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In Alkersum : Mythen und Fakten der großen Sturmfluten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der nordfriesische Heimatforscher Albert Panten hielt einen kritischen Vortrag in der Ferring-Stiftung.

Vor etwa 20  000 Jahren war der globale Meeresspiegel 130 Meter niedriger als heute und vom 15. bis zum 19. Jahrhundert gab es in Europa eine sogenannte kleine Eiszeit. Zwei Fakten, die am Beginn des Vortrages von Albert Panten in der Ferring-Stiftung standen, der sich mit Mythen und Fakten zu den großen Schadensfluten an Nordfrieslands Küsten auseinandersetzte.

So lieferte ein ehemaliges Hochmoorgebiet zwischen Föhr und Eiderstedt den Rohstoff Torf, der großflächig abgebaut wurde und aus dem durch Salzsiederei große Mengen Salz gewonnen wurden. Der Torfabbau begünstigte die Zerstörungen an Nordfrieslands Küsten ebenso wie mittelalterliche Krisen, Missernten, Hungersnöte und die Pest, die dafür sorgten, dass die Küstenbewohner ihre Deiche nicht gut genug instand halten konnten. So fraßen sich Sturmfluten immer wieder weit ins Landesinnere und viele Einwohner samt Vieh fanden einen nassen Tod. Ganze Dörfer verschwanden im Meer. Stellvertretend sei hier nur der Ort Rungholt genannt, nach dessen Ortsschild immer noch gesucht werde, wie Panten ironisch bemerkte.

Besonders verheerende Fluten wurden von den Chronisten für die Jahre 1187, 1362, 1634, 1717 und 1751 festgehalten. Bei den dokumentierten Schäden empfahl Panten allerdings eine gewisse Skepsis, da auch immer eine Rolle spiele, wer mit welchen Absichten diese Zahlen nenne. Nachdem um 1800 viele Deichgenossenschaften Bankrott gingen, übernahm die staatliche Hand diese Aufgaben. Im Spadelandsrecht heißt es sinngemäß: „Wenn keiner den Spaten ziehen will, muss die Herrschaft den Spaten ziehen.“

Für die große Flut vom Februar 1825, die auch den größten Teil Föhrs überflutete, liegen viele Daten über die entstandenen Schäden vor, da der dänische König Geld für die Opfer zur Verfügung stellte. Dazu mussten genaue Aufstellungen mit den erlittenen Schäden eingereicht werden. Noch heute stehen an verschiedenen Stellen der Insel Erinnerungsmarken an diese große Flut.

Inzwischen sind die Deiche mehrfach erhöht und das Deichprofil optimiert worden. So hat Nordfriesland schon einige Sturmfluten überstanden, die wesentlich höhere Wasserstände aufwiesen als der von 1825. Allerdings stand ein aufgeweichter Deichabschnitt bei Dagebüll im Jahr 1990 wohl kurz vor dem Durchbruch.

Albert Panten warnte vor möglichen Entwicklungen in der Politik und durch den demographischen Wandel. Wenn immer mehr Menschen vom Land in die Stadt zögen und Köge vielleicht aufgegeben werden würden, dann dürften die Küstenbewohner nicht schlafen, sonst stünde das Wasser eines Morgens vor dem eigenen Bett.

Jakob Tholund zollte dem sowohl anerkannten wie auch gefürchteten Regionalhistoriker seinen allergrößten Respekt und bescheinigte ihm einen humoristischen Sarkasmus, mit dem er seine zahlreichen Zuhörer mit in die stürmische Vergangenheit nahm.

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erstellt am 03.Aug.2015 | 20:15 Uhr

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