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Aufräumarbeiten dauern an : Neuanpflanzungen erst im Herbst

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Was die Orkane „Christian“ und „Xaver“ im Oktober und Dezember des vergangenen Jahres dem Amrumer Wald angetan haben, erschien bereits auf den ersten Blick vernichtend. Wie Spielzeuge wurden die Bäume in dem 1950 angelegten Inselwald entwurzelt.

Was die Orkane „Christian“ und „Xaver“ im Oktober und Dezember des vergangenen Jahres dem Amrumer Wald angetan haben, erschien bereits auf den ersten Blick vernichtend. Wie Spielzeuge wurden die Bäume in dem 1950 angelegten Inselwald entwurzelt, abgebrochen oder zumindest ihrer Standfestigkeit beraubt. Wie der Vorsitzende des Forstverbandes Amrum, Holger Peters, erklärte, sei derzeit nicht abzuschätzen, wie der Wald nach der noch immer andauernden Räumung aussehen werde.

Neben Flächen von der Größe mehrerer Fußballfelder sind auch viele kleinere bis mittlere Gebiete betroffen und der Schaden, den der legendäre Sturm „Anatol“ 1999 verursacht hatte, gerät beinahe ins Hintertreffen. So waren viele Wege zu Weihnachten noch nicht passierbar und weiterhin besteht die Gefahr, dass entwurzelte Bäume, die sich in anderen verhakt haben, umstürzen. „Ich bin in großer Sorge, dass die Spaziergänger die Gefahren unterschätzen“, so Peters, davon zeugten viele Trampelpfade neben den gesperrten Wegen.

„Wir werden definitiv in diesem Sommer keinen aufgeräumten Wald haben“, kündigt der Vorsitzende an, dass die Äste und Zweige erst im Herbst gemulcht und Neuanpflanzungen durchgeführt werden. Zu eng sei das Zeitfenster für beide Maßnahmen vor der warmen Jahreszeit. Zudem seien mit dem Ende des vergangenen Jahres die Fördermaßnahmen für Aufforstungen ausgelaufen. Und der Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Dr. Robert Habeck, habe den Antrag auf Unterstützung durch das Land Schleswig-Holstein abgelehnt, ist Peters enttäuscht. Denn der Amrumer Wald stelle ein besonderes Kleinklima für die Insel dar und habe über die Jahrzehnte auch einen touristischen Stellenwert erlangt. Wie nachhaltig darüber hinaus der Schutz vor Sandflug und ungestümen Westwinden ist, zeigt der hohe Sandanteil in der Rinde von Fichten und Schwarzkiefern am westlichen Waldrand.

Von den besonderen Verhältnissen auf Amrum kann Josef Pirchmoser ein Lied singen. Der 48-jährige Unternehmer aus Baden-Württemberg, der sich auf Sturmschädenbeseitigungen im Forst spezialisiert hat, ist mit den Aufräumarbeiten beauftragt. „Je näher wir an die die Dünenkannte kamen, umso höher war der Sandanteil in der Rinde, der schnell für stumpfe Sägeketten sorgte.“

Wie schwierig der Schaden zu schätzen ist, zeigt die bereits gesägte Holzmenge. Mit 3000 wurde die anfangs veranschlagte Menge von 2000 Raummetern bereits überschritten. Ende Februar soll die Maßnahme beendet sein, und Schätzungen sagen noch einmal die gleiche Menge voraus. Wobei die auf privaten Grundstücken „zusammengewehten“ Baumreste nicht berücksichtigt sind.

„Neben dem Auftrag auf Amrum sind wir parallel auf Föhr und dem Festland beschäftigt, um die Sturmschäden zu beseitigen“, umreißt der aus Südtirol stammende Forstunternehmer sein Engagement im Norden. 1986 gründete Pirchmoser seine Firma und seit 1988 arbeitet er mit Holzvollerntern, den sogenannten Harvestern. Derzeit verfügt das Unternehmen über zehn voll ausgestattete Teams. Vier Jahre war man in Sachen Sturmschädenbeseitigung in Frankreich unterwegs, nach eigenem Bekunden ein willkommenes zusätzliches Training.

Natürlich ist auf einer Insel alles anders. Lastwagen und Fähre, bisher für die Holztransporte genutzt, seien viel zu teuer. Zumal das für den Holzmarkt eher als minderwertig eingestufte Holz beim Verkauf geringere Margen erzielt. Derzeit transportiert ein Frachtschiff die erste Ladung Stämme zu einem holzverarbeitenden Betrieb im europäischen Ausland. Mit Unterstützung der „Catjan“ von Jan Christiansen wurde der 1200 Tonnen fassende Frachter zwischen Föhr und Amrum beladen. „Eine Verladung vor Wittdün verhinderte die stürmische See und der Tiefgang ein Einlaufen in den Hafen“, berichtete Christiansen.

Allein die Tatsache, dass das Holz schnell dem Markt zugeführt wird, bringt soviel Geld ein, dass die Kosten für den Einschlag und Abtransport gedeckt werden. Um den Frachter erst gar nicht aus der Charter zu entlassen, wird nochmals aufs Tempo gedrückt, um die jeweiligen Schiffsladungen auf der Steenodder Mole zusammenzuziehen. Die Mitarbeiter sind derzeit in zwei Schichten rund um die Uhr im Einsatz. Dabei werden die Einzelumbrüche per Schlepper und Motorsäge aus dem Wald gezogen und bearbeitet. In der Fläche schafft der Harvester die großen Holzmengen.

Holger Peters hofft auf eine breite Unterstützung für die Neupflanzung des Amrumer Waldes. „Wir sind für jede Spende dankbar. Jetzt gilt es, den Wald für die nächsten Generationen zu erhalten.“

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erstellt am 22.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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