiwilligen waren hoch motiviert. Zeitlich waren wir sogar schneller als vorgesehen.“ Außerdem habe natürlich das Wetter gut mitgespielt und die wichtige Verpflegung der Einsatzkräfte habe gut funktioniert. Und auch der Wyker Wehrführer Kai Sönnichsen, der mit in der Einsatzleitung saß, zog eine durchweg positive Bilanz: „Vieles lief einwandfrei. Keine zwei Stunden, dann waren alle Ölsperren draußen. Super.“

Besonders eines wurde bei der Übung deutlich: Im Ernstfall ist eine enge Zusammenarbeit aller Organisationen sehr wichtig. Das hatte auch die Havarie der „Pallas“ vor Amrum 1998 gezeigt: Damals waren hunderte Tonnen Öl ausgelaufen, etwa 15  000 Seevögel wurden kontaminiert. „Das war der erste große Ernstfall, da haben wir fehlende Erfahrung gesammelt. Vieles wurde danach auch ausgebaut“, erklärt Tappe, der bereits damals freiwilliger Helfer war.

Auch heute gibt es noch etwa 130 Meldungen über Ölunfälle pro Jahr, berichtet Peter Mause (Fachbereichsleiter Schadstoffunfallbekämpfung im LKN). „Vieles sind kleinere Unfälle, wo nur örtliche Ölwehren alarmiert werden.“ Größere Einsätze habe es in den letzten Jahren aber zum Glück nicht mehr gegeben.

Um trotzdem gut vorbereitet finden seit 2005 jährlich Großübungen wie am Wochenende statt. Bei einer Sache wurde jedoch etwas geschummelt: Während im Ernstfall bis zu 24 Stunden vergehen können, bis alle Mann vor Ort sind, waren die Einsatzkräfte jetzt bereits am Vorabend angereist Außerdem wird im Ernstfall der Unfallort natürlich abgesperrt, was bei laufendem Fährbetrieb am Sonnabend nicht möglich war. Und so war die Übung auch Öffentlichkeitsarbeit für THW, Feuerwehr & Co, während die freiwilligen Helfer in den weißen Anzügen schwitzten.

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