Wyk : Schlottern für den guten Zweck

Fast wie im Sommer: Hochbetrieb am Wyker Badestrand.
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Fast wie im Sommer: Hochbetrieb am Wyker Badestrand.

Beim Anbaden in der sieben Grad kalten Nordsee gab es einen neuen Teilnehmer-Rekord. Der Erlös kommt Jugendprojekten zugute.

shz.de von
03. Januar 2018, 08:00 Uhr

Einen Euro hatten diejenigen zu berappen, die sich vor dem Wyker Aquaföhr in die kalte Nordsee stürzen wollten. Während genau 418 Mutigen der Spaß Wert war, das Geld für einen guten Zweck locker zu machen, gab es – geschätzt – über 3000 Schaulustige, die für kein Geld der Welt den kalten Fluten begegnen wollten. Doch für alle war das Anbaden zum Jahresbeginn ein willkommener Anlass, sich nach einer mehr oder weniger feuchtfröhlichen Nacht an der frischen Luft oder im kalten Wasser zu bewegen.

Seit 1997 steht das Wyker Neujahrsschwimmen auf dem Programm und die Zahl der Teilnehmer stieg von anfangs zwölf Mutigen kontinuierlich an, um in diesem Jahr mit 418 einen neuen Rekord zu erreichen. Den kühlen Sprung in die Nordsee wagen dabei gleichermaßen Insulaner und Touristen, die sich häufig als „Wiederholungstäter“ outen. Wie gute alte Bekannte konnten sie im Vorraum des Wellenbades Kurt Weil und Jürgen Huß begrüßen, die bereit saßen, die Anmeldungen der Schwimmerinnen und Schwimmer entgegen zu nehmen. Eine fast nicht enden wollende Schlange hatte sich vor den beiden vom Organisationskomitee aufgebaut. Während sich im AquaFöhr Weil und Huß über die steigende Zahl der Anmeldungen freuten, war es auf der Promenade die Aufgabe von Moderator Thomas Müller, die Zuschauer bei Laune zu halten und möglichst auch zum Mitschwimmen zu bewegen. „Alle Männer mit Mütze und Bart gehen heute zum Schwimmen“, so eine seiner Aufforderungen. Er versäumte auch nicht, darauf zu verweisen, dass vom Neujahrsschwimmen der DLRG-Nachwuchs, der fleißig Lose verkaufte, der Segler-Nachwuchs und Schüler der Musikschule profitieren.

Professionell vorbereitet war die Veranstaltung auch in diesem Jahr: Die erwachsenen Mitglieder der DLRG standen parat und hatten den Weg zum Wasser für die Akteure abgesperrt, zwei Schwimmer der Tauchgruppe Odin standen im Wasser bereit, um notfalls einzugreifen und zwei Opti-Segler kreuzten vor dem Aquaföhr. Während die Organisatoren alles perfekt für den coolen Jahresanfang vorbereitet hatten, schien Petrus etwas unter den Nachwehen des Jahreswechsels gelitten zu haben: Wurde die Zeit vor dem Start zum Schwimmen zunächst von Sonne und blauem Himmel begleitet, was Thomas Müller zum Lob der friesischen Karibik veranlasste, wurde der Himmel immer düsterer. Pünktlich zum dem Zeitpunkt, als der Chef der Föhr Tourismus GmbH, Jochen Gemeinhardt, als erster kühner Schwimmer das Anbaden eröffnete, war es mit den karibischen Gefühlen vorbei. „So ein fürchterliches Wetter können nur wir Föhrer zum Neujahr präsentieren“, lautete Müllers Kommentar, als ein Hagelschauer über Schwimmer und Publikum hereinbrach.

Doch das scherte in diesem Moment kaum jemanden. Gespannt beobachteten die Zuschauer die Mutigen, die sich teilweise sehr fantasievoll kostümiert oder, wie zum Beispiel die kleine Pauline aus Hamburg, ihr Schwimmtier mitgebracht hatten. Je nach Verfassung gingen Neujahrsschwimmer ganz vorsichtig ins Wasser oder stürzten sich mit kühnem Sprung in die sechs bis sieben Grad kalte Nordsee. Ganze Gruppen hatten sich zusammengefunden, so beispielsweise die Freiwilligen der Schutzstation Wattenmeer, oder Mitarbeiter einzelner Firmen. „Ich will da nicht rein“, meinte eine Schwimmerin, bevor sie sich dann doch ein Herz fasste, um nach kurzem Aufenthalt im Wasser wieder zum kuschelig warmen Wellenbad zu eilen, wo sich die 418 Schwimmer wieder auf Betriebstemperatur bringen konnten.



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