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Nicht ausgereift : Notfall-Konzept mit vielen Lücken

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Klinikum Nordfriesland verteidigt Schließung der Geburtshilfe auf Föhr. Einrichtung einer Rufbereitschaft der örtlichen Hebammen geplant.

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erstellt am 06.Okt.2015 | 09:00 Uhr

Zum 1. Oktober – und damit zwei Monate vor der von der Klinikleitung verfügten Schließung der Geburtshilfeabteilung – hatte (wie berichtet) die gynäkologische Praxis am Wyker Krankenhaus ihre geburtshilfliche Tätigkeit eingestellt. Auf Anraten eines Anwaltes, denn nachdem die Klinik angebliche Risiken im Wyker Kreißsaal öffentlich gemacht habe, „stehen wir mit einem Bein im Knast, wenn etwas schief geht“, so Dr. Thomas Hölter.

Das Krankenhaus sehe sich durch die Entscheidung der Ärzte, die diese „sehr kurzfristig – auch für das Klinikum überraschend“ getroffen hätten, „in seiner grundsätzlichen Risikobewertung und haftungsrechtlichen Einschätzung der bisherigen geburtshilflichen Versorgung bestätigt“. So steht es in einer Pressemitteilung des Klinkums Nordfriesland, in der bekanntgegeben wird, dass man auf die neue Entwicklung kurzfristig reagiert habe. „Die betroffenen Schwangeren können ab sofort unsere geburtshilflichen Abteilungen in den Kliniken Niebüll und Husum nutzen – inklusive einer Übernachtungsmöglichkeit vor der Geburt in der Nähe der Kliniken“, erklärt Geschäftsführer Frank Pietrowski. Auch die Rettungsdienste seien informiert und einsatzbereit. In der Vor- und Nachsorge werde es keine Änderungen geben. Frauen müssten sich allerdings rechtzeitig vor der Geburt in ein Krankenhaus auf das Festland begeben.

Sollte es zu einer Notfallsituation kommen, liege die Koordination in den Händen des Rettungsdienstes. In der Inselklinik würden die bestehenden Räumlichkeiten und technischen Einrichtungen weiter ohne Einschränkung für diese Notfallsituationen vorgehalten. Sofern verfügbar, werde auch die Frauenarztpraxis eingebunden. Werde eine Verlegung aufs Festland erforderlich und eine Fährfahrt ist nicht mehr möglich, sollten die im Umfeld stationierten Helikopter zum Einsatz kommen.

Es werde angestrebt, zukünftig eine organisierte Rufbereitschaft der örtlichen Hebammen einzurichten, heißt es in der Mitteilung Pietrowskis, in dem er weiter von einem am vergangenen Donnerstag auf der Insel stattgefundenen Gespräch mit allen Beteiligten berichtet, bei dem man sich „auf die wichtigsten Eckpunkte der zukünftigen Versorgung der Schwangeren auf der Insel geeinigt“ habe. „Die Besprechung fand in einer sehr konstruktiven und sachlichen Atmosphäre statt“, so der Klinik-Chef.

Eine Einschätzung, die längst nicht alle teilen, die bei diesem Gespräch anwesend waren. „Ich bin da völlig überfahren worden“, berichtet die Föhrer Hebamme Kirsten Rickmers. „Antje Hinrichsen und ich sind uns anschließend heulend um dem Hals gefallen“, ergänzt ihre Kollegin Kerstin Lauterberg. Denn bei der „organisierten Rufbereitschaft der örtlichen Hebammen“ bleibt die Amrumer Geburtshelferin Hinrichsen außen vor. Sie war als Einzelkämpferin auf ihrer Insel bereits bisher, wenn sie schwangere Frauen betreute, in Alarmbereitschaft und soll deshalb auch weiterhin keine Notdienst-Pauschale erhalten, berichtet sie. Gleichzeitig fielen ihr aber, weil sie im Wyker Krankenhaus keine Geburten mehr begleiten kann, wichtige Einnahmen weg. „Ich weiß noch nicht, ob und wie es für mich jetzt weitergeht“, sagte Antje Hinrichsen gestern.

350 Euro im Monat sollen die Föhrer Hebammen für ihre Rufbereitschaft bekommen, berichtet Kirsten Rickmers, die sich wohl zähneknirschend darauf einlassen wird, „weil ich geschworen habe, dass ich meine Frauen nicht im Stich lasse“. Anders Lauterberg, die zwar betont, dass sie bereit sei, sich an einem Notfallkonzept zu beteiligen, „aber nicht an dem, da warnen mein Anwalt und der Hebammenverband vor“. Knackpunkt ist für sie unter anderem, dass sie als erfahrene Hebamme dann dem Rettungsdienst unterstellt sein solle, aber bei Komplikationen haften müsse.

Während das Notfallkonzept also noch längst nicht in trockenen Tüchern ist, musste die erste Föhrerin, die sich als sie schwanger wurde auf eine entspannte Geburt in vertrauter Umgebung eingestellt hatte, bereits mit Wehen ausgeflogen werden.

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