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In Wittdün bleiben die Urlauber weg : Schlusslicht bei den Gästezahlen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Abwärtstrend in Wittdün Thema bei der Einwohnerversammlung. Bürger sehen beim teuren Badeland die Nachbargemeinden in der Pflicht.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 12:30 Uhr

41  274 Gäste mit 362  284 Übernachtungen sind Wittdüns Fremdenverkehrsbilanz des Jahres 2016. Das berichtete Tourismus-Chef Frank Timpe bei der gut besuchten Einwohnerversammlung. Damit war Wittdün dass Schlusslicht der drei Amrumer Gemeinden. Nebel zählte laut Timpe 44  502 Gäste mit 446  990 Übernachtungen und Norddorf 53  517 Gäste mit 488  430 Übernachtungen. Während sich in Nebel und Norddorf die Zahlen in den letzten Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt hätten, sei in Wittdün ein negativer Trend zu beobachten, erläuterte Timpe weiter. In den letzten zehn Jahren sei die Anzahl der Gäste um 12,5 Prozent rückläufig und die Anzahl der Übernachtungen um 6,25 Prozent.

Eine Frage der Einwohner bezog sich auf die Anzahl und Qualität der Veranstaltungen in Wittdün. Hierzu präsentierte Frank Timpe eine Analyse der Angebote von 2016, für die im Veranstaltungskalender „Amrum Aktuell“ geworben wurde: Es habe insgesamt 3880 Veranstaltungen gegeben, wovon 1557 in Wittdün, 997 in Nebel und 1233 in Norddorf stattgefunden hätten. Größere, publikumswirksame Events mit prominenten Künstlern könnten aufgrund der Raumgröße nur im Gemeindehaus Norddorf durchgeführt werden. 2016 habe es in Wittdün 44 kleinere Musikveranstaltungen gegeben, die hauptsächlich in der „Blauen Maus“ und der Kirche stattfanden.

Eine weitere Verbesserung des Angebots könne sicherlich durch die neu entstehenden Konferenz- und Veranstaltungsräume des geplanten Anbaus beim Amrum-Badeland entstehen. Dieses sei ein Projekt in Kooperation mit der Schutzstation Wattenmeer. Neue kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur seien die Erneuerung der Wirtschaftsgebäude des FKK-Zeltplatzes und der Umbau der Strandbar.

Die Höhe der Tourismusabgabe in Wittdün war erwartungsgemäß der am intensivsten diskutierte Punkt des Abends. Wittdüner Bürger machten deutlich, dass für sie die jetzige Höhe dieser Abgabe nicht mehr akzeptabel sei. Seit der gesetzlich vorgeschriebenen Umstellung auf die umsatzbezogene Erhebung habe sich die Tourismusabgabe verdoppelt. Die im Vergleich zu den Nachbargemeinden Nebel und Norddorf um den Faktor vier höhere Abgabe stelle mittlerweile einen erheblichen Wettbewerbsnachteil dar.

Neben dem Tourismus-Chef hatte Bürgermeister Jürgen Jungclaus auch Tobias Schmidt und Sebastian Kaiser vom Amt Föhr-Amrum zu der Versammlung eingeladen. Die beiden Finanzfachleute gaben einen Überblick über die Haushaltszahlen von Gemeinde und Amrum-Touristik Wittdün und erklärten anschließend die Grundlagen zur Festlegung der Tourismusabgabe. Da die Amrum-Touristik Wittdün ein Eigenbetrieb der Gemeinde sei, müsse ein ausgewiesener Verlust zu 100 Prozent von dieser ausgeglichen werden. Durch die jährlichen Verlustzuweisungen an die Amrum-Touristik sei Wittdün zu einer Fehlbedarfsgemeinde geworden. Um diese Fehlbedarfszuwendungen auf einem Minimum zu halten, sei die Kommune und somit auch die Amrum-Touristik angehalten, alle Einnahmequellen auszuschöpfen.

Die Hauptursache für den jährlichen Verlust sei das Badeland, das nach der vorläufigen Bilanz für 2016 im vergangenen Jahr einen Verlust von 490  000 Euro gemacht habe. Demnach standen Einnahmen von 483  000 Euro Ausgaben von 973  000 Euro gegenüber. Eine Reihe von Optimierungsmaßnahmen auf der Ausgabenseite, wie zum Beispiel Energiesparmaßnahmen, hätten die Situation zwar verbessert, aber das Problem nicht nachhaltig gelöst.

Die Amrum-Touristik Wittdün finanziere sich durch Gebühren, Entgelte und Erlöse, die Tourismusabgabe, die Kurabgabe sowie eigene Haushaltsmittel. 2016 habe der Anteil der Kurabgabe 38 Prozent und der der Tourismusabgabe 17 Prozent betragen. Bei gleichbleibenden Ausgaben könne eine niedrigere Tourismusabgabe nur durch Mehreinnahmen bei der Kurabgabe oder höhere Gebühren, Entgelte und Erlöse aufgefangen werden. Eine Entlastung der Tourismusabgabe-Pflichtigen durch zusätzliche eigene Haushaltsmittel der Gemeinde sei nicht zulässig.

Intensiv wurde an diesem Abend über eine Erhöhung der Kurabgabe diskutiert. Einerseits möchte man von den Gästen keine höhere Abgabe als Nebel oder Norddorf erheben, andererseits glaubt man nicht, dass die beiden Nachbargemeinden einer insularen Lösung zustimmen würden, nach der die Kurabgabe auf ganz Amrum einheitlich angehoben würde.

Die notwendige Einhaltung des Kostenüberdeckungsgebots ließe sich durch eine Ausgleichszahlung an Wittdün erreichen. Zurzeit unterstützten Nebel und Norddorf mit jeweils etwa 10  000 Euro den Betrieb des Amrum-Badelandes. Eine Anfrage vor einiger Zeit an beide Gemeinden zwecks höherer Unterstützung sei negativ beschieden worden. Erhebungen hätten gezeigt, dass ein großer Prozentsatz der Nutzer des Badelandes aus Nebel und Norddorf kämen.

Die Teilnehmer an der Einwohnerversammlung waren sich einig, dass das Badeland zur Steigerung der Attraktivität der Urlaubsinsel beitrage und man wünschte sich weitere Gespräche mit den anderen Gemeinden, um doch noch eine Lösung herbeizuführen.

Ein Kritikpunkt war in der Versammlung das Erscheinungsbild einiger Ortsbereiche. Der Fußweg „Köhns Übergang“ sowie insbesondere die untere Wandelbahn wurden hier angesprochen. Weitere Punkte waren eine bessere Nutzung des Nordstrandes sowie auch das Erscheinungsbild des Kurparks. Über geplante Änderungen gab es an diesem Abend keine Information.

Bürgermeister Jürgen Jungclaus beendete die Versammlung mit der Aufforderung: „Sollten noch Fragen offen sein, wenden sie sich bitte direkt an mich oder die Gemeindevertreter“.

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