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In Nebel : Mühle zieht Besucher in Scharen an

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

17 500 Gäste besuchten das Nebeler Wahrzeichen im vergangenen Jahr. Nach dem Umbau soll wieder Korn gemahlen werden.

Eine Mitgliederversammlung in drei rappelvollen Räumen auf zwei Ebenen – wie geht das denn? Erstaunlich gut im gemütlichen „Dörnsk an Köögem“ in Nebel. Dort waren, völlig überraschend, doppelt so viele Mitglieder zur Jahresversammlung des Amrumer Mühlenvereins erschienen, wie angemeldet und so tagte man kurzerhand in beiden Gasträumen parterre und oben auf der Galerie.

Diese Rekordbeteiligung könnte glatt als Zahlenmystik in die Statistik eingehen: Lag es an der 53. Mitgliederversammlung oder an den jetzt 253 Amrumern unter den 559 Mitgliedern des Mühlenvereins, dass genau 53 Mitglieder (statt der 25 avisierten) kamen, oder hatten die 28 Spontanbesucher die angekündigte kleine Stärkung vielleicht allzu wörtlich genommen: „Essen, was der Koch zaubert“? Eine echte Herausforderung war es allemal – für die ohne Mikrofon sprechenden Redner und die Zuhörer in den Nebenräumen, aber vor allem für die Improvisationskünste der Küche.

Der Geschäftsbericht zog eine erfolgreiche Bilanz des vergangenen Mühlenjahres: Ausstellungssaison von April bis Oktober (Elmar Koritzius, Kinka Tadsen, Tobias Hartmann), Feier des Deutschen Mühlentags mit Speis und Trank am Pfingstmontag (Auftritte von Querbeet, Trachtengruppe, Posaunenchor, Blaskapelle), Benefizkonzert der Amrumer Soulband im Juni, Tag des offenen Denkmals im September – insgesamt 17  500 Kinder und Erwachsene besuchten im vergangenen Jahr die älteste Mühle Schleswig-Holsteins.

Mühlenvereins-Vorsitzender Volker Langfeld dankte Inge Tadsen für ihre langjährige Unterstützung und die kommissarische Übernahme der Kasse, die sie in den letzten Monaten, nach dem Tod des Schatzmeisters Erk Tadsen, gleichberechtigt mit Gerret Krahmer führte. Die Kassenführung war wie immer tipptopp, befanden die Prüfer. Die Kasse weist für 2016 einen satten Gewinn aus. Der Vorstand wurde ordnungsgemäß auf zwei Ebenen in drei Räumen ohne Gegenstimme entlastet.

Der Mühlen-Vorstand besteht aus fünf Mitgliedern und zwei Beisitzern. Neu zu wählen oder im Amt zu bestätigen waren der Kassenwart, der zweite stellvertretende Vorsitzende und ein Beisitzer. Es gab keine Gegenkandidaten und so wurden Gerrit Krahmer zum Kassenwart, Kai Quedens zum neuen zweiten stellvertretenden Vorsitzenden und Martin Pörksen als technischer Berater zum zweiten Beisitzer gewählt.

Der Umbau zur Wiederherstellung der Mahlfähigkeit der Mühle hat den Vorstand im Jahr 2016 stark gefordert, berichtete Volker Langfeld. Der erste Bauabschnitt ist durchfinanziert und umfasst die Schaffung von Lagerräumen für Getreide im Keller, den Rückbau der bisherigen Toilettenräume zum Motorenraum und die Verlegung der Toilettenanlagen. Der neue Ein-Zylinder-Dieselmotor der Motoren-Werk-Mannheim AG aus dem Jahr 1922, den die Amrumer in Thüringen abholen konnten, läuft schon. Nach dem Umbau kann er an seinem ursprünglichen Platz wie zuletzt 1963 die Arbeit aufnehmen und bei Windstille das Mahlwerk antreiben.

Mit den Umbauarbeiten konnte aber erst im Februar begonnen werden, da die Baugenehmigung erst im November eintraf und die Ausschreibungen sich hinzogen. Der Umbau wird zum Saisonbeginn vermutlich nicht komplett fertig und der Vorstand bittet darum, dass Mitglieder sich aktiv an der Renovierung beteiligen mögen. Die Mühle eröffnet in diesem Jahr erst zum deutschen Mühlentag am Pfingstmontag, mit einem kleineren Programm als gewohnt. Groß gefeiert wird erst Anfang September am Tag der offenen Tür. Wie gewohnt finden die Mühlenführungen jeden Montag um 17 Uhr statt, aber 2017 wird es wegen der Baumaßnahmen nur zwei Kunst-Ausstellungen geben: Suzie Bohm vom 11. Juni bis 18. August und Susanne Klena vom 21. August bis 31. Oktober. Die Plakate sind gerade frisch gedruckt.

Der zweite Bauabschnitt wird eine neue Maßnahme sein, die erst in Angriff genommen wird, wenn die Finanzen vorhanden sind. Er umfasst die Herstellung des Mahlwerks. Ziel ist, mit Windkraft in der Mühle künftig wieder Korn zu mahlen, natürlich nur zu Anschauungszwecken an den Tagen zwischen den Kunstausstellungen während der Sommermonate. Im August wird auf der Insel eine Pferdekutsche aus dem Allgäu erwartet, die der Mühle dafür schon mal symbolträchtig den ersten Sack Korn liefert. Und Bäckermeister Karsten Schult hat sich bereit erklärt, das zu Schrot gemahlene Korn des Mühlenvereins zu verarbeiten. Es bleibt also spannend rund um die Mühle.

Karsten Schult begann 2012 damit, Insekten auf Amrum zu fotografieren – seine Fotos zeigte er bei dieser Versammlung. Schier unmöglich, all die bizarren, schönen Fliegen, Käfer, Wespen, Hummeln, Ameisen, Schnaken, Raupen, oder Falter aufzuzählen, die er am Wegesrand, auf Wiesen und Waldlichtungen der Insel schon vor die Linse bekommen hat. Sein Plädoyer an alle Gartenbesitzer auf Amrum: „Lasst doch einfach ein kleines Stück Eures Rasens ungemäht, so wie die Bäckerwiese in Norddorf. Dann kann man viele dieser wundersam anmutenden Wesen entdecken“.

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