Norddorf steigt mit ein

Erst einge Fahrzeuge, dann die Fußgänger und schließlich die restlichen Autos - so läuft das Entladungsprozedere derzeit ab.Foto: Oelers
Erst einge Fahrzeuge, dann die Fußgänger und schließlich die restlichen Autos - so läuft das Entladungsprozedere derzeit ab.Foto: Oelers

Die Gemeindevertreter sprachen sich für den Bau eines Fußgänger-Portals auf dem Fähranleger Wittdün aus. Laut Weisungsbeschluss werden die Norddorfer Mitglieder im Verwaltungsrat der Amrumer Versorgungsbetriebe entsprechend votieren. Entscheidungen in Wittdün und Nebel fallen in dieser Woche.

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08. September 2009, 10:02 Uhr

Norddorf | Mit fünf Ja- und einer Gegenstimme wurde der Weisungsbeschluss, der für Norddorfs Mitglieder im Verwaltungsrat der Versorgungsbetriebe bindend ist, gefasst. Zuvor gab Heinrich Johannsen (junior) als Mitglied des Aufsichtsrates der Versorgungsbetriebe einen kurzen Abriss aus der letzten Sitzung, in der Dr. Daniel Schade vom Ingenieurbüro Mohn wie berichtet über den Planungsstand informiert hatte. Als Gast und erklärender Gesprächspartner war der Geschäftsführer der WDR, Axel Meynköhn, anwesend und hatte noch einen seiner Kapitäne (Klaus von Zezschwitz) und WDR-Aufsichtsratsmitglied Uwe Clausen dabei.

Der stellvertretende Bürgermeister Christoph Decker begrüßte es, so im Vorfelde etwaige Fragen wie zur geplanten Trennung der Verkehrsströme klären zu können. Meynköhn erläuterte, dass die Reederei bereits bei den Indienststellungen der Fähren "Rungholt" 1992 und "Nordfriesland" 1995 Pforten und Gepäckstauräume auf dem Salondeck für einen Seitenausstieg vorgesehen hatte. Seitens der Hafenbetreiber laufen die Beratungen über die Infrastruktur an Land seit gut zweieinhalb. "Unsere Fährlinien bilden mit der Linie Nordstrand-Pellworm an der gesamten Nordseeküste eine Ausnahme was die Be- und Entladung der Schiffe angeht. Alle anderen haben eine funktionierende Trennung der Fußgänger- und Fahrzeugströme", erklärte Meynköhn.

Mit der neuen Lösung können nach Auffassung des WDR-Chefs alle Passagiere nur gewinnen. Für Gehbehinderte und Kinderwagen wird die neue im Bau befindliche Doppelend-Fähre einen leistungsstarken Fahrstuhl vorhalten. So können erstmals auf den WDR-Fähren auch Rollstuhlfahrer das Sonnendeck barrierefrei erreichen. Überhaupt könne man mit der barrierefreien Ausführung der Seitenein stiegsportale in den Häfen Dagebüll, Wyk und Wittdün eine "echte" Barrierefreiheit gewähren.

Die Reederei wird die Fähren "Rungholt" und "Nordfriesland" ebenfalls über die Personenportale Be- und Entladen lassen. Lediglich in den Spitzenzeiten, bei denen zum Beispiel in Dagebüll gleich mehrere Fähren einlaufen, müsse an den beiden anderen Brücken nach dem konventionellen Prinzip verfahren werden, wie generell bei der "Schleswig-Holstein".

Kapitän von Zezschwitz unterstrich, dass aus seiner langjährigen Erfahrung die Hauptkritik der Gäste immer wieder die gemeinsamen Wege von Fußgängern und Fahrzeugen seien. So komme es vor, dass die NEG-Bahn mit Verspätung ankomme und dann noch rund 200 Menschen an Bord strömten. Danach können erst die letzten Fahrzeuge verladen werden. Verspätungen von bis zu einer dreiviertel Stunde liefen da ohne weiteres auf.

Zum von Johannsen als "Nadelöhr" bezeichneten 1,8 Meter breiten Klappsteg als Verbindung von Portal und Fähre räumte Meynköhn ein, dass auch das System der Seiteneinstiege seine Grenzen habe: "Der ganz große Befreiungsschlag bleibt verwehrt." Dennoch, Situationen in Spitzenzeiten, wo sich Fahrzeuginsassen nur unter Protest der wartenden Fußgänger den Weg über die verstopften Treppenhäuser zu den Fahrzeugen bahnen können, würden entschärft.

Auf die Frage von Gemeindevertreter Jens Quedens, ob die größere Fähre gleichbedeutend mit weniger Abfahrten zu sehen sei, erklärte Meynköhn, dass durch die höhere Kapazität von 25 Fahrzeugen lediglich auf das Hinterherfahren eines Entlastungsschiffs verzichtet werden könne. Da die hierfür häufig eingesetzte "Insel Amrum" aus Gründen des Sicherheitsstandards nur noch mit 30 PKW beladen werden darf, erreiche man so aber einen betriebswirtschaftlichen Gewinn. Eine Ausdünnung des Fahrplanes käme bei 1,65 Millionen Fahrgästen nicht in Frage.

Nach den bisherigen Planungen des Einsatzplanes würde der Neubau aufgrund der starken Frequenz ganzjährig auf Amrum "übernachten" und somit Entlastung für die Frühabfahrten von den Inseln und den Spätabfahrten zu den Inseln bedeuten.

Auf die Nachfrage, was passiere, wenn sich Amrum gegen den Seiteneinstieg entscheiden würde, berichtete Meynköhn, dass dieses Szenario im Hause geprüft worden sei. Dabei habe sich gezeigt, dass die Bereitstellung von Kofferwagen für das Amrumer Gepäck speziell in Dagebüll nicht möglich sei. "Wir können auch nicht jeden vorher herausfiltern, der nach Amrum möchte, um ihn vorher über die Modalitäten aufzuklären", machte Meynköhn deutlich. Unweigerlich würde man "zwei Qualitäten" in der Abfertigung bekommen.

Schließlich wurde i noch moniert, dass die Anlaufstrecke der barrierefreien "Serpentine" stolze 85 Meter messe. Hier müsse die jetzige Strecke in den Treppenhäusern in Abzug gebracht werden, erklärte der WDR-Kapitän. Quedens - als regelmäßiger "Skandinavienfahrer", sah diesen Punkt als unbedeutend an: "In anderen Häfen sind eher 285 Meter zurückzulegen."

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