Kampf um den Kreisssaal : Neu organisiert richtig loslegen

Die Vorsitzenden des TuS Osterlandföhr, Gerd Jakobsen und Erk Jacobs (v.l.), überreichten Kerstin Lauterberg (l.) und Susanne Keisat den Erlös des Entenrennens.
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Die Vorsitzenden des TuS Osterlandföhr, Gerd Jakobsen und Erk Jacobs (v.l.), überreichten Kerstin Lauterberg (l.) und Susanne Keisat den Erlös des Entenrennens.

Initiative Inselgeburt wird ein Verein. Schaffung eines Geburtshauses weiterhin erklärtes Ziel. TuS Osterlandföhr unterstützt mit Geldspende.

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02. November 2017, 12:30 Uhr

Zwei Jahre sind inzwischen seit der Schließung der Geburtshilfeabteilung im Wyker Krankenhaus vergangen – zwei Jahre, nach denen immer noch viele schwangere Insulanerinnen damit hadern, zur Entbindung aufs Festland zu müssen und sich dort schon 14 Tage vor dem errechneten Termin in einem Boardinghaus einzuquartieren. Zwei Jahre, in denen ein realistisches Notfallkonzept noch immer nicht dauerhaft abgesichert ist. Zwei Jahre, in denen der Protest gegen die Schließung zwar leiser geworden ist, aber nicht verstummt. „Unser Ziel bleibt eine Wiedereröffnung des Wyker Kreißsaals, und da werden wir nicht klein beigeben“, sagt Manfred Hinrichsen. „Wir wollen zu dem zurückkehren, was hier immer gut funktioniert hat“, ergänzt Susanne Keisat. Beide gehören der „Initiative Inselgeburt“ an. Die hatte sich unmittelbar nach der Schließung zusammengeschlossen, hat die Protestaktionen organisiert, führt immer wieder Gespräche mit Verantwortlichen und unterstützt den Föhrer Plan B, auf der Insel in eigens dafür eingerichteten Räumen Hausgeburten mit Begleitung einer Hebamme anzubieten.

Um diese Form der Inselgeburt nicht nur ideell, sonden auch finanziell unterstützen zu können, wurde aus der Bürgerinitiative jetzt ein Verein. Die letzten Formalitäten sind noch nicht abgeschlossen, aber es sei bereits sicher, dass dieser Verein als gemeinnützig anerkannt wird, berichten seine Gründer. „Dann können wir richtig loslegen, um Mitglieder und um Spenden werben, die dann auch von der Steuer abgesetzt werden können“, so Susanne Keisat, die zur Vorsitzenden gewählt wurde. Ihre Stellvertreterin ist Jasmine Nissen, Schriftführer Manfred Hinrichsen.

Die Schaffung eines Geburtshauses ist seit der Abwicklung der Geburtshilfe im Krankenhaus Thema, doch bei der Realisierung tauchen immer neue Hürden auf. Da müssen Bauvorschriften beachtet und rechtliche Vorgaben erfüllt werden. „Das ist sehr unbefriedigend, die versuchen, einem immer wieder ein neues Loch zu graben“, sagt Hebamme Kerstin Lauterberg. Trotzdem ist sie zuversichtlich, dass sie ihr Ziel bald erreichen wird – wenn nicht in den von ihr favorisierten Räumen über der Frauenarztpraxis eben in anderen. Der Verein würde die Räume dann anmieten, so Manfred Hinrichsen. Ob er auch die Trägerschaft übernimmt oder sich nur um die Finanzierung kümmert, sei noch nicht ganz geklärt.

Eines aber ist klar, das Ganze wird ein teurer Spaß, den Hebammen alleine nicht wuppen könnten. Es müssten Geräte, wie zum Beispiel ein Wehenschreiber, angeschafft werden. Dinge, die zwar im Wyker Krankenhaus stehen, aber, so habe die Klinikleitung signalisiert, dem Hebammenhaus nicht zur Verfügung gestellt würden, berichtet Lauterberg. „Wir wollen, dass Frauen – gerade auch von Amrum – auch ein paar Tage bleiben können“, erläutert die Hebamme, dass es mit medizinischen Gerätschaften allein nicht getan sei.

Es gibt also noch viel zu tun für den Verein, und es kommen hohe Kosten auf ihn zu. Um so mehr freuen sich die Inselgeburtler über Unterstützung aus der Bevölkerung – wie beim Hafenfest im August. Dort konnten sie am Stand des TuS Osterlandföhr über ihr Anliegen informieren und den Erlös des Entenrennens, stolze 4194 Euro, haben der Tus-Vorsitzende Gerd Jakobsen und sein Stellvertreter Erk Jacobs jetzt Susanne Keisat und Kerstin Lauterberg überreicht. Geld, das für die neue geburtshilfliche Einrichtung auf Föhr verwendet werden soll.

Finanzielle Unterstützung ist das eine, idelle genau so wichtig. Und so hat Manfred Hinrichsen vor einigen Monaten Kontakt mit der Kieler Universität aufgenommen – mit dem Ergebnis, dass nun zwei Doktorarbeiten über die Folgen der Föhrer Kreißsaal-Schließung für die Insulanerinnen und ihre Kinder geschrieben werden. Von Doktorandinnen, die sich auskennen, berichtet Hinrichsen. Denn die beiden jungen Frauen haben bereits eine Zeit als Hebamme gearbeitet, bevor sie noch ein Medizinstudium aufgenommen haben. Sie werden sich jetzt mit Fragebögen an die Föhrerinnen wenden.

Übrigens – auch wenn das offiziell zur Zeit gar nicht vorgesehen ist – echte Insulaner werden auch weiterhin geboren. In diesem Jahr haben sich bereits drei Frauen dafür entschieden, ihre Kinder zuhause, im vertrauten Umfeld, zu bekommen und haben gesunde kleine Föhrer zur Welt gebracht.

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