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Kuriose Situation : Mitgliederzahlen steigen – doch niemand kommt

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Amrumer Ortsverein des Sozialverbandes Deutschland durchlebt schwere Zeiten: Das gesellige Beisammensein kommt immer mehr zum Erliegen.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 16:30 Uhr

Wohin steuert der Sozialverband Deutschland (SoVD) auf Amrum? Zu dieser Frage hatte der Amrumer Ortsverband zu einer Sonderveranstaltung geladen. Es galt festzulegen, wie das Verbandsleben auf Amrum künftig gestaltet werden soll.

124 Mitglieder zählt der Verband auf der Insel aktuell, der allein seit dem Frühjahr elf Neueintritte verzeichnen konnte. Soweit der erfreuliche Teil. Unerfreulich ist, dass zu den Veranstaltungen immer weniger Mitglieder kommen. Ob Jubiläumsfeier zum 70. Jahrestag oder Adventskaffee mit Tombola – selten nehmen mehr als 20 Personen teil. So konnte der Himmelfahrtsausflug nach Eutin in diesem Jahr nur stattfinden, weil das Busunternehmen den Fahrpreis erheblich gesenkt hatte, und die Frühjahrsfahrt 2016 hatte wegen zu geringer Beteiligung ganz abgesagt werden müssen.

Neben der Vermittlung von Beratung und Rechtsbeihilfen in Sozialfragen gehört die Durchführung von drei geselligen Veranstaltungen pro Jahr zusätzlich zur Jahresversammlung zu den satzungsgemäßen Aufgaben des Vorstands, erklärte Ortsverbandsvorsitzender Joachim Stock. Der Vorstand habe sich die Frage gestellt, woran es liege, dass sich nur wenige Mitglieder aktiv am Verbandsleben beteiligten, ob das gesellige Beisammensein noch erwünscht sei und wie man es attraktiver gestalten könne.

Hintergrund dieser Fragestellung ist auch die negative Entwicklung des SoVD-Ortsverbands auf Föhr, der trotz seiner 260 Mitglieder keinen neuen Vorstand mehr bilden konnte, nun seine Selbstständigkeit verloren hat und direkt vom Kreisverband in Husum geführt wird. Joachim Stock hatte mit der Föhrer Ortsverbandsvorsitzenden Hannelore Zimmermann noch beraten, wie die Amrumer den Föhrern möglicherweise organisatorisch zur Seite stehen könnten, jedoch keine realistische Lösung gefunden.

Fehlender Nachwuchs und die Diskrepanz zwischen aktiver und passiver Mitgliedschaft sind Phänomene, die viele Verbände beklagen. Patentlösungen gibt es dafür sicher nicht und so rief der Amrumer SoVD-Vorstand die Mitglieder zusammen um deren Wünsche in Erfahrung zu bringen und über die Zukunft des Verbandslebens zu diskutieren.

Auf den Tischen lag jede Menge Informationsmaterial bereit, aber eine Aktionsidee fand besonders viel Anklang. Ein kleines Hinweisschild an Autofahrer, auf dem zu lesen stand: „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“ Auf der Rückseite heißt es: „Vielen Dank dafür, dass Sie sich beim nächsten Mal einen anderen Parkplatz suchen. Alle Menschen sollen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können. Verständnis für einander entwickeln und Rücksicht nehmen, wo es erforderlich ist.“

Kurzfristige Ergebnisse der Ideensuche sind die Festlegung der nächsten Frühlingsfahrt auf einen Freitag Ende April an die Schlei und die Idee, sich zum Adventskaffee in diesem Jahr mit dem Deutschen Roten Kreuz zusammenzutun. Er soll am 14. Dezember stattfinden. Der Veranstaltungsort wird noch gesucht, diesmal dann vielleicht für 40 Personen.

Zusätzlich zum Vorstand wurde ein „Vergnügungsausschuss“ ins Leben gerufen um die Wünsche der Mitglieder für das Freizeitprogramm kontinuierlich in die Vorstandsarbeit zu integrieren. Neben Joachim Stock gehören ihm die SoVD-Mitglieder Renate Matzen und Peter Jürgensen an.

Der SoVD setzt sich insbesondere für die Rechte und Interessen der Krankenversicherten und Rentner sowie der pflegebedürftigen und behinderten Menschen ein und hilft seinen Mitgliedern, die ihnen aus der gesetzlichen Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherung zustehenden Leistungen auch zu erhalten.

Die Themen des vor 100 Jahren als „Reichsbund der Kriegsbeschädigten“ gegründeten Verbandes sind brandaktuell: „Wir wollen keine Spaltung der Gesellschaft. Uns geht es immer um die soziale Gerechtigkeit“, hatte Kreisverbandsvorsitzender Hans-Christian Albertsen im Mai anlässlich der 70-Jahr-Feier des Amrumer Ortsverbands betont. Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit gehörten zusammen – auch für das sich vereinigende Europa.

Im Anschluss an die lebhafte Diskussion liefen auf der großen Leinwand im Hotel „Seeblick“ Videos und Fotos von den SoVD-Touren nach Esbjerg und nach Eutin, auf denen bestens gelaunte Mitreisende zu sehen waren. Wenn in diesem Jahr auch nicht so viele mit auf Tour waren wie erhofft, Spaß gemacht hatte es den Teilnehmern allemal.

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