Eilun-Feer-Skuul : Oberstufe befasst sich intensiv mit Flüchtlings-Schicksalen

Asylbewerber aus Syrien berichteten den Jugendlichen von ihrem bisherigen Leben und ihrer Flucht.
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Asylbewerber aus Syrien berichteten den Jugendlichen von ihrem bisherigen Leben und ihrer Flucht.

Spannende Projektwoche: Die Jugendlichen berichten von ihren Erfahrungen.

shz.de von
20. Juli 2015, 15:30 Uhr

Schüler und Schülerinnen der Eilun-Feer-Skuul haben sich vor den Ferien auf unterschiedliche Weise mit den Schicksalen der Asylbewerber beschäftigt, die auf der Insel leben. So hat der Religionskurs von Jörg Weißbach einen Spendenlauf organisiert (wir berichteten). Und zwölf Schülerinnen und Schüler der Oberstufe nahmen unter der Leitung von Diana Jeß und Kuno Betzler an einem Projekt über Flüchtlinge teil. Über dieses Projekt haben die Jugendlichen einen Bericht für den Insel-Boten verfasst.

„Im Rahmen der Projektwoche behandelten wir das Thema Flüchtlinge auf unserer Insel. Zurzeit leben etwa 60 Flüchtlinge auf Föhr, wovon ein großer Teil aus Syrien und Afghanistan stammt. Unser Ziel war es, einige dieser Menschen und deren Schicksale kennen zu lernen.

Durch einen ausführlichen Vortrag des Rechtsanwalts Till Müller wurden wir über die komplizierte rechtliche Situation der Geflüchteten in Deutschland und die Bedingungen des Asylverfahrens aufgeklärt. Vorweg haben wir über Migrationshintergründe unserer eigenen Biografien und Familien gesprochen.

In Form eines Rollenspiels haben wir versucht, die Lage eines Beamten im Bundesamt für Migration, der über Asylanträge entscheidet, und die eines Asylbewerbers nachzustellen. Dabei stellten wir fest, dass es uns außerordentlich schwer fiel, uns in die Situation der Betroffenen hineinzuversetzen.

Mit einem eigens komponierten Lied begrüßten wir dann elf syrische Männer zwischen 21 und 45 Jahren in unserer Schule. Dank der Teilnahme von Dr. Claudia Fuchs und dem syrischen Zahnarzt Mutawa als Dolmetscher gelang es uns, ein intensives Gespräch mit den Gästen zu führen. Durch die Offenheit und Ehrlichkeit der Männer wurde eine sehr lockere Atmosphäre geschaffen. Dies ermöglichte uns, viele konkrete und persönliche Fragen zu stellen. Dabei überraschte uns die Vielfalt der Berufe, die die Männer in ihrer Heimat ausgeübt hatten. Darunter waren ein Stuntman, ein Mathelehrer, ein Anwalt, ein Koch, ein Chemiker, ein Klempner, ein Bäcker, ein Ingenieur, ein Lehrer für Buchhaltung und ein VW-Sales-Manager.

Einige von uns besuchten am Nachmittag die internationale Schreibwerkstatt von Claudia Fuchs und Karin Faltings im Haus der „Lebenshilfe“ am Grünstreifen. Dort lernen die Asylbewerber anhand von Zeitschriften und Themen des Alltags Deutsch zu sprechen und vor allem zu schreiben. Dabei ist uns aufgefallen, wie motiviert und zielorientiert sie sich mit der deutschen Sprache beschäftigen, und wir erlebten, wie engagiert die ehrenamtlichen Helferinnen die Flüchtlinge unterstützen.

Am letzten Tag des Projektes wurden uns die Routen und Gefahren der Flucht von Syrien nach Deutschland, über die wir am Vortag schon einiges gehört hatten, noch einmal vor Augen geführt, nämlich anhand einer Filmreportage über eine fünfmonatige Flucht, die ein Syrer selbst dokumentierte.

Zum Abschluss werden einige von uns an einem gemeinsamen Fußballspiel auf dem Bolzplatz neben der Schule teilnehmen, welches von Michael Lorenzen wöchentlich am Donnerstag um 17 Uhr veranstaltet wird.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass wir durch die persönliche Begegnung einen tieferen Einblick in die jetzige Lebenssituation der Geflüchteten erlangt haben und die Flüchtlingsproblematik nun differenzierter betrachten.“

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