Weißer Ring : Opferschutz steht stets vor Täterschutz

Karin Graff (li.) und Ingrid Jeserich engagieren sich im „Weißen Ring“.
Karin Graff (li.) und Ingrid Jeserich engagieren sich im „Weißen Ring“.

Karin Graff und Ingrid Jeserich leisten auf Föhr ehrenamtliche Hilfe im "Weißen Ring". Der Verein stellt sich auf der Handwerkermesse vor.

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30. März 2009, 11:38 Uhr

Föhr | Mehr als 200.000 Fälle sind es seit der Gründung des "Weißen Rings" vor fast 33 Jahren, in denen Kriminalitätsopfern und ihren Familien immaterielle Hilfe und menschlicher Beistand gewährt wurde. Mehr als 142 Millionen Euro wurden für Opferbetreuung und finanzielle Hilfen bereitgestellt. Gewaltige Zahlen, die aber nur einen Teil der Wahrheit widerspiegeln. Opfern von Straftaten fällt es häufig schwer, über die erlittene Tat zu sprechen.

Die am 24. September 1976 gegründete Bürgerinitiative für Kriminalitätsopfer (17 Gründungsmitglieder, darunter Aktenzeichen XY-Vater Eduard Zimmermann) entwickelte sich zur einzigen bundesweit tätigen Opferschutzorganisation mit einem flächendeckenden Hilfsnetz von 420 Anlaufstellen.
Spenden, Nachlässe und Geldbußen

Unterstützt wird der gemeinnützige Verein, der keine öffentlichen Zuschüsse in Anspruch nimmt, derzeit von rund 60.000 Mitgliedern. Darüber hinaus erfolgt die Finanzierung durch Spenden, Nachlässe und Zuweisungen von Geldbußen. Auf einen aufgeblähten Verwaltungsapparat wird verzichtet, die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen werden von wenigen hauptamtlichen Kräften in der Mainzer Zentrale und den Landesbüros geschaffen.

Einen unverzichtbaren Dienst leisten die mehr als 3000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - sie sind oft die Ersten, die sich um Kriminalitätsopfer kümmern und mit denen die Betroffenen über ihre Probleme sprechen.

Entsprechende Schulungen sind daher besonders wichtig, müssen die Ehrenamtlichen doch erkennen, wann dringend weitergehende fachspezifische Hilfe geboten ist. Obligatorisch ist deshalb ein Pflichtseminar in Malente sowie jährliche Aufbauseminare. Zusätzlich werden die aktuellen Fälle in den Außenstelle besprochen und die weiteren Vorgehensweisen abgestimmt.
38 Opferfälle

Die auch für Föhr und Amrum zuständige Außenstelle Nordfriesland-Nord in Risum-Lindholm mit elf Ehrenamtlichen leistete im Jahr 2008 in 38 Opferfällen Hilfe und zahlte knapp 8000 Euro an finanziellen Hilfen. Ergänzend gab es Vorträge und Veranstaltungen mit Info-Ständen. "Wir wollen die Opfer ermutigen, sich um Beistand zu bemühen. Sie tun sich oft schwer, über ihr Schicksal zu sprechen, geschweige denn Hilfe zu holen", begründet Rolf Johannsen, Leiter der Außenstelle, die intensive Öffentlichkeitsarbeit.

"Opferschutz geht vor Täterschutz" lautet das Grundprinzip. Da Geld aber keine Wunden heilt, steht der menschliche Beistand an erster Stelle. Persönliche Betreuung, Hilfestellung im Umgang mit Behörden und Begleitung zu Gerichtsterminen sollen helfen, die Tatfolgen zu mildern. Im Bedarfsfall wird auch finanzielle Unterstützung gewährt. "Es geht in erster Linie um das Zuhören. Das Opfer muss entscheiden, ob es die angebotene Hilfe annehmen möchte", fasst Ingrid Jeserich zusammen.
Manche Opfer interessiert nur das Geld

Die ehemalige Verlagsvertreterin lebt auf Föhr und ist eine von Johannsens Mitarbeiterinnen. Wie auch Karin Graff, die mit der Gründung der Zeitbörse im Mai 2005 bereits soziales Engagement bewies. Dass man auch Rückschläge wegstecken muss, erfuhr Graff am eigenen Leibe. "Die Enttäuschung ist groß, wenn man, nachdem man viel Zeit und Mühe investiert hat, letztlich feststellt, dass das Opfer nur an finanzieller Unterstützung interessiert war."

Karin Graff und Ingrid Jeserich werden den "Weißen Ring" auf der 2. Föhrer Handwerker-Messe am kommenden Wochenende in der Nationalparkhalle vertreten und mit Auskünften zur Verfügung stehen. Zudem wird Kriminalhauptkommissar Kay Katzenmeier vom Landespolizeiamt Kiel am Sonnabend (11 Uhr/14.30 Uhr) zum Thema "Verbrechensbekämpfung im privaten Bereich" referieren.
Bundesweite Telefonnummer

Wer Hilfe in Anspruch nehmen möchte: Nach der Kontaktaufnahme über die bundesweit einheitliche Telefonnummer 01803 / 343434 erfolgt die Weiterleitung an die zuständige Außenstelle.

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