auf amrum : Neujahrsbaby heißt Mia

Hebamme Antje Hinrichsen (links) mit der glücklichen Familie: Lisa und Fin Zimmermann sowie die Töchter Lina und Mia.
Hebamme Antje Hinrichsen (links) mit der glücklichen Familie: Lisa und Fin Zimmermann sowie die Töchter Lina und Mia.

Besondere Aufregung auf dem Seenotkreuzer Vormann Leiss: Maschinist Bernd Zimmermann fuhr seine künftige Enkelin nach Föhr.

shz.de von
05. Januar 2015, 09:00 Uhr

„Eigentlich hatte ich mir gewünscht, dass unsere Tochter nicht an Heiligabend oder Neujahr geboren werden sollte“, lächelt Lisa Zimmermann aus Nebel ihre 48 Zentimeter große Tochter glücklich an. Nun sind sie zu viert und die sechsjährige Schwester Lina freut sich über die Verstärkung. „Na klar passe ich auf sie auf“, verspricht sie. Davon, dass ihre gerade tief schlafende Schwester richtig brüllen kann, konnte sie sich bereits überzeugen.

Sie ist zwar noch richtig zierlich und hat doch schon für ordentlich Aufregung gesorgt. Als erste Geburt des neuen Jahres hatte Mia am 1. Januar um 6.24 Uhr im Kreißsaal des Föhr-Amrumer Krankenhauses das Licht der Welt erblickt. Stichtag war eigentlich der 10. Januar und die letzte Wehenschreiber-Untersuchung (CTG) am 29. Dezember hatte auch noch nichts Gegenteiliges vermuten lassen.

Als dann in der Neujahrsnacht die Wehen einsetzten, rief Ehemann Fin Zimmermann die Amrumer Hebamme Antje Hinrichsen an. Die war kurze Zeit später vor Ort und entschied nach einer routinierten Untersuchung, dass es Zeit sei, den Weg in den Kreißsaal anzutreten. Per Rettungswagen ging es zum Seezeichenhafen in Wittdün, wo bereits der Seenotkreuzer „Vormann Leiss“ auf der Station Amrum die Maschinen angeworfen hatte. Kurz vor halb vier hatte die Seenotleitung Bremen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) die Besatzung alarmiert und den erforderlichen Transport der hochschwangeren Frau ins Krankenhaus nach Wyk angekündigt.

Eile war geboten, sollte das Kind nicht noch auf dem Seenotkreuzer geboren werden. Der ansonsten routinierte Maschinist Bernd Zimmermann konnte sich bei diesem Einsatz nicht von einer besonderen Aufregung freisprechen, galt es doch, seine Schwiegertochter ins Krankenhaus zu bringen. „Gefühlt gab es in dieser Nacht einen ‚Drei-Knoten-Opabonus‘, als wir mit voller Kraft nach Wyk dampften“, schmunzelte Fin Zimmermann. Bei ruhiger See und mit dem Strom waren die Bedingungen optimal. Zum Glück, denn die Wehen der werdenden Mutter waren derart stark, dass sie die Überfahrt nur stehend ertragen konnte. Um 4.50 Uhr übergaben die Seenotretter Lisa Zimmermann dem Landrettungsdienst in Wyk.

„Als wir am Krankenhaus ankamen, sagte der Rettungssanitäter, dass es nur noch ein paar Meter wären, dann hätte ich es geschafft“, erinnert sie sich. „Ihr Blick muss Bände gesprochen haben, zumal der Rettungssanitäter sich seiner unbedarften Worte schlagartig bewusst wurde“, schmunzelt der stolze Vater.

Bereits eine Stunde später erblickte die kleine Mia (2860 Gramm) nach einer „Traumgeburt“ das Licht der Welt, freute sich Hebamme Antje Hinrichsen. Für sie war es die 265. Geburt, die sie in ihrer Zeit als Hebamme auf Amrum begleitet hat. Am 14. Februar 2006 hatte sie die letzte Hausgeburt durchgeführt. Veränderte Bedingungen bei der Hebammenhaftpflichtversicherung und ein Umdenken der werdenden Mütter leiteten den Trend ein, im Krankenhaus zu entbinden. „Bei zwei Geburten musste danach der Rettungswagen und bei einer die Messe des Seenotrettungskreuzers als Kreißsaal fungieren“, erinnert sich die Hebamme an ihre 18-jährige Tätigkeit als Geburtshelferin.

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