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Symposium in Wyk : Plastik – Der Wohlstandsmüll an den Küsten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Plastikarme Inselumwelt: Kunststoffabfälle, die Gefahren, die von ihnen ausgehen und ihre Vermeidung waren Thema bei einer Veranstaltung des BUND.

„Innerhalb von drei Generationen hat es die Menschheit geschafft, den Planeten komplett zu verplastiken“. Karin Schüler aus München machte beim Symposium „Plastikarme Inselumwelt Föhr“, zu dem die Inselgruppe Föhr-Amrum des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ins Wyker Veranstaltungszentrum eingeladen hatte, ein Dilemma deutlich, das inzwischen gewaltige Dimensionen erreicht hat. In dieser Veranstaltung ging es nicht nur darum, die Gefahren aufzuzeigen, die vom Plastikmüll ausgehen. Vielmehr wurde beleuchtet, wie der Einsatz dieses Materials vermieden werden kann. Dazu kamen Referenten wie Karin Schüler zu Wort, die in ihren Betrieben bereits plastikfreie Alternativen verwirklichen.

Amtsvorsteherin Heidi Braun machte in ihrem Grußwort deutlich, dass man gerade auf Föhr, der „Grünen Insel“, großes Interesse an einer sauberen Umwelt haben und sich auf die Produkte aus der Region konzentrieren müsse.

Die Dimension des Plastikmülls im Meer machte Walter Stubenrauch, derLeiter des Nationalpark-Hauses in Wyk deutlich. „Das Problem ist nicht neu, dass das Meer als Müllkippe für Verpackungen dienen muss“, so Stubenrauch. Waren es bei den Römern oder Griechen Tongefäße, so ist es heute Plastik, ein besonders langlebiges Produkt. Es dauere etwa 450 Jahre, bis eine Plastikflasche verschwunden ist. Dabei kommt immer mehr Müll in riesigen Treibstrudeln zusammen, deren Bestandteile für die Tierwelt tödlich sind. Mit Fotos belegte Stubenrauch nachdrücklich die tödlichen Auswirkungen für Vögel und andere Meeresbewohner. Des weiteren wird das Material zerrieben und verkleinert und entwickelt sich zum „Mikromüll“. Dieser Mikromüll ist, wie Walter Stubenrauch weiter ausführte, nicht weniger gefährlich, können doch die Partikel Giftstoffe freisetzen, die eigentlich seit Jahren verboten sind. „Kleine Plastikpartikel sind auch in Zahn- oder Peelingcremes zu finden, weil die so schön rubbeln“, berichtete der Redner. Doch sie seien so klein, dass sie von keinem Klärwerk zurückgehalten werden können, und werden so, wie andere Partikel auch, letztlich von Fischen und Muscheln gefressen um dann auch irgendwann als Nahrungsmittel auf den Tisch zu kommen.

„Wir Krabbenfischer verlieren unsere Netze nicht, dafür sind sie viel zu teuer“, hob der Wyker Henning Dulz hervor. Das Fadengewirr, das allenthalben an den Stränden zu finden ist, stamme von Material, das zu deren Schutz an den Netzen befestigt wird. Dabei blieben einzelne Fäden hängen und ribbelten sich immer mehr auf. Man sei in Kontakt mit den Herstellern, informierte Dulz, um geeigneteres Schutzmaterial zu finden.

Mit Alternativen zum Plastikmüll befasst sich das wissenschaftliche Beratungsinstitut EPEA. „Cradle to Cradle (Wiege zu Wiege)“ lautet sein Prinzip, das Christian Dinter als geschlossenen Kreislauf vorstellte. „Plastik ist kein Müll, sondern Ausgangsmaterial für neue Stoffe“, fasste er den Grundgedanken zusammen. Dabei soll von Stufe zu Stufe die Qualität nicht nur erhalten, sondern sogar erhöht werden.

Ab dem 1. Januar wird Frederik Erdmann bei der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) für Sicherheit, Umweltschutz und Qualität zuständig sein. Schon jetzt stellte er das Qualitätsmanagement der Reederei vor und gab bei dieser Veranstaltung den offiziellen Abschied von den Plastiktüten in der Gastronomie auf den Schiffen bekannt. „Aus Verantwortung für die Region, die Gesellschafter und die Mitarbeiter soll mit der Nachhaltigkeit sowohl die Ökologie, als auch die Ökonomie gefördert werden“, machte Erdmann deutlich. Die erfolgte Zertifizierung der WDR stelle eine Zustandsbeschreibung dar, und das Ziel sei eine „Verbesserungskultur“, durch die die WDR jeden Tag noch ein Stück besser werde.

Auch ein Pirat war zum Symposium erschienen. Als Referent für Energie, Umwelt und Agrar bei der Piratenfraktion im Landtag stellte sich Andreas Halle die Frage, ob die Lösung des Plastikproblems eine Aufgabe der Politik ist. „Die Politik kann gewiss keine Alternative zum Plastikbecher erfinden. Sie muss aber Anreize und die Rahmenbedingungen zu deren Vermeidung schaffen“, so das Fazit von Andreas Halle, der auf den Vorschlag seiner Partei zu Umweltpartnerschaften hinwies, der vor Kurzem im Landtag vorgestellt wurde.

Es blieb an diesem Tag nicht nur bei der Theorie. Vielmehr wurden auch ganz konkrete Beispiele des Verzichts auf Plastikverpackung vorgestellt. Neben der Münchnerin Karin Schüler, Gründerin von „Naturlieferant“, einer Initiative plastikfreien Handels, sowie Wolfgang Küpper von der Firma Papstar, die Teller und Becher nicht mehr aus Pappe, sondern aus Zellulose, also einem nachwachsenden Rohstoff, herstellt, berichtete auch Marie Delaperriere von ihren Erfahrungen. In ihrem Kieler Geschäft kann man rund 350 Produkte, überwiegend aus Bio- und Regional-Erzeugung unverpackt und in bedarfsgerechten Mengen erhalten. Ältere Kunden, so die Firmeninhaberin, hätten ihr schon des öfteren bescheinigt, sich fast an das Einkaufen in ihrer Jugend erinnert zu fühlen.

Den Reigen beschloss Karsten Johst aus St. Peter-Ording, der in seinem Zentralmarkt keine Plastiktüten mehr an der Kasse anbietet, sondern auf die Alternativen verweist. „Die Umstellung war nicht immer einfach und harmonisch“, erinnerte sich Johst an manche Reaktionen auf diese Aktion.

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erstellt am 22.Nov.2014 | 09:30 Uhr

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