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In alter Pracht : Romantische Klänge in Süderende

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Arbeiten an der Orgel der St.-Laurentii-Kirche sind abgeschlossen: Das Instrument wurde um drei Register erweitert.

Die Orgel in der St.-Laurentii-Kirche hat ihren ursprünglich romantischen Klang weitestgehend wiedererhalten. Dank einer großen Spendenbereitschaft konnte die Kirchengemeinde das Instrument durch Um- und Neubau um drei klingende Register erweitern lassen.

Die ursprünglich mit einem dreiteiligen neugotischen Prospekt von der Orgelbau-Anstalt Marcussen & Sohn aus Apenrade in Dänemark gebaute Orgel war am 30. Juni 1890 in der St.-Laurentii-Kirche eingeweiht worden. Dies belegen ein Fabrikationsschild und ein manueller Eintrag im Orgelgehäuse. Umfangreiche Umbauten in den jahren 1948 und 1962 gingen zu Lasten des romantischen Klangs.

Von der Hamburger Orgelbauwerkstatt Lobback wurde das 18 Register auf zwei Manualen und Pedal umfassende Werk schließlich 1990 komplett renoviert. Seit dieser Zeit zeigte sie sich als neobarockes Instrument. Die Veränderungen am Pfeifenwerk waren so gravierend, dass vom ursprünglichen kräftigen und warmen Klang der Orgel nichts mehr vorhanden war. Solche Veränderungen romantischer Instrumente waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgrund des Zeitwandels und des Musikgeschmacks üblich.

2013 gelang es durch einen Rückbau, die originalen historischen Luftbälge wieder in das Instrument zu integrieren. Seitdem kann die Orgel durch manuelles Balgtreten mit Wind versorgt werden. Durch die gleichmäßige Druckverteilung ist der Klang harmonischer als mit der elektrischen Luftversorgung.

Das Bedienen der Luftbälge wurde früher durch Helfer vorgenommen. Oftmals fungierten die Konfirmanden als Kalkanten (Balgtreter). Durch den Kalkantenruf wurden sie vom Organisten auf den Beginn der Arbeit aufmerksam gemacht. Dazu benutzte dieser einen Registerzug, der mit einem Glöckchen an der Balganlage verbunden ist. Durch den sogenannten geschöpften Wind über das Balgtreten verändert sich der Orgelklang und wirkt lebendiger und harmonischer.

Bereits vor mehr als 20 Jahren war die Idee entstanden, die Orgel durch den Einbau weiterer Klangregister zu erweitern. Erst jetzt konnte dieser Gedanke erfolgreich realisiert werden. Der Platz und die Technik, um drei von vier freien Registern zu integrieren, waren bereits vorhanden. Ziel der umfangreichen Aktion war es, dem Kircheninstrument seine Stimme und seinen Klangcharakter wiederzugeben. Somit verfügen die beiden Kirchenmusikerinnen nun beim Orgelspiel über vielfältigere Registermischungen und die Möglichkeit von farbenreicheren Klangintonationen. „Man kann dies mit dem Unterschied zwischen einem Kammer- und einem Symphonieorchester vergleichen“, erläuterte der Orgelbauer Christoph Saure von der Paschen Orgelbau GmbH in Kiel.

Im Mai erhielt das Kircheninstrument nun drei weitere Register – nach rund dreiwöchigen Vorbereitungsarbeiten in der Werkstatt. Neben metallischen Zinn- und Bleipfeifen von Orgeln aus anderen Kirchen, von denen die größte zirka drei Meter hoch ist (Viola da Gamba), sind über 100 Jahre alte hölzerne Pfeifen zum Ausbau der klingenden Register eingesetzt worden, die aus der Bauzeit der Marcussen-Orgel stammen. Damit verfügt die Orgel nun insgesamt über 1404 Pfeifen.

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erstellt am 03.Jun.2017 | 18:00 Uhr

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