Museum Kunst der Westküste : Odyssee eines Kunstwerks

Vorbereitung der Föhrer Ausstellung: Susanne Kessler in ihrem Atelier.
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Vorbereitung der Föhrer Ausstellung: Susanne Kessler in ihrem Atelier.

Ausstellung auf Föhr: Die Beschäftigung Susanne Kesslers mit der Irrfahrt der „Susanna“ wird für sie selbst zur abenteuerlichen Reise.

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29. Juni 2018, 17:30 Uhr

Die erste Odyssee fand in der Antike statt, als der olle Odysseus mit seinen Mannen zehn Jahre übers Mittelmeer geirrt sein soll. Als Odyssee mit ungewissem Ausgang werden in jüngster Zeit die Flüchtlinge ihre Reise empfunden haben, die im Mittelmeer von den Rettungsschiffen „Aquarius“ und „Lifeline“ aufgenommen wurden und dann tagelang auf See bleiben mussten, weil kein Staat bereit war, sie aufzunehmen.

Odysseen gab und gibt es auch auf anderen Gewässern – so im Pazifik. Dort irrte das Vollschiff „Susanna“ im Winter 1905 beim Versuch einer Kap-Hoorn-Umrundung ganze 99 Tage umher, geriet in schwerste Stürme und die Besatzung – die meisten längst geschwächt und krank – hatte sich schon aufgegeben, als ihre Irrfahrt doch noch ein glückliches Ende nahm.

Einer Odyssee glich auch die Realisierung des Projektes „Odissea“ der Künstlerin Susanne Kessler, das nach Irrungen und Wirrungen ein ganz anderes Ziel erreichte, als ursprünglich geplant – was jetzt zu einer eindrucksvollen Ausstellung im Föhrer Museum Kunst der Westküste mündete. Kessler, 1955 in Wuppertal geboren, lebt in Rom und Berlin und ist mit ihren Arbeiten weltweit unterwegs. 2016 war sie als „Artist in Residence“ in Alkersum, malte am Wattenmeer, war fasziniert von dieser Landschaft und entdeckte dann in einem Föhr-Lexikon eine Abbildung von wirr durcheinander gekritzelten Linien. Das, was sie für eine abstrakte Zeichnung hielt, entpuppte sich als Darstellung der Strecke, die die „Susanna“ zurückgelegt hatte, deren Kapitän Christian Jürgens ein Föhrer war.

Hier begann Kesslers Odyssee. Zunächst hatte sie die Idee, das grafische Liniengerüst, das die Fahrt der „Susanna“ nachzeichnet, als riesige Rauminstallation im Wattenmeer vor der Föhrer Küste aufzubauen, wo es mit der Flut aufschwimmen und bei Ebbe trockenfallen sollte. Eine Animation, die in der Alkersumer Ausstellung zu sehen ist, zeigt, wie eindrucksvoll diese Arbeit hätte sein können, wenn nicht, als das Projekt schon sehr weit fortgeschritten war, Umweltbehörden einen solchen Eingriff in den Nationalpark Wattenmeer untersagt hätten. „Ich hatte schon eineinhalb Jahre daran gearbeitet, das war erst mal ein schwerer Schlag“, bekannte die Künstlerin gestern. „Aber dann wurde ich vom Team des Alkersumer Museums unheimlich aufgefangen.“ So ging ihre künstlerische Odyssee nun in eine andere Richtung und nahm noch mal richtig Fahrt auf. Statt der riesigen Installation im Wattenmeer entstand eine kleinere für das Museum, flankiert wird sie von Zeichnungen, Filmen und dreidimensionalen Arbeiten, die die Entstehung dieser Installation vorbereitet und begleitet haben und ganz unabhängig davon eine eigene Ästhetik entwickeln. Über mehrere Säle und die Galerie des Museums erstreckt sich diese faszinierende Ausstellung.

Morgen, Sonnabend, wird sie um 17.30 Uhr eröffnet. Und dann wird neben der Odyssee der „Susanna“ auch die des ollen Odysseus noch einmal Thema sein. Denn der Schauspieler und Sprecher Christian Brückner wird Passagen aus dem Werk Homers lesen. Übrigens: Christian Brückner wohnt in Oldsum, dem Föhrer Dorf, aus dem der Kapitän der „Susanna“ stammt.

Susanne Kessler: „Odissea, vom 1. Juli 2018 bis 6. Januar 2019, Museum Kunst der Westküste, Hauptstraße 1, 25938 Alkersum/Föhr, ✆ 04681/747400, www.mkdw.de

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