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Insel-Bote

23. September 2017 | 00:19 Uhr

Wyker Innenstadt : Poller – nein Danke

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Kurze Halbwertszeit: Die Stadtvertretung kassiert nach nur vier Wochen den Beschluss des Ausschusses für öffentliche Einrichtungen, die Fußgängerzone abzusperren.

von
erstellt am 21.Mai.2016 | 11:00 Uhr

Im April hatte der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen beschlossen, dass die Fußgängerzone außerhalb der Lieferzeiten wieder durch Poller abgesperrt werden soll, um Autos, die inzwischen zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Gehstraßen brettern, auszusperren. Ein Beschluss, der genau einen Monat Bestand hatte. Jetzt hat die Stadtvertretung ihn mit 7:5 Stimmen wieder kassiert.

Auf Antrag von Jürgen Huß (Kommunale Gemeinschaft) war das Thema erneut auf die Tagesordnung gekommen. Huß hatte bemängelt, dass es zur Ausschusssitzung keine Vorlage gegeben und so für Politiker und Öffentlichkeit keine Möglichkeit bestanden habe, sich auf das Thema vorzubereiten. Der Stadtvertreter, der selbst ein Geschäft am Sandwall besitzt, vertrat die Auffassung, dass eine Abpollerung des Sandwalls, wie sie schon in den zurückliegenden Jahren praktiziert wurde, völlig ausreiche.

Schützenhilfe bekam er bereits in der Einwohnerfragestunde vom Vorsitzenden des Handels- und Gewerbevereins (HGV), Bernd Wigger, und von Stefan Peetz, Ladeninhaber in der Großen Straße. Es habe ihn sehr erstaunt, dass der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen die Poller beschlossen habe, ohne die Meinung der Betroffenen einzuholen, erklärte Peetz, denn die hätten eine Abpollerung „aus gutem Grund“ immer abgelehnt. Peetz verlangte, dass vor einer Umsetzung des Beschlusses die Anwohner gehört werden. „Ich wollte mit dem HGV-Vorsitzenden reden, aber der kam nicht und ich bin nicht das Kindermädchen für den HGV“, erklärte Bürgermeister Paul Raffelhüschen. Das führte zu einem Schlagabtausch zwischen ihm und Wigger, der sich „diesen Schuh nicht anziehen“ wollte. Wigger wies außerdem darauf hin, dass es wegen der Fährverbindungen nicht möglich sei, den ganzen Lieferverkehr bis 11 Uhr abzuwickeln, und nicht alles mit Sackkarren in die Fußgängerzone gebracht werden könnte.

„Wenn ich nicht mehr die Möglichkeit habe mein Auto zu benutzen, benutze ich es eben nicht mehr“, kommentierte Anwohner Heinrich Heymann die Diskussion ganz pragmatisch und kritisierte dann, dass es an Kontrollen in der Fußgängerzone fehle. Der städtische Vollzugsbeamte dürfe nur den ruhenden Verkehr überwachen, aber nicht gegen fahrende Autos einschreiten, erklärte Raffelhüschen dazu und betonte dann, dass eine Abpollerung im Interesse des Fremdenverkehrs sei.: „Die Stadt lebt von Kurgästen und die wollen flanieren“.

Flanieren wollten auch Eltern mit kleinen Kindern, ergänzte Till Müller (Grüne), und berichtete aus eigener Erfahrung, wie angenehm es sei, wenn man den Nachwuchs einfach laufen lassen könne.

Jürgen Huß war bei der Begründung seines Antrags noch mal ausführlich auf den Lieferverkehr eingegangen. Das meiste komme mit der Fähre um 10.30 Uhr, die sich aber oft verspäte, und die nächste große Tranche gegen 13.45 Uhr. „Und gegen 11.30 Uhr kommt Frischfleisch für die Gastronomie, das muss zugestellt werden“, erklärte er.

„Ich sehe die Problematik zwar, aber ich weiß keinen anderen Weg, als die Fußgängerzone abzusperren, um Missbrauch zu unterbinden“, sagte Peter Potthoff-Sewing (CDU).

Annemarie Linneweber (SPD) hielt es für anreisende Gäste, insbesondere für ältere Urlauber und Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht für zumutbar, sich den Weg „durch das Nadelöhr Wilhelmstraße“ zu suchen. „Das ist eine Benachteiligung von Behinderten.“ Ihr Fraktionskollege Peter Schaper regte schnellstmöglich eine ergebnisoffene Diskussion mit den Betroffenen an.

Schließlich machten Jürgen Huß und Lars Schmidt (CDU) zwei ganz praktische Vorschläge: Huß berichtete, dass es in anderen Städten per Fernbedienung versenkbare Poller gebe und regte an, die Kosten dafür in Erfahrung zu bringen. Kostenlos ist dagegen die Idee von Lars Schmidt, am Spätnachmittag einen zweiten Anlieferzeitraum zu schaffen. „Wir brauchen einen Kompromiss mit dem Stadt und Anlieger leben können, denn bummeln heißt auch kaufen“, so Schmidt.

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