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Föhr-Fähre der WDR : Reederei-Chef: „Nur ein wirklicher Umbruch hilft“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Reederei-Chef Axel Meynköhn im Gespräch über die Zukunft seines Unternehmens und die Fremdenverkehrs-Strukturen auf Föhr.

von
erstellt am 14.Mär.2015 | 09:00 Uhr

Die Wyker Dampfschiffs-Reederei wird 130. Anlass zu einem Gespräch mit dem Geschäftsführer der Reederei, Axel Meynköhn, über die Chancen und Herausforderungen, vor denen sein Unternehmen steht.

Das 125-Jährige war doch gerade erst… Herr Meynköhn, wie fühlt es sich an, an der Spitze eines so altehrwürdigen Traditionsunternehmens zu stehen?
Es ist eine Mischung aus dem Respekt vor der täglichen Verantwortung für die Versorgung der Inseln und Halligen und der Freude, an der Entwicklung des Unternehmens mitwirken zu dürfen.

Vor fünf Jahren wurde das Jubiläum mit der Taufe der „Uthlande“ gefeiert, nur ein Jahr später kam die „Schleswig-Holstein“ dazu – das 44. Schiff in der langen Geschichte der Wyker Reederei. Wie wird sich die Flotte in den nächsten Jahren entwickeln?
Als dynamisches Reedereiunternehmen denken wir ständig über Qualitäts- und Effizienzverbesserungen in unserem Angebot nach. Dies macht auch vor einer bereits sehr jungen Schiffsflotte nicht halt. Dabei gilt es, wie im Übrigen schon seit 130 Jahren, die Aufgabe der Inselversorgung, den Umweltschutz und die nachhaltige Wirtschaftlichkeit in einem gesunden Verhältnis zu halten. Jede Investition in unser Geschäftsmodell muss sich an diesen Zielen messen lassen.

Nachdem die „Rüm Hart“ vor einem Jahr nach Ostfriesland verkauft wurde, besitzt die WDR kein eigenes Ausflugsschiff mehr. Hat die Reederei sich damit endgültig aus dem Ausflugsgeschäft verabschiedet?
Ähnlich wie bei den Busgelegenheitsverkehren auf Föhr und Amrum haben wir uns entschieden, diese für den Fremdenverkehr wichtige Aktivität Partner-Reedereien zu übergeben, die die Aufgabe mit viel Herzblut, Erfahrung und unserer Hilfe erledigen. Diese sinnvolle Arbeitsteilung trägt dazu bei, den Fortbestand der traditionellen Ausflugsschiffahrt vor den Inseln und Halligen in schwierigen Zeiten aufrecht zu erhalten. Aber auch diese Kooperation ist Gegenstand einer ständigen Überprüfung.

Die WDR-Fähren sind für Insulaner und Halligbewohner die Nabelschnur zum Festland. Werden Sie die Fährverbindungen auch in Zukunft in den Wintermonaten in der derzeitigen Qualität aufrecht erhalten können?

Nach den historischen Rekordjahren zu Beginn der 1990-er Jahre ist das Verkehrsaufkommen in unserem Fahrtgebiet um rund 20 Prozent zurückgegangen und verharrt bis heute auf diesem Niveau. Das derzeitige Fahrplanangebot der WDR hat sich, auch aus Sicht unserer Kundschaft, gut bewährt und bedarf aus heutiger Sicht keiner Anpassungen. Der Einsatz der beiden Doppelendfähren mit einer deutlich erhöhten Fahrzeugkapazität und verbesserten Salonqualität gegenüber den älteren Schiffen erleichtert uns den Erhalt eines attraktiven Angebots trotz der stagnierenden Beförderungsnachfrage.

Und die Preise, speziell der Insulanertarif?
Die WDR gehört nachweislich zu den preisgünstigsten Inselreedereien entlang der gesamten Nordseeküste, von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark. 2014 und 2015 haben wir im Gegensatz zu den meisten Verkehrsunternehmen in Deutschland weitgehend auf Fahrpreisanpassungen verzichten können. Dies ist ein Standortvorteil für die nordfriesischen Inseln und Halligen. Unser Anspruch ist und bleibt das Angebot eines attraktiven Preis-Leistungsverhältnisses für unsere Fahrgäste und Frachtkundschaft, unabhängig von deren Wohnort oder Geschäftssitz. Der Insulanertarif steht seitens der WDR nicht zur Disposition.

Die Inselversorgung ist das eine, der Fremdenverkehr das für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Unternehmens wesentlich bedeutsamere Standbein. Muss es Ihnen da nicht angesichts der Endlos-Diskussionen um die künftigen Tourismustrukturen auf Föhr Angst und Bange werden?
Gerade wegen der stagnierenden beziehungsweise rückläufigen Personenbeförderungen und Übernachtungszahlen verfolge ich die Entwicklung der lokalen Tourismusorganisation auf den Inseln mit großer Sorge. Der Tourismus wird letztendlich von den Kommunen getragen und gefördert. Es reicht nicht mehr, alle paar Jahre den Kurdirektor zu wechseln und teure Gutachten in Auftrag zu geben. Die Herausforderungen des Tourismus im 21. Jahrhundert sind andere als vor 50 oder 100 Jahren. Während der private Sektor sich wandelt, tritt die lokale Tourismusorganisation seit Jahren auf der Stelle. Gerade die Erfahrungen auf Föhr in den letzten Jahren zeigen, dass der kleinteilig und überwiegend ehrenamtlich geführte Tourismus mit der Aufgabe überfordert ist. Aus meiner Sicht gilt es, die kommunalen Strukturen den Anforderungen des Tourismus anzupassen und nicht umgekehrt. Hier hilft nur ein wirklicher Umbruch. Im Klartext: eine statt vieler Gemeinden und professionelle Aufstellung statt ehrenamtlicher Feierabendtätigkeit, bei allem Respekt vor den Menschen, die sich heute in ihrer Freizeit um das Thema bemühen. Viele hunderttausende von Euro wurden in den letzten Jahren für Gutachten und Rechtsanwälte ausgegeben, aber am Service für die Gäste gespart. Die Inseln leben fast ausschließlich vom Tourismus. Der einmalige und dörfliche Charakter unser Inseln wird nicht darunter leiden, wenn es zukünftig nur noch einen Bürgermeister und eine Gemeindevertretung gäbe. Das Thema ist viel zu wichtig, um es weiter unter den Teppich zu kehren.

Herr Meynköhn, Sie stehen seit fast 17 Jahren an der Spitze des Unternehmens. Wie hat sich die WDR seither entwickelt?
Im 19. Jahrhundert auf der Insel Föhr gegründet ist das Unternehmen wohlbehalten, durchgehend modernisiert und wirtschaftlich stabil im 21. Jahrhundert angekommen. Wir haben uns gewandelt und Bewährtes erhalten.

Zum Schluss noch ein kurzer Ausblick in die Zukunft: In welche Richtung wollen sie das Schiff steuern?
Die Bereitschaft zur ständigen Erneuerung und zur Modernisierung muss erhalten bleiben. Die Richtung und die Aufgaben sind für das Unternehmen seit der Gründung gesetzt und liegen überwiegend hier vor Ort. Die WDR organisiert auf eigenwirtschaftlicher Grundlage eine Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Die vielen Interessen, die sich an das Unternehmen richten, sind dabei im Gleichgewicht zu halten, um die Kernaufgabe der Inselversorgung nicht in Frage zu stellen.

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