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himmelsbäume föhr : Ort des Erinnerns feierlich eingeweiht

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Projekt des Vereins „Verwaiste Eltern und Geschwister: Angehörige können künftig im Wäldchen nahe der Löwenhöhle Bäume für ihre verstorbenen Kinder oder Geschwister pflanzen.

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erstellt am 27.Apr.2015 | 09:00 Uhr

Es herrschte eine andächtige Stimmung im Wäldchen unweit der Löwenhöhle, als am Sonnabend das Projekt „Himmelsbäume Föhr“ eingeweiht wurde. Wer den Tod eines Kindes, eines Bruders oder einer Schwester zu beklagen hat, findet hier künftig einen Ort des Gedenkens und der Erinnerung. Ein Projekt des Vereins „Verwaiste Eltern und Geschwister“, bei dessen Eröffnung die Ideengeberin und Initiatorin Brigitte Wulf nach rund eineinhalb Jahren der Vorbereitungen knapp 100 Gäste begrüßen konnte.

Als Schirmherrin war Familienministerin Kristin Alheit gewonnen worden. Alheit hatte ihr Kommen zwar kurzfristig absagen müssen, ließ aber ein Grußwort verlesen, in dem sie den hohen Stellenwert des Projektes und die damit verbundene Symbolik betonte. Fast ein Stichwort, denn Symbolik spielte an diesem Tag eine große Rolle. Es galt, unter tatkräftiger Hilfe des Grünbau-Mitarbeiters Rainer Nissen Bäume als Erinnerung an die Verstorbenen zu pflanzen. Wer wollte, konnte „seinen“ Baum zudem mit zuvor beschrifteten Schmetterlingen aus Papier schmücken. Wünsche waren auf den bunten Tieren notiert, manchmal auch lediglich Namen.

Die „Feer Ladies“ umrahmten den offiziellen Teil musikalisch, in dem Wyks Bürgermeister Paul Raffelhüschen seine Hoffnung ausdrückte, „dass dieser Ort den Trauernden Kraft und Halt gibt und dass für Menschen, die ein ähnlicher Schicksalsschlag getroffen hat, eine Stätte der Begegnung entsteht“. Neben ihren Grußworten jeweils einen Baum im Gepäck hatten Karin Grabenhorst und Katja Suchsdorf-ter Avest vom Bundes- beziehungsweise Landesverband der „Verwaisten Eltern“.

Für die Betroffenen ergriffen Monika Hansen als Mutter und Marco Christiansen, dessen Bruder nur 31 Jahre alt wurde, das Wort. Ein würdiges Denkmal sei an diesem Ort entstanden, so Christiansen, an dem sich Menschen eingefunden hätten, die etwas verbinde. Es sei nur ein kurzer Moment, der das Leben verändert, die scheinbar heile Welt zum Einsturz gebracht und eine fast unwirkliche Situation hervorgerufen habe. Nicht wahrhaben wolle man die Situation, in der die Gefühle von Verzweiflung, Hilflosigkeit oder Wut bestimmt seien. Der Wunsch zu verstehen und verstanden zu werden aber, der eine die Hinterbliebenen.

In der Trauer einen soll künftig auch der Ort im Wald. Einen Weg hatte der Hafenbetrieb eigens angelegt, und Bänke, Hinweisschilder sowie einen mit Schmetterlingen verzierten Dalben des Bildhauers Heinrich Oettinger aus Flensburg aufstellen lassen. Rund 30 Setzlinge zieren das Gelände nach der Einweihung bereits, zwei Pflanzaktionen jährlich sollen jeweils im April und September künftig, so die Vorstellung Brigitte Wulfs, für Zuwachs sorgen. Die ein wenig stolz war an diesem Tag, vor allem aber „fasziniert von Gesprächen mit Menschen, die unter dem Eindruck des Gehörten ebenfalls einen Baum pflanzen wollten“.

Fast sprachlos habe sie die Veranstaltung gemacht, sagte Karin Grabenhorst, „mit all den Visionen, die dahinterstehen“. Ein bisher einmaliges Projekt, das aus ihrer Sicht Schule machen sollte. Das wäre wichtig, da der Tod von Kindern in der Gesellschaft schwer zu kommunizieren, die Schwellenangst einfach zu groß sei. Vor diesem Hintergrund sei zu wünschen, dass dieses Projekt Nachahmer findet. Das hofft auch Katja Suchsdorf-ter Avest, da es bei der Suche nach Antworten auf quälende Fragen helfe. „Der Platz ist eine gute Fügung, an dem Bäume gepflanzt werden können als lebendiges Zeichen für die Verbindung zwischen Himmel und Erde.“

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