Von Oevenum nach Wyk : Neue Heimat für das Dorfmuseum

Das Haus Jansen steht direkt neben der Museumsscheune. Es soll die Oevenumer Sammlung und ein Café aufnehmen.  Foto: pk
Das Haus Jansen steht direkt neben der Museumsscheune. Es soll die Oevenumer Sammlung und ein Café aufnehmen. Foto: pk

Teile der Sammlung von Heie und Ingke Sönksen-Martens sollen als "Insel-ABC" in Wykpräsentiert werden

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30. März 2013, 09:03 Uhr

Wyk/Oevenum | In einer großen Gemeinschaftsaktion, an der sich viele Föhrer beteiligten, wurde im vergangenen Jahr das Landwirtschaftliche Museum in Oevenum geräumt, dessen Exponate die Besitzer Heie und Ingke Sönksen-Martens dem Friesenmuseum gestiftet haten, nachdem Träume von einem Nachfolger des Oevenumer Dorfmuseums auf Föhr-Land zerplatzt waren. Fotografiert und katalogisiert warten die Oevenumer Schätze nun an sicheren Orten darauf, dass sie wieder gezeigt werden können.

Das soll im "Haus Jansen" geschehen, das neben dem Friesenmuseum an der Badestraße liegt, einst vom Kreis Nordfriesland - als dieser noch Betreiber des Wyker Museums war - für Ausstellungszwecke erworben und vor einiger Zeit dem Museumszweckverband übergeben wurde. In dessen Versammlung stellte die Museumsleiterin Jutta Kollbaum-Weber jetzt ein Konzept für die künftige Präsentation der Exponate vor, die das Leben auf Föhr-Land im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert widerspiegeln.

850 Ausstellungsstücke hattedas Ehepaar Sönksen-Martes im Lauf der Jahre in seinem Privatmuseum zusammengetragen, von denen viele allerdings nun erst mal im Magazin bleiben werden, da ähnliche Gegenstände bereits im Friesenmuseum ausgestellt werden oder, wie bei den Werkstätten und den Landmaschinen aus Oevenum, aus Platzgründen in Wyk nicht präsentiert werden können. Jutta Kollbaum-Weber machte denn auch gleich klar, dass das Oevenumer Museum auf keinen Fall eins zu eins in Wyk neu entstehen kann. "Das muss etwas ganz anderes werden", betonte sie . "Klar" pflichtete ihr Ingke Sönksen-Martens bei.

Der Museumsleiterin schwebt vor, im Haus Jansen neben dem dort ebenfalls geplanten Museumscafé in separaten Ausstellungsräumen das Föhrer Alltagsleben im 20. Jahrhundert darzustellen. Als Teile eines kleinen "Insel-ABC" will sie dort 25 Exponate zeigen, die stellvertretend für ein Ereignis stehen. Unter "E" will sie zum Beispiel anahnd des Elektrolux-Staubsaugers der Oevenumer Sammlung aus dem Jahr 1934 über die Elektrifizierung der Insel informieren. Schlittschuhe stehen bei "F" wie Flurbereinigung dafür, dass davor die Marsch noch weitgehend vernässt war und den Föhrer Kindern im Winter ein herrliches Eislaufareal bot. Und bei "W" wird anhand der ersten Föhrer Dusche und ihrer Geschichte über die Wasserversorgung der Insel berichtet. "Wir wählen von den Oevenumer Exponaten die Highlights aus", versprach Kollbaum-Weber und der Zweckverbandsvorsitzende Christian Roeloffs ergänzte, dass die Oevenumer Landmaschinen eventuell an einem anderen Ort gezeigt werden könnten. "Es gibt die Idee, zusammen mit dem Oldtimer-Club in einer Halle landwirtschaftliche Geräte zu zeigen", berichtete der Süderender Bürgermeister.

Dass nur 25 ihrer 850 Exponate im Friesenmuseum gezeigt werden, ist für Heie und Ingke Sönksen-Martens kein Problem, wie sie mehrfach an diesem Abend betonten. Wäre das Museum auf Föhr-Land geblieben, hätte man mehr ausstellen können, aber in Wyk gebe es vieles doppelt, so Heie Sönksen-Martens. "Darum ist das so die optimale Lösung", betonte er, dass Jutta Kollbaum-Weber darin, wie mit der Schenkung umgegangen wird, völlig freie Hand habe. "Wir mischen uns da nicht mehr ein", betonte der frühere Besitzer der Exponate und seine Frau ergänzte: "Wir wollten, dass die Sammlung auf Föhr bleibt und sie nicht auf einem Flohmarkt verhökern". Ein bisschen Oevenum, so versprach die Museumsleiterin, soll es auch bei der neuen Präsentation geben. Im Eingangsbereich will sie an das Landwirtschaftliche Museum erinnern und eventuell auch einen Film von den dortigen legendären Führungen mit Heie Sönksen-Martens zeigen.

Die Zweckverbandsmitglieder segneten bei ihrer Versammlung das Konzept einstimmig ab und fällten den Grundsatzbeschluss, dass damit nun die Suche nach Fördermitteln und Sponsoren gestartet werden soll. Dabei ist der auf 800 000 Euro veranschlagte Umbau des Haus Jansen Teil des bereits im vergangenen Jahr vorgestellten Gesamtkonzeptes für die Erweiterung und Modernisierung des Friesenmuseums (wir berichteten), das 5,2 Millionen Euro verschlingen soll. "Das ist natürlich ein Riesenschritt, aber wenn uns das finanziell ermöglicht wird, sollten wir es tun", warb Roeloffs für die ehrgeizigen Pläne.

Pläne, denen an diesem Abend noch ein weiterer hinzugefügt wurde. Denn plötzlich kam in der Runde die Idee auf, statt einer kostspieligen Sanierung das Haus Jansen abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Bislang sei man davon ausgegangen, dass dies nicht möglich sei, weil das Haus unter die Wyker Erhaltungssatzung fällt, berichtete der Verbandsvorsteher. Doch Wyks Bürgermeister Heinz Lorenzen zeigte eine Hintertür auf: Wenn durch einen städtebaulichenVertrag garantiert werde, dass die Fassade eins zu eins wieder aufgebaut wird, könnte ein Abriss genehmigt werden.

Nun will man auch diese Variante prüfen, durch die sich bei der Innenraum gestaltung ganz andere Möglichkeiten ergeben könnten.

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