zur Navigation springen

Föhr und Amrum : Netzausbau geht in die nächste Runde

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Amt will von einem Förderprogramm des Bundes profitieren. Noch sind nicht alle Gemeinden überzeugt.

Geht es nach dem Amt Föhr-Amrum, soll ein milliardenschweres Förderprogramm der Bundesregierung mit dem Ziel einer flächendeckenden Breitbandversorgung mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) auch den Insulanern zugutekommen. Nachdem Amtsvorsteherin Heidi Braun und der EDV-Administrator des Amtes, Daniel Schenck, bereits im vergangenen April in Berlin einen Förderbescheid über Gutachterkosten in Höhe von 50  000 Euro von Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, entgegennehmen konnten (wir berichteten), wird derzeit die nächste Runde eingeläutet.

Ziel des Förderprogramms ist, für mindestens 75 Prozent der Haushalte eine Downloadrate von 50 Mbit/s zu erreichen. Zudem sehen die Vorgaben des Bundes Downloadraten von mindestens 30 Mbit/s für 95 Prozent der Verbraucher vor. Mit Hilfe des Hamburger Beraters Ralph Fritz (OFP GmbH) wird derzeit der jeweilige Status Quo ermittelt. Unterversorgte Haushalte berechtigen zur Teilnahme; die Schallmauer liegt bei unter 30 Mbit/s.

Betroffen sind diverse Gemeinden im Amtsbereich. Als die Inseln vor einigen Jahren gemeinsam mit Pellworm, Langeneß und Gröde an einem Breitband-Förderprogramm des Landes Schleswig-Holstein teilnahmen, lag die Untergrenze bei zwei Mbit/s. Etwa die Hälfte der Föhrer Dörfer sowie Nebel auf Amrum lagen darüber, gelten aber nach den heutigen Bedingungen als förderfähig. Wie auch Orte, die seinerzeit dabei waren, wo es noch immer Anschlüsse mit geringem Datendurchsatz gibt und die sich bei einer Teilnahme erneut auf Kosten einstellen müssen. Dazu zählt Nieblum, wo nach Einschätzung des Bürgermeisters Friedrich Riewerts nur einige wenige Haushalte betroffen sind. Riewerts bemängelt allerdings, dass weder zum Schlüssel über die Verteilung der Kosten noch zur genauen Zahl der unterversorgten Haushalte in der Gemeinde verlässliche Aussagen vorliegen. Das vom Amt präsentierte Zahlenwerk sei nicht aussagefähig genug und die Summe für das, was man bekomme, zu hoch. Weshalb die Gemeindevertretung die Entscheidung in ihrer jüngsten Sitzung vertagt hat. „Wir müssen genauere Zahlen vorgelegt bekommen, sonst ist Nieblum nicht dabei“, betont der Bürgermeister.

„Ich kann derzeit keine belastbaren Zahlen nennen, wir befinden uns noch in der Kalkulationsphase“, beschreibt der EDV-Administrator sein Dilemma und verweist auf die Höhe der Investitionskosten und die nötigen öffentlichen Ausschreibungen der Aufträge. Die aber könnten erst nach der Förderzusage erfolgen, wenn die Finanzierung gesichert ist. Und: „Die Förderzusage gibt es nur, wenn sich die Gemeinden im Vorfeld bereit erklären, den Eigenanteil von mindestens zehn Prozent der Kosten zu tragen.“ Der Bund ist mit 50 Prozent dabei. Eine mögliche Co-Finanzierung des Landes dürfte kaum die fehlenden 40 Prozent abdecken, so Schenck. „Je weniger das Land dazu gibt, desto höher ist am Ende der Eigenanteil der Gemeinden.“

Zu denen Wrixum nicht gehören wird. Hier profitiert man von einem Ausbauprogramm der Telekom, für das das Unternehmen auch die Kosten trägt. Das Wyker Ortsnetz wird derzeit mit VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) ausgestattet und das Ausbaugebiet geht über die Stadtgrenzen hinaus. Mehr als 2500 Haushalte sollen in dieser Woche in Betrieb genommen werden, weitere fast 1600 im Mai folgen, bestätigte Georg von Wagner, Pressesprecher des Unternehmens, auf Nachfrage. Bürgermeisterin Heidi Braun ist zufrieden: „Wir werden künftig mindestens 30 Mbit/s im Downloadbereich erreichen, ansonsten sind große Teile des Ortes mit 50 Mbit/s versorgt.“

Daniel Schenck kämpft derweil mit dem knappen Zeitplan. Der ist der Konstellation des Förderprogramms geschuldet; der Bund nimmt nur in gewissen Zeiträumen Anträge an. Die Inseln wollen an dem derzeitigen vierten Förderaufruf teilnehmen, der Ende dieses Monats ausläuft. „Die Entscheidungen sollten bis Mitte Februar fallen“, betont Schenck, der derzeit durch die Gemeindevertretungen tingelt, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Die auch nötig sein wird, denn in den meisten Dörfern steht die Abstimmung noch aus.

zur Startseite

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 12:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen