Nordlichter wollen alte "TS Hamburg" retten

 Bekannter Gast in Schleswig-Holstein: Die 'Maxim Gorkiy ' -  hier  im Nord-Ostsee-Kanal - war einst als 'TS Hamburg' der Stolz der deutsche Kreuzfahrer-Flotte.
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Bekannter Gast in Schleswig-Holstein: Die "Maxim Gorkiy " - hier im Nord-Ostsee-Kanal - war einst als "TS Hamburg" der Stolz der deutsche Kreuzfahrer-Flotte.

Seefahrtsfreunde im Norden sind entsetzt: Dem einst berühmtesten deutschen Luxusliner "TS Hamburg" droht die Verschrottung. Eine Hamburger Gruppe versucht nun, die heutige "Maxim Gorkiy" zu retten.

shz.de von
12. Januar 2009, 05:59 Uhr

Hamburg/Rendsburg | Es ist ein Kampf für ein bedeutendes maritimes Denkmal - und es ist ein Kampf gegen die Zeit. Eine Gruppe Ham-burger Seefahrtsfreunde versucht mit dem Mut der Verzweiflung, die ehemalige "TS Hamburg" vor der Verschrottung zu retten - ein Schiff, das in der Stadt einst berühmt war wie heutzutage die "Queen Mary 2". Ein Ozeanriese, den auch viele Schleswig-Holsteiner stets bewundern konnten, wenn er wieder einmal den Nord-Ostsee-Kanal passierte.

Der 195 Meter lange elegante Liner war 1968 als erstes großes deutsches Passagierschiff nach dem Zweiten Weltkrieg auf Finkenwerder vom Stapel gelaufen. Ab den 70ern fuhr es als "Maxim Gorkiy" um die Welt. Jetzt droht der weißen Legende der Hochofen. Vorige Woche hat die russische Reederei das Schiff an einen indischen Abwracker verkauft.

Am Wochenende lag die "Maxim Gorkiy" noch in Piräus (Griechenland). Drei Wochen dauert die Überfahrt nach Indien - es ist die letzte Galgenfrist für den Hamburger Bürgerschafts abgeordneten Hans Lafrenz (CDU) und seine Mitstreiter, die sich seit einem Jahr bemühen, die "Hamburg" zurück in die Heimat zu holen. Lafrenz: "Die Hamburg als Hotel, Museumsschiff und Ausbildungsobjekt für Schiffsingenieure ist eine einmalige Gelegenheit und ein Sahnehäubchen für die Hafencity."

Es geht allein ums Geld. Benötigt werden mindestens jene 4,2 Millionen US-Dollar, die der Verschrotter gezahlt hat. Lafrenz: "Bekommen wir das Geld zusammen, ist ein Abkauf immer noch möglich."

Der großzügig gestaltete Kreuzfahrer (650 Passagiere) war vor 40 Jahren von den Howaldtswerken Deutsche Werft - damals auch in Hamburg - für die Deutschen Atlantik-Linie gebaut worden; kurzzeitig fuhr er auch als "Hanseatic". Nach der Pleite der Reederei 1973 folgte der Verkauf an die Sowjetunion. Rund 1000 Kreuzfahrten unternahm das Schiff als "Maxim Gorkiy", manche davon in der Ostsee. Im Dezember 1989 wurde der Cruiser zur weltpolitischen Bühne. Vor Malta trafen sich US-Präsident George Bush und sein sowjetischer Amtskollege Michail Gorbatschow an Bord zu den Verhandlungen, die später in der deutschen Wiedervereinigung mündeten.

"Das Schiff ist in einem hervorragenden Zustand", schwärmt Stefan Behn, Vorstand des Hafenbetreibers HHLA und Mitstreiter im Ringen um die "Hamburg". Im Gegensatz zu heutigen Massen-Kreuzfahrern überrascht der Oldie mit viel Platz in Kabinen, Salons und an Deck. Die Inneneinrichtung im Stil der 60er Jahre ist weitgehend unberührt, ebenso die faszinierende Technik. Die "Hamburg" wird von besonders ruhig laufenden Dampfturbinen (TS steht für Turbinenschiff) angetrieben - die für heutige Ansprüche allerdings viel zu durstig sind.

Die Stadt begleitet die Rettungsversuche mit Wohlwollen und hat einen lukrativen Liegeplatz in der HafenCity in Aussicht gestellt. Geld freilich wird es vom Senat nicht geben. Und so bemühen sich Lafrenz und Co. händeringend um private Investoren in aller Welt. Es bleiben nur drei Wochen.

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