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Auf Föhr und Amrum : Noch lange kein altes Eisen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wut hält jung: Hans Scheibner präsentierte zwei brilliante Abende auf den Inseln.

Ob am Donnerstag im Wyker Kurgartensaal oder gestern Abend im Norddorfer Gemeindehaus: Wenn Hans Scheibner die Bühne betritt, braucht er keinem mehr etwas zu beweisen. Sich selbst vielleicht. Der inzwischen 82-jährige Satire-Dino schöpft in seinem Programm „Skandale und Liebe“ aus dem Erlebnis-Fundus seines prall gefüllten Lebens und im Stechschritt geht es in dem autobiografischen Abend entlang seiner Lebenslinie, die immer auch deutsche Geschichte ist.

Mit einem Pamphlet gegen die Kirche und dem Fingerzeig auf die Eigenverantwortung des Menschen geht es los. „Der Schöpfer ist an allem schuld!“, hallt es in den gut gefüllten Saal der Wyker Nationalparkhalle, „weil er einfach alles schuf, denn das ist ja sein Beruf“. Ansonsten sei dieser Abend weniger politisch geprägt als üblich, versicherte Scheibner, denn über Geisteskranke mache er keine Witze und deshalb käme Donald Trump nicht vor.

Brilliant wird Scheibner, wenn es um die Geschichten geht. Ausgebombt in Hamburg, flüchtete die Familie nach Pommern, kehrte aber bereits nach sieben Monaten zurück, auf der Flucht vor den Russen. Hier lebte man jahrelang in einer Garage und der Knirps Hans war verantwortlich für die tägliche Entleerung des Plumpsklos, das der Vater selbst gebaut hatte. Als Hans seine Pflicht nun einige Tage vergaß und der Vater sich zu seinem Geschäft auf die weiche Masse niederließ, war das Geschrei groß. Scheibner malt diese Szenen mit seiner einfachen Sprache derart bildhaft, dass man als Zuschauer den Eindruck hat, man könne die Fäkalien riechen.

Auch Scheibners Lieder, von denen es einige in den 70ern und 80ern in die deutschen Charts schafften, durften nicht fehlen, und das meist ältere Publikum konnte noch mitsingen bei Songs wie „Ich möcht’ so gern am Fließband stehen“ und „Das macht doch nichts, das merkt ja keiner“, das er in einer tagesaktuellen Version vortrug.

Es folgten noch Themen wie der Generationenkonflikt und die Pkw-Maut sowie Erdogan und Männerfreundschaften kombiniert mit weiteren Skandälchen seines Lebens.

Scheibner schloss diesen Abend mit der Antwort auf die Frage, wie lange er denn diesen Job noch machen würde: „Die Luft wird knapp“ hieß der Song, der die immer noch lebenswerten Aspekte des Alters beschreibt. „Nicht alles geht mehr so schnell, aber man sieht ja viel mehr beim langsam gehen“.

Zum Glück ist Hans Scheibner nicht vom Wutmenschen zum Gutmenschen mutiert. Seine Pfeile sind noch immer spitz und verfehlen ihr Ziel nicht. Es ist die innere Unruhe, die ihn umtriebig macht – Wut hält jung!

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erstellt am 10.Jun.2017 | 10:30 Uhr

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