Ferring-Stiftung : Nicht einfach so drauflos säbeln

Trotz der Kälte hatten sich viele Teilnehmer zum Schnittkurs eingefunden.  Foto: len
Trotz der Kälte hatten sich viele Teilnehmer zum Schnittkurs eingefunden. Foto: len

Gärtnermeister erklärt bei einer Veranstaltung der Stiftung, wie Bäume und Sträucher richtig beschnitten werden.

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26. Februar 2013, 08:21 Uhr

föhr | "Zu unserer Veranstaltung über Obstbäume sind unglaublich viele Menschen gekommen, die ich bisher noch nie in den Räumen der Ferring-Stiftung gesehen habe", freut sich Birte Olufs, die sich seit Jahren dem Erhalt und Schutz alter Gewächse auf Föhr verschrieben hat. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin der Alkersumer Ferring-Stiftung begann sie vor etlichen Jahren mit der Kartierung von besonderen Bäumen und Rosenarten. So hat Birte Olufs im Laufe der Zeit ein umfangreiches Archiv aufgebaut, das inzwischen, nach entsprechender Anmeldung, über die Homepage der Ferring-Stiftung eingesehen werden kann.

Die Witsumerin, die sich ihr Wissen über Pflanzen aller Art im Laufe der Zeit selbst angeeignet hat, hat inzwischen in dem Niebüller Gärtnermeister Johannes Boysen einen fachkundigen Berater gefunden. Bereits im Herbst vergangenen Jahres konnte Olufs ihn in Alkersum begrüßen, wo ihm unzählige Äpfel und Birnen zur Bestimmung präsentiert wurden. Dabei hatte Boysen so manche alten "Schätzchen" entdeckt.

Nun kam der Baum- und Rosenschulbesitzer wieder nach Föhr, um den Obstbaum-, Rosen- und Sträucherschnitt in Theorie und Praxis vorzustellen. Bei seinem Vortrag in Alkersum räumte Boysen mit dem Glauben vieler Gartenfreunde auf, Bäume und besonders Sträucher müssten Jahr für Jahr beschnitten werden. Dies geschehe oft in einer Weise, die die Gewächse jeder Individualität beraubten und in ihrer Entwicklung immer wieder störten. "Der Natur wird hier Gewalt angetan und sie rächt sich dafür", so der Fachmann, denn die Pflanzen seien auf Lebenszeit ihrer natürlichen Schönheit beraubt worden.

In seinen Ausführungen ging Johannes Boysen auf den Erziehungsschnitt junger Pflanzen, den Pflegeschnitt sowie den Altbaumschnitt ein. Seine Faustregel dazu heißt: Großzügig arbeiten, nicht verzetteln sowie scharfes, sauberes Werkzeug benutzen. Dabei bevorzugt er die Säge, die für einen glatten Schnitt sorgt, während Scheren zumeist Quetschungen an den Ästen zur Folge haben. Deutlich machte er auch, dass der Baumschnitt nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer erfolgen könne. Das Schneiden im Winter fördere das Triebwachstum und im Sommer werde die Fruchtbarkeit gefördert. Auch die Ausmaße des Schnittes wirkten sich aus. Zwar würden diese Regeln auch für Sträucher und Rosen gelten, ließ Boysen weiter wissen, doch verwies er auch auf Sträucher wie Jasmin oder Forsythien, die erst nach der Blüte gestutzt werden dürften.

Der Theorie folgte am Nachmittag im Garten von Anke Schau in Oldsum die Praxis, zu der sich trotz des kalten Wetters über 40 Interessierte einfanden. Dabei demonstrierte Boysen, wie aus dem Kroneninneren drei bis vier starke Äste heraus gesägt werden, um die Krone zu lichten und mehr Luft an den Baum zu bringen. Dabei plädierte er nachdrücklich dafür, alte Bäume stehen zu lassen, so lange sie dies aushalten und keine Gefahr für Menschen darstellen.

Interessiert folgten die Kursteilnehmer dem Gärtner von Baum zu Baum, hin zu den Rosen und Sträuchern, und konnten dabei viel Wissenswertes erfahren. Birte Olufs verwies zum Abschluss des Nachmittages darauf, dass der Gärtner für weitere Informationen wieder nach Föhr kommen werde. Berichten konnte sie auch davon, dass es ihr gelungen sei, Kontakt zum Betreiber einer mobilen Obstpresse aufzunehmen. Geplant sei, dass er zur Erntezeit nach Föhr komme und bei genügend Nachfrage auch seine Presse mitbringen wolle.

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