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Walfang : Nur für Offiziere ein lukratives Geschäft

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Jan Iark Faltings referierte über die Grönlandfahrt. Die Auswirkungen auf Handel und Handwerk auf Föhr waren relativ bedeutungslos.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 09:45 Uhr

Auf die Spuren seiner eigenen Vorfahren begab sich der Nautiker Jan Iark Faltings, der im Rahmen seiner Diplomarbeit über die Föhrer Grönlandfahrt im 18. und 19. Jahrhundert recherchierte und dessen Arbeit inzwischen als Buch veröffentlicht wurde.

Im Rahmen eines Vortrages in der Ferring-Stiftung präsentierte Faltings rund fünfzig Zuhörern einen Abriss der Entwicklung der Föhrer Grönlandfahrt, die auch aus politischer und wirtschaftlicher Sicht betrachtet wurde. Eine besondere Rolle spielten hierbei die privaten Navigationsschulen, die den jungen Männern schon früh das Rüstzeug für eine steile Karriere in der Seefahrt verschafften. Die umfangreiche und qualifizierte Ausbildung sprach sich schnell herum und so war es kein Zufall, dass der Königliche Grönlandshandel 1776 von acht Walfangschiffen sieben unter einem Föhrer Kommandeur fahren ließ.

Der Anteil der Seefahrer unter den Föhringern war damals sehr hoch. 1787 fand eine Volkszählung statt, nach der im Kirchspiel St. Laurentii 1544 Menschen lebten. Von ihnen fuhren 367 zur See, 148 davon als Schiffsoffizier. Das war besonders lukrativ, denn die Offiziere wurden als so genannte Partenfahrer am Erfolg ihrer Fahrt beteiligt, während einfache Matrosen als so genannte Monatsfahrer nur einen festen Monatslohn erhielten. Wenn es in einer Fangsaison gut lief, konnte ein Kommandeur durchaus den Gegenwert von zwei Wohnhäusern verdienen, während ein Jungmatrose nicht einmal neun Prozent davon erhielt. Dass die Walfangzeit ein goldenes Zeitalter für die Föhrer gewesen sei, könne allenfalls für die Kommandeure und Schiffsoffiziere gelten, meinte der Referent, für die gewöhnlichen Matrosen sei es eher harte Arbeit unter schwierigen Bedingungen gewesen, die zudem auch noch lebensgefährlich sein konnte.

Die Auswirkungen auf Handel und Handwerk auf Föhr waren relativ bedeutungslos. Der Versuch, eine Tranmanufaktur in Wyk zu etablieren scheiterte ebenso wie die Idee, den Wyker Hafen als Ausgangspunkt für Grönlandfahrer auszubauen. Allerdings stand ein Oevenumer Dorfschmied in dem Ruf, besonders haltbare Harpunen herzustellen, weshalb er sogar nach Holland und England exportiert haben soll. Auch die Manufaktur von hochwertigen Oktanten fand im 18. Jahrhundert eine Blütezeit auf Föhr und ist eng mit den Namen Nickels Wögens, Jens Nickelsen und Nahmen Nahmens verbunden. Letzterer konnte krankheitsbedingt nicht mehr auf Walfang fahren und fertigte fortan Kompasse und Oktanten und schrieb nautische Lehrbücher. Außerdem gab er sein Wissen als einer der vielen privaten Navigationslehrer weiter.

Nach der Eingliederung des Landesteils Schleswig 1867 in Preußen wurden die Privatschulen verboten, weil die Obrigkeit darin „Brutstätten antipreußischer Agitation“ sah. Wohl nicht zu unrecht, waren doch die Föhringer seit 1735 von der dänischen Wehrpflicht befreit und wurden nun zu drei Jahren Militärdienst in Preußen herangezogen. Zwei Zahlen belegen die Auswirkung auf den Lebensweg vieler Insulaner: In den Jahren 1840 bis 1849 fuhren durchschnittlich 69 Prozent eines Konfirmandenjahrganges zur See, lediglich 2,35 Prozent wanderten aus. Von 1870 bis 1876 fuhren nur noch 17 Prozent der jungen Männer zur See, mehr als 39 Prozent wanderten aus, überwiegend in die USA.

Insgesamt hat der Mensch durch die profitorientierte Jagd verschiedene Walarten an den Rand der Ausrottung gebracht. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie gänzlich unrentabel und auch auf Föhr war die Zeit der Kommandeure endgültig vorbei.

 

 

 

 

 

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