Cafeteria : Schüler-GmbH wird aufgelöst

Findet keinen Nachfolger: Wolfgang Kluge.  Foto: ger
Findet keinen Nachfolger: Wolfgang Kluge. Foto: ger

Zum Schluss noch eine dicke Spende.

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11. Januar 2013, 09:33 Uhr

Wyk | Mit der Auflösung der Cafeteria der Eilun-Feer-Skuul geht eine Ära zu Ende, doch wenigstens gibt es ein paar "Gewinner", denn das Projekt "Schüler helfen Schülern" kann sich über eine kräftige finanzielle Unterstützung freuen. Aber alles der Reihe nach:

Es war im September 1997, als der damalige Schulleiter des Gymnasiums, Peter Gerbert, mit dem Vorschlag an Wolfgang Kluge, damals (und bis 2012) Schulelternsprecher, herantrat, eine Cafeteria zu gründen. So brauchten auch Schüler, die ohne Pausenbrot zur Schule kamen, nicht den Vormittag über zu hungern. Das sei machbar, antwortete Kluge damals, jedoch werde er das Ganze auf betriebswirtschaftliche Beine stellen. Kurzerhand gründete er einen Verein, dessen Grundbaustein eine fiktive GmbH war, die immerhin 15 Jahre lang wirtschaftlich sehr erfolgreich eigenverantwortlich arbeitete.

Wie im "richtigen Leben" bildete Kluge mit sieben damaligen Oberstufenschülern einen Gesellschafterverein, der die Geschicke der GmbH zu lenken hatte, mit Geschäftsführer, Abteilungsleiter, Personal, Marketingabteilung, Angestellten und einer eigenen Buchhaltung; alle zwei Jahre wechselte der Vorstand. Wo denn das dazugehörige Programm sei, habe der erste Buchhalter (Kluges eigener Sohn) seinen Vater gefragt, der daraufhin lediglich eine leere Exceltabelle auf den Monitor des PC’s zauberte mit der Aufforderung, diese nun selbst zu füllen.

Monatliche Überprüfungen zur finanziellen Situation, zu Kalkulation oder Hygieneverhältnissen zwangen die Schüler, stets gewissenhaft ihre GmbH zu führen. "Ich habe nur eingegriffen, berichtet Kluge, "wenn es stockte, und einmal jährlich wurde zur Gesellschafterversammlung eingeladen." Der Kosten-Umsatz-Vergleich machte deutlich, wo gut gewirtschaftet wurde und wo Verbesserungen vonnöten waren.

Jährlich wurden zehn Prozent des Gewinns für soziale insulare Einrichtungen gespendet, aus dem Mittelwert des Gewinns der letzten drei Jahre wanderten 20 Prozent auf das Rücklagenkonto, 80 Prozent in die jeweilige Kasse des Abiturjahrgangs und bildeten einen soliden Grundstock für den Abiturball, wobei jeder Jahrgang zwischen 2500 und 3000 Euro erhielt. Nicht nur das überprüfende Finanzamt, das übrigens auch realitätsnahe Strenge zeigte, indem es die Schüler aufforderte, wegen des unterschiedlichen Mehrwertsteuersatzes genau zu ermitteln, wie viel außerhalb und innerhalb des Schulgebäudes verzehrt werde, begeisterte sich am "learning by doing", auch Gerberts nachfolgende Schulleiter waren stolz auf ihr hausinternes Wirtschaftsunternehmen.

Demnächst wird auch Kluges jüngstes Kind Abitur machen und die Schule verlassen, so dass "Vater Kluge" nicht mehr präsent sein wird. Bisher konnte kein Nachfolger für seine Tätigkeit gefunden werden, doch wurden in 15 Jahren Rücklagen gebildet, die nach den Vorschriften des Gesellschaftsvertrages zu verteilen sind: Die Wahl der zurzeit arbeitenden GmbH fiel auf die eigene Schule: In dem Projekt "Schüler helfen Schülern" geben Oberstufenschüler ihr Wissen an jüngere Schüler weiter. "Besonders förderungswürdig" entschieden die Gesellschafter und überlassen ihr Vermögen von immerhin 3500 Euro diesem Projekt.

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