Zeinab und ihre Familie : Neues Zuhause auf der Insel Föhr

Runder Tisch im Klassenzimmer: Die Midlumer Viertklässler mit der Familie Hashemi und Dolmetscherin Karin Faltings (re.)
Runder Tisch im Klassenzimmer: Die Midlumer Viertklässler mit der Familie Hashemi und Dolmetscherin Karin Faltings (re.)

Projekt „Zeitung in der Schule“: Die Midlumer Viertklässler haben sich mit ihrer afghanischen Mitschülerin und deren Eltern unterhalten.

Avatar_shz von
08. Juni 2015, 15:30 Uhr

Zeinab Hashemi und ihrer Familie geht es inzwischen richtig gut. Das war jedoch nicht immer so, denn sie ist mit ihrer Familie aus Afghanistan geflohen. Nun lebt sie seit Oktober 2014 in Midlum auf Föhr, genau gegenüber von unserer kleinen Grundschule in einer Wohnung des ehemaligen Amtsgebäudes. Sie besucht die dritte Klasse, ihre Schwester Zara die erste Klasse und die zweijährige Setayesh ist im Arche-Noah-Kindergarten.

Seit sie und ihre Familie da sind, beschäftigen uns viele Fragen. Da wir am ZiSch-Projekt teilnehmen, kamen wir auf die Idee, Zeinab und ihre Familie in unseren Deutschunterricht einzuladen und ein Interview durchzuführen. Zum Glück erklärte Karin Faltings sich bereit, die Fragen und Antworten zu übersetzen, denn sie spricht richtig gut Farsi (Persisch).

Herr Hashemi erzählte uns, dass das Leben in Afghanistan sehr schlimm war. Überall Krieg und Zerstörung und ständig hatte man Angst. Seit Jahren war die Familie innerhalb Afghanistans auf der Flucht und hatte nie lange ein festes Zuhause. Um sich und die Familie zu versorgen, hatte die Familie viele Tiere wie Hühner, Ziegen und eine Kuh. Als feststand, dass sie aus Afghanistan flüchten wollten, haben sie alles was sie hatten verkauft. Denn die Flucht kostet viel Geld.

Sieben Monate hat die Familie dann gebraucht, bis sie über den Iran die Türkei erreicht haben und dann ging es auf einem Fischerboot weiter durch das Mittelmeer bis Italien. Es war eine schlimme Überfahrt, zwei Tage davon ohne Essen und Trinken und noch heute hat vor allen Zeinab Angst vor Schiffen. Herr und Frau Hashemi berichten, dass sie ihre Eltern sehr vermissen. Es macht Herrn Hashemi traurig, dass er seinen kranken Vater nicht besuchen kann und vielleicht nie wieder sehen wird. Mit ihrer Mutter telefoniert Frau Hashemi regelmäßig, aber meistens weinen sie dann am Telefon.

Sie waren sehr glücklich als sie über Köln und Neumünster endlich auf Föhr ankamen. Über Deutschland hatte Familie Hashemi viel Gutes gehört. Beeindruckt waren sie in Afghanistan vor allem von den deutschen Soldaten, denn sie waren immer besonders nett und hilfsbereit. Die Menschen auf Föhr haben sie sehr herzlich aufgenommen und sie mit Kleider- und Sachspenden bedacht. Zeinab und ihre Schwester gehen sehr gerne in die Schule und haben schon viele neue Freunde gefunden und sprechen schon prima Deutsch. Sie möchten immer unbedingt über das Wochenende und den Ferien Hausaufgaben aufbekommen. Das finden wir natürlich merkwürdig.

Für die Zukunft wünscht Herr Hashemi sich, dass er nie wieder Krieg erleben muss und dass er möglichst schnell die deutsche Sprache erlernt. Außerdem möchte er gern wieder in seinem Beruf arbeiten und Geld verdienen. Herr Hashemi ist nämlich Schneider.

Klasse 4 der GS Midlum auf Föhr (Amy Beiersdorf, Gesche Brodersen, Lynn Brodersen, Lisa Freckmann, Mia Hansen, Jakob Jensen, Madita Jensen, Nanna Juhl, Lukas Ganzel, Nadine Lambertsen, Simon Peters, Jule Siewertsen, Leon Stückemann, Melf Wögens, Jasmin Wesely, Klassenlehrerin Svea Iwersen Peters)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen