Föhr und Amrum : Mit Gott auf Urlaub

Kommt  immer wieder: Walter Kirchmann
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Kommt immer wieder: Walter Kirchmann

Sie arbeiten in ihren Ferien: Angela Rosenthal-Beyerlein, Volker Keith und Walter Kirchmann sind als Gastpastoren derzeit auf den Inseln.

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14. August 2018, 14:00 Uhr

Allein die Geschichte, wie Volker Keith nach Amrum kam, sagt viel über ihn aus: Der 49-Jährige, derzeit Gastpastor an der katholischen St.-Elisabeth-Kirche in Norddorf, war damals – Ende der 1980-er Jahre – noch als Altenpfleger tätig. „Eine Dame hatte ein Bild von Amrum in ihrem Zimmer hängen, vor dem wir oft saßen, während sie mir von dort erzählte. Sie musste jedes Mal weinen, so berührt war sie.“ Und so berührt war auch Volker Keith und fuhr in seinem nächsten Urlaub dorthin. Der Geistliche aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat auf dem dritten Bildungsweg, nach einer Lehre zum Industriekaufmann und Weiterbildung in der Altenpflege, das Theologie-Studium an einem sogenannten Spätberufenenseminar absolviert. „Dabei bin ich eigentlich ein Spätantwortender“, sagt er lachend. „Denn wichtig war mir mein Glaube schon immer.“

Einige Kirchen auf den Inseln bekommen im Sommer Unterstützung von Pastoren vom Festland. Die St.-Clemens-Gemeinde mit Inselpastorin Martje Brandt wird während der Hochsaison von sogenannten Kurseelsorgern unterstützt, die im Norddorfer Gemeindehaus und in der Wittdüner Kapelle predigen und über dem Nebeler Gemeindehaus wohnen. Die Katholiken stellen von Ostern bis Ende Oktober und über Weihnachten mit Pfarrern auf Urlaub die Heiligen Messen in St. Elisabeth auf Amrum und St. Marien auf Föhr sicher, dafür steht hinter den Pfarreien jeweils eine schöne Wohnung zur Verfügung.

Die Fülle im Gotteshaus ist das, was Kurseelsorgerin Angela Rosenthal-Beyerlein so schätzt. „Es kommen viele, die zuhause nicht in die Kirche gehen, aber hier im Urlaub ist ihre Seele ein bisschen ansprechbarer“, freut sich die 62-Jährige. Bei den Katholiken sei das etwas anders, glaubt Keith. „Wer im Urlaub in den Gottesdienst geht, macht das aus Überzeugung, der geht zuhause auch. Allerdings bleibt hier viel mehr Zeit für das Miteinander“, sagt der Geistliche. Das gefällt auch Pater Walter Kirchmann, der – von Würzburg kommend – drei Wochen auf Föhr urlaubt und die Messen liest. Drei Messen, Kirche auf- und zu sperren und für Sauberkeit sorgen. „Die Beratungsgespräche entstehen ganz spontan. Die Menschen merken, wie gut ihnen der Urlaub tut und das Zeit sein könnte, ein ernsteres Anliegen mit jemandem zu besprechen, der ihnen spontan sympathisch ist“, sagt der 53-Jährige, dessen Salesianer Don Boscos-Orden viel Kinder- und Jugendarbeit in Heimen und Internaten übernimmt.

Angela Rosenthal-Beyerlein predigt sonst in Hamburg-Alt-Barmbek. Ihre Familie – Mann und drei große Kinder samt Enkel – ist auch auf Amrum. Zwei Wochen Familienurlaub; so wie früher, als sie regelmäßig auf dem Zeltplatz waren. Sonntags gibt sie einen Gottesdienst mit Abendmahl in Norddorf, freitags einen Abendsegen in der Wittdüner Kapelle und pro Woche einen Meditationsabend. Wie wichtig Kirche auf der Insel ist, merkt sie bei jedem Gottesdienst. Auch die urlaubenden Kirchenmusiker würden den Ablauf sehr bereichern.

Alle drei Geistlichen stehen vor Fremden, aber es macht ihnen nichts aus. „Man entwickelt ein Gespür dafür, wie aufgeschlossen die Menschen sind“, sagt Rosenthal-Beyerlein. Beim letzten Gottesdienst verteilte sie Liedzettel für Stücke, die sie auf der Gitarre begleiten kann. Oft greift sie auf sogenannte Taizé-Lieder zurück, die aus einem internationalen Orden stammen, vielen bekannt sind und ein gemeinsames Singen erleichtern.

Walter Kirchmann arbeitet manchmal vier Wochen auf Föhr. Und hat schon wieder gebucht. „Ich finde diese Bandbreite von Kindern bis Alten mit ihren verschiedenen Lebenswelten spannend. Hier kommen Leute, die fest und weniger fest im Glauben stehen. Und ich versuche, ihnen etwas mit auf den Weg zu geben.“ Auch Volker Keith hat seine Zeiten bis 2020 schon durchgegeben. Dann hat er bald die zehn Mal voll. Bei Angela Rosenthal-Beyerlein haben diesen Sommer ein paar Menschen die Chance genutzt, sich etwas von der Seele zu reden. Arbeitsalltag, Trauerfälle, Erziehungssorgen ... „Ich höre einfach zu, und wenn ich dann frage, ob sie gut schlafen können, dann kommen oft die Dinge zutage, die belastend sind. “

Auch Volker Keith hatte eine schöne Begegnung. Der sehr alte Mann, der nach dem Gottesdienst zu ihm kam, wollte an sein Lebensende eine Lebensbeichte setzen. Keiths Art zu predigen hatte ihn zu diesem Schritt veranlasst. Da dem alten Herren die Urlaubszeit zu kurz schien und er sich auf dieses Anliegen gut vorbereiten wollte, treffen sich nun beide im Herbst in Keiths Gemeinde. 350 Kilometer liegen zwischen beiden Orten. „Dieses Sprechen mit Menschen, neutral und außerhalb meines Systems, ist für mich jedes Mal etwas ganz Besonderes“, beteuert Keith.

Norbert Wieh, der für die katholischen Inselkirchen zuständige Gemeindereferent und Verantwortliche für die Urlaubsseelsorger, bekommt von den Gastpriestern immer wieder rückgespiegelt, wie angetan sie von der Lebendigkeit der Gottesdienste sind. „Im normalen Gemeindegottesdienst zuhause ist das ja oft nicht der Fall.“ Im Winter, wenn wenig Gäste auf der Insel sind, ist bei den Katholiken einmal im Monat Heilige Messe, dafür kommt ein Pastor vom Festland. Auf Amrum gehen sonst – und das ist gute Tradition – die einen mit den anderen zusammen in die evangelische Kirche in Nebel.


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