Föhr : Naturschutz-Arbeit in Gefahr

Die Inselgruppe des BUND hat seit 1990 viele Projekte angestoßen. Wenn sich kein Vorstand findet, droht jetzt das Aus.

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20. August 2018, 14:00 Uhr

Umwelt- und Naturschutz scheinen zur Zeit auf Föhr nicht den größten Stellenwert einzunehmen, obwohl gerade die vergangenen Monate in Bezug auf die Klimaentwicklung nachdenklich machen sollten. Auch für den Föhr-Amrumer Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) klingeln die Alarmglocken: Er hat zwar in den vergangenen 28 Jahren eine Menge bewegen können, es mangelt jetzt aber immer mehr an Aktiven, und es könnte nach dem augenblicklichen Stand schwer werden, bei der Mitgliederversammlung am 6. September einen arbeitsfähigen Vorstand auf die Beine zu stellen.

Über einen Mangel an Einsatz musste man nicht immer klagen: Ende der 1980-er Jahre entstand auf Föhr die Bürgerinitiative Nordsee, deren Aktivitäten sich auch in die Kommunalpolitik bemerkbar machten. Diese Initiativen kamen nicht von ungefähr: Algenpest und ganz besonders das Seehundsterben hatten die Menschen aufgerüttelt. Unter dem Motto: „Unsere Nordsee, lasst sie leben“ gab es auf Föhr und Amrum zahlreiche Aktionen, die auf die bedrohliche Situation des Meeres und die seiner Bewohner aufmerksam machen sollten. Die Bürgerinitiative Nordsee mündete im Februar 1990 in die Gründung der Inselgruppe Föhr des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dessen Vorsitz Annemarie Lübcke übernahm und den sie bis heute noch innehat, aber nicht weiter ausüben will.

„Als Gruppe des BUND auf Föhr möchten wir die Fachleute und Fachkenntnisse dieser großen Dachorganisation für insulare Belange nutzen und anzapfen“, lautete damals die Begründung für diesen Schritt. Mit viel Elan machte sich die junge insulare Vereinigung an die Arbeit, und die Ergebnisse ihre Einsatzes können sich sehen lassen. Möglich wurde dies aber auch durch die Unterstützung der Stadt Wyk und einiger Landgemeinden, die bei so manchen Aktivitäten mit ins „Umweltboot“ gestiegen waren: Man denke nur an den Föhrer Dosenschwur, das Spülmobil, die Aktion „Sonne für Föhr“, und natürlich den Sperrgutbasar. Wenn auch der Dosenschwur keinen Bestand hatte, so ist doch vor allem der Sperrgutbasar am Wyker Hafendeich unter der Regie von Renate Sieck ein absolutes Erfolgsmodell, das heute gar nicht mehr wegzudenken ist. Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des BUND war dann die Entstehung des Mehrgenerationen-Wohnprojektes an der Wyker Strandstraße, wo der Verein seine eigenen Räume erstellen konnte. Von hier aus wurden unter anderem das Vorhaben „Plastikfrei wird Trend“ und das Aufstellen der Strandmüllboxen, aber auch das Wiesenvogelschutz-Projekt und aktuell das Anlegen von Streuobstwiesen koordiniert.

So hören sich die Ergebnisse von rund 28-jährigem Einsatz für die Umwelt zwar sehr positiv an, doch der BUND hat das Problem, mit dem fast alle Vereine zu kämpfen haben: Ihm fehlen die Einsatzwilligen. Dabei lebt die Nordsee absolut noch nicht in Frieden, was nicht zuletzt bei den Aktionen zur Strandreinigung und beim Monitoring in der Godelniederung deutlich wird. Es gäbe eigentlich noch viel mehr zu tun. Eine Liste möglicher Aktivitäten reicht von einer Vegetationskartierung in der Godelniederung über Aktionen für Jugendliche, gemeinsam mit der Kieler BUND-Jugend, bis hin zur Messung von Feinstaub auf den Föhrer Straßen, wozu der BUND eine Messstation bereitstellen kann. Diese Aktivitäten zum Umweltschutz können aber nur weitergeführt oder in Angriff genommen werden, wenn sich Menschen finden, die bereit sind, aktiv zu werden und auch Aufgaben im Vorstand zu übernehmen.

„Mein Lebensmittelpunkt ist nicht mehr auf Föhr, deshalb will ich nicht weiter den Vorsitz übernehmen“, dies hatte Annemarie Lübcke betont, als sie vor fast zwei Jahren Föhr in Richtung Hallig Hooge verließ. Da sich so rasch kein Nachfolger finden ließ, hatte Lübcke aus der Ferne die Geschicke des BUND geleitet, was nur dank der Tatsache möglich war, dass mit Angela Ottmann und einer Kraft im freiwilligen ökologischen Jahr das Büro in der Strandstraße arbeitsfähig war. Die Zukunft des Föhr-Amrumer BUND steht und fällt nun mit Bildung eines funktionsfähigen Vorstandes.

Die Würfel dafür werden bei der Mitgliederversammlung fallen, die am Donnerstag, 6. September, um 19 Uhr in den Räumen des BUND, in der Strandstraße 4 G, beginnen wird.

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