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Baden anno dazumal (1) : Mit einer Pferdestärke in die Brandung gezogen

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein Rückblick auf die Bademoden in den vergangenen 125 Jahren: In den Anfangsjahren ging es prüde zu und Damen und Herren gingen getrennt in die Nordsee

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 17:00 Uhr

Längst ist der Medienrummel früherer Jahre um die „Buhne 16“ am Strand von Kampen auf Sylt abgeflaut, zumal sich die Erkenntnis verbreitet hat, dass es kaum etwas harmloseres gibt, als einen FKK-Badestrand. Hier knistert keine Sünde und von Erotik keine Spur. Hier werden eher Fragen gestellt, was sich die Natur bei der Gestaltung des Säugetieres homo sapiens eigentlich gedacht hat und dass die Evolution schönere Exemplare – man denke nur zum Beispiel an den Geparden – hervorgebracht hat.

Und nicht Sylt, sondern Amrum hat den ältesten und größten FKK-Badestrand – was aber von den Medien nie entdeckt wurde, so dass die Insel von ein- und zweideutigen Berichten verschont blieb. Aber die ungezwungene Freizügigkeit herrschte nicht immer vor. Im Gegenteil! In der Anfangszeit des Badelebens feierten Prüderie und moralinsauere Verordnungen Triumphe, die in der Rückschau nur noch Heiterkeit erregen. Insbesondere am Norddorfer Strand, wo die Westfälische Diakonissenanstalt „Sarepta“ mit ihren Seehospizen dominierte, gab es noch einige, die Moral bewahrende Verordnungen. Als eine der obersten Regeln galt die Trennung von Damen- und Herrenbad, die mindestens 150 Meter‚ möglichst aber 500 Meter voneinander getrennt eingerichtet wurden. Entfernungen, die nicht überall, aber auf Amrum dank der Weite der Strandzone und des Kniepsandes einzuhalten waren.

Wie fast überall, so wurde auch am Wittdüner Strand zunächst von Badekarren aus gebadet. Auf der Südspitze befand sich ein Pferdestall für den Transport der Karren, und diese standen in langer Reihe unterhalb des „Kurhauses“ am Wittdüner Strand. Die Badezeit dauerte von 5 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags (und es ist dem Verfasser bis heute nicht gelungen, zu ermitteln, welchen Zweck diese frühe Morgenstunde, wenn es am Strand im Seesand und der Luft noch eisig kalt ist, hatte).

Nach Lösung eines Bade-Billets verschwanden der oder die Badelustige in einen Karren, machten sich „seefein“ und wurden nun mit einem PS, nämlich per Pferd, in die Brandung gezogen, so weit hinein, dass die Wellen unter die Radachsen klatschten. Dann trotteten Ross und Reiter wieder an Land, während sich seewärts des Badekarrens eine Tür öffnete und „ratsch“ eine Art Jalousie herunterfiel (auf die allerdings in späteren Jahren verzichtet wurde). Diese umschloss ein reichlich einen Quadratmeter großes Stück Nordsee und bildete die Badefläche für den Kurgast, der von außen nicht sichtbar war.

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