Vielseitige Künstlerin : Piraten-Hase, Dünen und Meer

Im Gespräch: Künstlerin Wencke Waidhas-Stubbe mit Verleger Jens Quedens.
Im Gespräch: Künstlerin Wencke Waidhas-Stubbe mit Verleger Jens Quedens.

Dritte Sommerausstellung in der Amrumer Mühle: Landschaften, Stillleben und Illustrationen von Wencke Waidhas-Stubbe.

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03. September 2018, 18:15 Uhr

„Frii es de feskfang, frii es de jaght, frii es de strönthgang, frii es de naght, frii es de see, de wilde see...“ Vor Wencke Waidhas-Stubbes großformatigem Acrylgemälde „Hoffnung auf See“ rezitiert Jens Quedens frei aus dem Stand, wie die Sage weiter geht: „Der Amtmann von Tondern, Henning Pogwisch, schlägt mit der Faust auf den Eichentisch: Heut fahr ich selbst hinüber nach Sylt und hol mir mit eigner Hand Zins und Gült. Und kann ich die Abgaben der Fischer nicht fassen, sollen sie Nasen und Ohren lassen, und ich höhn ihrem Wort: Lewwer duad üs Slaav!...“ „Liliencron: Pidder Lüng“, sagt Jens Quedens und fügt schmunzelnd hinzu: „leider auf Sölring“. Quedens hat Wencke Waidhas-Stubbes Geschichten vom Piratenhasen Adrian verlegt und in schönstes Öömrang übersetzt.

Das großformatige Acrylbild findet sich in Wencke Waidhas-Stubbes „Amrum – Ein Piratenhasen-Malbuch“ wieder. Malbuch, Piratenhase, großes Acrylbild – wie geht das zusammen? Es geht ganz wunderbar, wenn man die Bilderbücher von Wencke Waidhas-Stubbe kennt und nun die Originalbilder in der Mühle sieht.

War die „Hoffnung“ nicht das Schiff von Oluf Jensen, das 1724 von Piraten gekapert worden war, die dann seinen Sohn Hark Olufs entführten und auf dem Sklavenmarkt verkauften, der nach zwölf Jahren als gemachter Mann auf die Insel zurückkehrte? „Die friesischen Sagen und Erzählungen sind für mich Inspiration, besonders die Geschichte von Hark Olufs“, sagt die Künstlerin und legt damit eine Quelle ihres Schaffens offen.

Wencke Waidhas-Stubbe stammt aus Süddorf und fing schon früh an zu malen. Ein Onkel von ihr war Maler. Er habe sie immer unterstützt und ihr benöigte Material zum Malen geschenkt. „Er hat mir auch mein erstes Bild abgekauft“, erinnert sich die Künstlerin und lacht: „Für zwei Mark auf einem Flohmarkt.“ „Später hat er es mir gerahmt zur Hochzeit geschenkt.“ Auch von ihren Kunstlehrern habe sie viel gelernt – auf Amrum und auf Föhr, wo Wencke Waidhas-Stubbe Abitur gemacht hat. Dann ging sie nach Hamburg und studierte freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste am Lerchenfeld. Dort habe sie vieles ausprobieren können, sich auch mit Trickfilmtechnik befasst und später noch einen Drehbuchlehrgang besucht.

Nach dem Studium hat sie beim Trickfilm als Produktionsleiterin gearbeitet und dann eine Familie gegründet, lange weder Zeit noch Muße zum eigenen Malen gehabt und eine Sinnkrise durchlaufen. Über die Illustration habe sie den Sinn an der Malerei wiederentdeckt, beschreibt Wencke Waidhas-Stubbe auf der Vernissage ihren Werdegang seit der letzten Ausstellung in der Mühle im Jahr 2002.

Wencke Waidhas-Stubbe lebt heute mit ihrer Familie in Geesthacht bei Hamburg. In den Adrian-Geschichten habe sie auch ihre Kindheit auf Amrum wiedergefunden, sagt die Künstlerin, die als Illustratorin auch Sachtexte und fremdsprachliche Kinderbücher illustriert.

2007, ihr erster Sohn Ricardo war gerade geboren, entstanden das erste Piraten-Hasenbild und die Idee zur Geschichte. 2013 war das erste Piratenbuch vom Hasen Adrian fertig („Piratenhase Adrian – Arjan Siaruuwer“). Inzwischen ist mit „Adrian in Seenot – Arjan uun Sianuad“ bereits die zweite auf Deutsch und Öömrang erschienen – eine dritte ist in Arbeit. Einige Originale für die neue Geschichte hängen schon an den Wänden der Mühle.

Es sind muntere, liebenswerte Figuren, die Wencke Waidhas-Stubbe malt: Hase, Maus, Seehund – sogar die „bösen“ Möwen. Der Betrachter erfasst sofort die Situation, in der die Protagonisten stecken, und spürt die Atmosphäre. „Hier“, sagt Lennard Langfeld, stellvertretender Vorsitzender des Amrumer Mühlenvereins, und zeigt auf ein Bild. „Da ist der Leuchtturm und da ist die Mühle. Genauso sieht der Weg von weitem aus. Was sie in ihrer Kindheit und Jugend auf Amrum hier erlebt hat, findet sich in ihren Bildern wieder.“

Wencke Waidhas-Stubbe malt nicht nur Piratenhasen-Bilder, sondern auch Landschaften und Stillleben. Aquarelle in Blautönen und Fliederfarben: Strandübergang, Dünen und Meer. Blumen, Gärten und Watt in kräftigen, farbenfrohen Acrylbildern. Im Moment male sie gern in Acryl, sagt Wencke Waidhas-Stubbe, es böten sich ihr mit der Technik mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Aus den Piratenhasen-Geschichten würde Wencke Waidhas-Stubbe gern einen Trickfilm machen. Das Konzept dafür steht, sogar das Drehbuch hat sie schon geschrieben – was fehlt, ist die Finanzierung.

Die Ausstellung in der Amrumer Mühle ist noch bis zum 30. Oktober täglich von 10.30 bis 13 Uhr und 14.30 bis 17 Uhr (montags bis 16 Uhr und sonntags ab 11 Uhr) zu sehen.

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