Arbeiten am Fähranleger : Mit doppelter Kraft voraus

Das Ungetüm ist auf dem Ponton den Wetterkapriolen ausgesetzt.
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Das Ungetüm ist auf dem Ponton den Wetterkapriolen ausgesetzt.

Das Wetter spielte nicht mit: Mit einem zweiten Seilbagger soll im Wyker Hafen verlorene Zeit aufgeholt werden.

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19. Januar 2018, 13:30 Uhr

Die Arbeiten am Fähranleger 1 liegen nicht im Zeitplan. Das hatte der Leiter des Hafenbetriebes Ulrich Koch im Hafenausschuss berichtet und den Einsatz einer zweiten Rammeinheit für die erste Januarhälfte angekündigt. Diese ziert seit gestern die Wyker Mole und am Montag, so Koch, soll mit den Arbeiten begonnen werden.

Um den Verzug aufzuholen, wurde ein zweiter, gut 50 Tonnen schwerer Seilbagger installiert. Diesen auf die Insel zu transportieren, sei nicht unproblematisch gewesen, berichtet Projektleiterin Annett Bode. „Mit dem großen Lkw kamen wir am Ende auf mehr als 100 Tonnen Gesamtgewicht, was auch auf der Fähre nicht ganz einfach war.“ Der Seilbagger stand zuvor auf einer Baustelle in Niedersachsen und kam über Hamburg nach Schleswig-Holstein und schließlich auf die Insel. Drei Bundesländer, in denen Genehmigungen eingeholt werden mussten. Zudem habe sich die aufgrund von Länge, Breite und Gewicht des Fuhrwerks streckenweise notwendige Begleitung durch die Polizei insbesondere in Schleswig-Holstein als schwierig erwiesen.

Mit der zweiten Rammeinheit soll nun jene Zeit aufgeholt werden, die durch die Wetterkapriolen der letzten Monate verlorengegangen war. Dabei macht weniger der Regen oder – wie für rund eine Stunde gestern Vormittag – der Schnee den Arbeitern zu schaffen, sondern vielmehr der Wind. Denn eine der Rammeinheiten ist eine schwimmende, die auf einem Ponton steht. Sie ist Wind und Wellen stärker ausgesetzt als der jetzt gelieferte Seilbagger, der auf der Alten Mole steht. Mit ihm soll die neue Spundwand gesetzt werden, die direkt vor der alten sitzt. Aber nicht in jedem Fall könne von Land gearbeitet werden, sagt Bode, „an manchen Stellen muss zwingend vom Wasser aus gerammt werden“. Doch auch von festem Boden aus seien die Arbeiten nicht einfach. Bei höheren Windstärken bieten die am Haken hängenden Bohlen dem Wind eine große Angriffsfläche, „das lässt sich aus Sicherheitsgründen irgendwann nicht mehr verantworten“. Dennoch sei auf Land vieles einfacher als auf der schwimmenden Einheit.

Die Kräne selbst seien unproblematisch und müssen auch bei Sturm nicht weichen, betont Annett Bode. Wie Hochbaukräne haben auch die Seilbagger Gittermasten und bieten dem Wind somit wenig Angriffsfläche. „Zudem bringt auch ein Orkan einen 50-Tonnen-Kran nicht so ohne Weiteres zum Umkippen.“ Lediglich die schwimmende Einheit würde im Ernstfall in einen geschützteren Bereich verlegt werden.

Auch wenn das Wetter den geplanten Ablauf durcheinandergewirbelt hat: An der ursprünglichen Absprache hält Ulrich Koch fest. Die Autobrücke soll Ende April, spätestens Anfang Mai gesetzt und in Betrieb genommen werden. Annett Bode hält den Termin ebenfalls für realisierbar. „Aus heutiger Sicht“, betont die Projektleiterin, das letzte Wort habe das Wetter. „Wenn wir in den nächsten drei Monaten Sturm und Hochwasser haben, schaffen wir das sicherlich nicht“, hofft sie auf Sonne, Frost und keinen Wind; „das wäre optimal“.

Mit der Autobrücke selbst hat Bode weniger zu tun. „Wir bringen lediglich die Gründungspfähle ein.“ Zwei Rohre werden gerammt, auf denen das Hubportal seinen Platz findet. „Die setzen wir, und wir bauen natürlich das Betonwiderlager.“

Nicht vom Wetter abhängig ist man bei dem Bau der Brücke. Der Stahlbau wird auf dem Festland vorgefertigt, kommt mit einem Lkw in einem Stück auf die Insel und wird eingesetzt. Derzeit laufen die Vorplanungen, sagt Ulrich Koch, bereits im Februar oder März soll das Ungetüm geschweißt werden. Spätestens dann steht der nächste, genehmigungspflichtige Schwertransport auf dem Plan.

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