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suchtprävention im mittelpunkt : Privater Cannabis-Anbau nimmt zu

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Welche Drogen sind bei Jugendlichen angesagt und wie kann sinnvoll gegengesteuert werden? Fragen, die der Jugend-, Kultur- und Sozialausschuss in den Mittelpunkt seiner jüngsten Sitzung gestellt hatte.

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erstellt am 30.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Welche Drogen sind bei Jugendlichen angesagt, wie hoch ist der Anteil insularer Jugendlicher, die Rauschmittel konsumieren, und wie kann sinnvoll gegengesteuert werden? Fragen, die der Jugend-, Kultur- und Sozialausschuss in den Mittelpunkt seiner jüngsten Sitzung gestellt hatte. Interessiert waren die Mitglieder vor allem an den Meinungen der Fachleute, die ihre Erfahrungen zum Thema Suchtprävention vorstellten. Carl Wögens, Schulleiter, und Ute Drewsen-Lorenzen, Schulsozialarbeiterin der Eilun-Feer-Skuul, nahmen ebenso an der Runde teil wie Uwe Peterzumplasse (Allgemeiner Sozialer Dienst), Christel Wippermann (Suchtberatung der Brücke), Petra Christiansen (Leiterin des Wyker Jugendzentrums) und Wyks Polizeichef Udo Höfer.

Einigkeit herrschte darüber, dass der Konsum entsprechend dem Landestrend auch auf der Insel zunimmt. Der Fokus liegt auf dem Genuss von Cannabis, der allerdings kaum in den Schulen, sondern in der Freizeit geschieht. Seit Monaten, konstatierte Ute Drewsen-Lorenzen, seien im Bereich der Schule keine Drogen gefunden worden.

Dass zu diesem Thema auch in Einzelberatungen kein größerer Gesprächsbedarf bestehe, berichtete Uwe Peterzumplasse. Allerdings sei bei einzelnen Jugendlichen der Konsum an der Schulabwesenheit und dem Leistungsabfall als klassische Symptome abzulesen. Ein hochsensibles Thema, weiß Ute Drewsen-Lorenzen. Nicht alle Eltern seien offen dafür, die sich vielmehr häufig angegriffen fühlten. „Der schulische Arm reicht nicht bis in die Elternhäuser, der Einflussbereich ist begrenzt.“ Weshalb die Diplom-Sozialpädagogin bei offenkundigen Problemen an die Suchtberatung vermittelt.

Deren Vertreterin Christel Wippermann bestätigte die Zunahme des Mischkonsums. Haschisch mit Alkohol oder anderen Drogen, mit all dem müsse man rechnen. Zwar stehe sie in Verbindung mit dem Krankenhaus, informiert werde sie aber nur bei Zustimmung der Eltern.

Mit dem Mischkonsum wird auch die Polizei immer wieder bei Verkehrskontrollen konfrontiert. Eine Zunahme aber konnte Udo Höfer nicht bestätigen, der von maximal vier Verfahren in den vergangenen Jahren berichtete. Die zunehmende Verlagerung auch des Anbaus der Cannabis-Pflanzen erschwert die Arbeit der Ordnungshüter zusätzlich, denen ohne konkrete Aussagen die Hände gebunden sind.

Dass die Schule der einzig sinnvolle Ort für die Prävention ist, war Konsens. Hier kommen alle Jugendlichen zusammen, kann das Problem am effektivsten angangen werden. Die Lehranstalten aber, gab Thomas Löwenbrück (SPD) zu bedenken, hätten ohnehin viel zu leisten und müssten unterstützt werden.

Worte, die Carl Wögens wohlwollend vernahm, der bestätigte, dass die Schule aufgrund programmatischer Arbeiten am Limit arbeite. Weshalb der Schulleiter um Verständnis warb, dass die Suchtprävention nicht auf der Agenda stehe. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass, wie von den Fachleuten in der Runde bestätigt, das Problem auf der Insel überschaubar sei. Der Drogenkonsum in der Schule stelle allenfalls ein großes Dunkelfeld dar. Verdachtsmomente gebe es und eine entsprechende Intervention, die parallel zur Prävention geschehe und auf Gespräche mit den Eltern und den Betroffenen hinauslaufe, zu denen auch der Beratungsdienst herangezogen werde. Allerdings: „Wo substanziell erstmal nichts ist, kann man auch nicht intervenieren“.

Die beste Prävention ist ohnehin die Stärkung des Einzelnen. Die zu erreichen, wurde für die fünften und sechsten Klassen der Eilun-Feer-Skuul unter Federführung des Beratungsdienstes und in Zusammenarbeit mit den Lehrern ein Konzept zur Stärkung der persönlichen und sozialen Kompetenz der Schüler erarbeitet. Ist eine Leistungsabnahme offensichtlich und von Dauer, kommen Betroffene, Eltern, Lehrer und Schulleiter in großer Runde zusammen, in der nach Lösungen gesucht wird.

Um die ausgelastete Schule zu unterstützen, wären Fachleute vom Festland eine Alternative, lautete ein Vorschlag Uwe Peterzumplasses. Projekte könnten in den siebten und achten Klassen begonnen werden, wo der Drogenkonsum zunähme. Dies setze voraus, dass die Schule sich öffne und die Infrastruktur zur Verfügung stelle.

Die Schule wäre mit an Bord, wie Carl Wögens versicherte. Die allerdings, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, den strukturellen Rahmen für langfristige Konzepte vorgeben müsste. Keine leichte Aufgabe, so Löwenbrück, „Ideen in der Folge mit Inhalten zu füllen“.

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