Vernunft und rücksichtnahme : Nicht einfach lospesen

Ein Bordercollie kühlt sich im Wyker Nordsee-Wasser ab. Für viele Hunde ist ein Strandtag das Größte
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Ein Bordercollie kühlt sich im Wyker Nordsee-Wasser ab. Für viele Hunde ist ein Strandtag das Größte.

Für ein entspanntes Miteinander: Wo Hunde auf den Inseln rennen dürfen und wo nicht, ist in vielen Verordnungen und Gesetzen geregelt.

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13. Juni 2018, 12:30 Uhr

Einmal am Strand die Seele baumeln lassen, baden, im Wasser toben. Was für gestresste Großstadtmenschen gilt, gilt genauso für gestresste Großstadthunde: Ein Urlaub am Meer bringt Erholung, tut Körper und Seele gut. Doch während sich viele Zweibeiner einfach nur mitfreuen, wenn die Vierbeiner mit unbändiger Lebensfreude durchs Watt pesen, miteinander spielen, die größten Stöcke schleppen und die tiefsten Löcher graben, fühlen andere sich von Gebell gestört, fürchten sich vor freilaufenden Hunden oder ekeln sich vor Hundehaaren im Badewasser. Und selten kommt es auch zu Zwischenfällen wie dem Ende Mai, als eine Spaziergängerin im Watt von einem frei laufenden Hund gebissen wurde, der offenbar sein Frauchen in Gefahr wähnte und verteidigen wollte (wir berichteten).

Doch dürfen Hunde auf Föhr und Amrum überhaupt frei laufen – und wenn ja, wo? „Einen generellen Leinenzwang gibt es auf den Inseln nicht“, erklärt dazu der Leiter des Föhr-Amrumer Ordnungsamtes, Jörg Michelsen. Aber das heiße noch lange nicht, dass Mensch seinen Hund überall laufen lassen darf. Denn es gibt, so berichtet Michelsen weiter, eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen, die – nicht nur auf den Inseln – das Miteinander von Vier- und Zweibeinern regeln.

Zum Beispiel das Nationalparkgesetz. Danach gilt eine ganzjährige Anleinpflicht für alle Deiche und Vorländer und damit auch für das Watt. So soll verhindert werden, dass Hunde ihren Jagdtrieb ausleben und Vögel aufscheuchen und stören. Auch das Landesnaturschutzgesetz macht klare Aussagen über das, was Hunde nicht dürfen. Es verbietet generell ihre Mitnahme an Badestrände in der Zeit vom 1. April bis zum 31. Oktober. Eine Regelung, die laut Michelsen auf den Inseln per Satzung sogar noch ausgeweitet wurde, hier herrscht ein ganzjähriges Verbot, Hunde mit an Strandabschnitte zu nehmen, an denen im Sommer Badebetrieb herrscht.

Doch nicht nur für Strände und Deiche gibt es klare Regelungen. So herrscht laut schleswig-holsteinischem Hundegesetz eine Anleinpflicht in allen Bereichen, in denen mit großen Menschenansammlungen gerechnet werden muss. Laut Michelsen gilt das in Wyk auch für die Strandpromenade und die Fußgängerzone. Angeleint werden müssen Hunde darüber hinaus grundsätzlich auch in Wäldern, auch in den kleinen Insel-Forsten. Und auf Spielplätze, so erklärt der Ordnungsamtsleiter weiter, dürfen sie gar nicht mitgenommen werden.

Ganz schön viele Einschränkungen für die Vierbeiner, die trotzdem auf beiden Inseln willkommene Gäste sind. Und so wurden, damit Urlauber- und Insel-Hunde aufs Strandleben nicht verzichten müssen, in Wyk, Nieblum, Utersum, Wittdün, Nebel und Norddorf Hundestrände ausgewiesen, an denen Mensch und Tier gemeinsam das Badeleben genießen können. „Allerdings ist das kein Freibrief, dass die Hunde machen können, was sie wollen“, betont Michelsen. Hundestrand bedeute lediglich, dass Hunde dorthin mitgenommen werden dürfen. „Aber das entbindet den Halter nicht davon, sein Tier immer unter Kontrolle zu halten.“ Die Amrum-Touristik empfiehlt deshalb auf ihrer Internetseite, dass Hunde an den Stränden und auf der ganzen Insel immer an der Leine gehalten werden.

Ungestört Rennen dürfen einheimische und Gäste-Hunde dagegen in Wyk, wo eigens eine Freilauffläche für Hunde ausgewiesen wurde, ein idyllisches Gelände am Südstrand, auf dem die Vierbeiner mit ihren Menschen und Hundekumpels herumtollen können, ohne andere Leute zu stören und ohne selbst durch Autoverkehr gefährdet zu werden.

Immer wieder werden auf den Inseln Forderungen laut, dass die Hunde-Regeln strenger kontrolliert werden sollen. Doch das ist laut Michelsen nicht zu leisten. „Wir sind für 15 Kommunen zuständig“, so der Ordungsamtsleiter. „Und es ist auch kaum zu kontrollieren. Wegen des Bettenwechsels könnten wir alle zwei Wochen von vorne anfangen“. Michelsen appelliert deshalb auch zu Vernunft und Rücksichtnahme, die die meisten Hundehalter auch zeigen würden. Und er nennt, abgesehen von allen Ver- und Geboten eine Faustregel: „Sie müssen immer in der Lage sein, ihren Hund wirksam zu beaufsichtigen.“

Die Tourismusbetriebe beider Inseln haben Flyer herausgebracht, in denen viele Regeln und schöne Urlaubstipps für zwei- und vierbeinige Gäste zusammengefasst sind. Sie sind im Internet unter ww.foehr.de und www. amrum.de zu finden.

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