In Flensburg : Schwere Vorwürfe gegen Maxim A.

Landgericht Flensburg: Hier findet der Prozess um den spektakulären Fall auf Amrum statt.
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Landgericht Flensburg: Hier findet der Prozess um den spektakulären Fall auf Amrum statt.

Vierter Tag im Prozess um den am Wittdüner Strand getöteten Ceetin K.: Zwei Zeugen belasten einen der beiden Beschuldigten

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14. April 2018, 16:00 Uhr

„Er hat gesagt, er will alles seiner Freundin in die Schuhe schieben, und dass sie den Mord in Auftrag gegeben hat“ – die Anschuldigungen gegen Maxim A. wogen gestern schwer. Am vierten Prozesstag im Fall des getöteten Irakers Ceetin K. hörte das Flensburger Landgericht zwei weitere Zeugen, die den bisher schweigsamen Tatverdächtigen Maxim A. belasten könnten.

Sascha S. hatte A. im Oktober 2017 während eines Gefangenentransportes kennen gelernt. S. hatte gerade eine sechswöchige Behandlung im JVA-Krankenhaus Leipzig beendet und sollte wieder in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Dresden verlegt werden. Die Nacht verbrachte er gemeinsam mit Maxim A. in einem Haftraum in Gera. A. war kurz zuvor in Chemnitz von der Polizei aufgegriffen worden und auf dem Weg in die Flensburger JVA.

Sascha S. (33) berichtete im Zeugenstand, sein Zellengenosse sei in Bezug auf den Tod Ceetin K. ’s gesprächig gewesen: „Er hat gesagt, dass er ihn erstochen hat, und verbuddelt – zweieinhalb Meter tief. Auf irgendeiner Insel.“ A. habe immer wieder betont, so S., „Solange die keine Leiche haben, haben die keine Beweise“. Maxim habe auch einmal eine Vergewaltigung seiner Freundin erwähnt, „aber das habe ich ihm nicht abgekauft. Bei einer Vergewaltigung hätte die Freundin doch zur Polizei gehen können.“

Nach der Begegnung mit dem Amrumer wandte sich S. mit einem Brief an die Flensburger Polizei. Diese nahm seine Aussage wenige Tage später auf. Sascha S. berichtete, seit Jahren unter Depressionen zu leiden. In den Wochen vor der Begegnung mit Maxim A. habe er starke Antidepressiva erhalten. Das Leipziger Krankenhaus habe die Medikation schrittweise reduziert. „Am 16. Oktober habe ich morgens meine letzten Medikamente bekommen“, erklärte er dem Gericht.

Sascha S. benötigte gestern mehrere längere Denkpausen, hatte Probleme, die Fragen der Richter und Verteidiger zu verstehen. Widersprüche zwischen dem Vernehmungsprotokoll und seiner aktuellen Aussage erschwerten die zweistündige Befragung im Landgericht. Unklar blieb so etwa, ob Maxim A. selbst ein Verhältnis zwischen seiner Freundin und dem Getöteten im Gespräch mit Sascha S. formuliert hatte oder ob es sich dabei um eine Spekulation des Zeugen handelte. Die Verteidigung beantragte daraufhin die Krankenakten von S. zur Einsicht. Der Befragte stimmte der Schweigepflicht-Entbindung seiner Ärzte zu.

Der zweite Zeuge, Sascha F., kennt Maxim A. laut eigener Aussage „nur flüchtig“. Eine Freundin, berichtete der Heider, sei die beste Freundin von A.’s Partnerin. So habe er mitbekommen, „dass Eifersucht in der Beziehung von A. immer ein großes Thema war“. Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte Sascha F. unter anderem zu Protokoll gegeben, Maxim A. habe „immer den großen Macker gespielt. Er hat es sich immer schnell mit allen verdorben.“ Auch auf ihn – Sascha F. – soll der Beschuldigte eifersüchtig gewesen sein. Bei einer flüchtigen Begegnung zwischen F. und A. in der Wohnung eines gemeinsamen Bekannten sei es nach einem kurzen Wortgefecht zu einer „Rangelei“ gekommen. Sascha F.: „Wie das so ist – ein Wort folgt auf das andere und schon liegt man am Boden“. An die Gründe des Streits konnte F. sich nicht erinnern. Verstanden habe er jedoch nicht, sagte F., dass Maxim ihm noch zwei oder drei Faustschläge ins Gesicht versetzt habe, als er schon auf dem Boden lag. Anschließend sei aber jeder seiner Wege gegangen, sagte Sascha F.

Kommende Woche wird der Prozess fortgesetzt. Marwin H. und Maxim A. sollen Ceetin K. im April 2017 am Wittdüner Strand getötet und seine Leiche im Sand vergraben haben. H. ist geständig, A. schweigt bislang zu den Vorwürfen.

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