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Auf Föhr und Amrum : Mit den Augen immer auf dem Wasser

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Viele Freiwillige der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft sind den Inseln seit Jahren treu. Badesicherheit wird regelmäßig begutachtet.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 12:30 Uhr

Auf Amrum hat Klaus Holger Hecken, Einsatzleiter Küste Schleswig-Holstein bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), gerade einen „Risk Assessement“-Streifzug zu allen Stationen gemacht. „Wir lassen prüfen, wie wir die Arbeit der DLRG noch weiter optimieren können“, sagt Frank Timpe, Amrums Tourismus-Chef. „Sie ist für uns ein ganz wichtiger Baustein, die Urlauber kommen ja auch wegen der Bademöglichkeiten.“ Bei dieser sogenannten Gefährdungsanalyse, die Hecken als Ortskundiger begleitet hat, wird – nach weltweit gleichem Standard – die Badesicherheit begutachtet. Für Wyk gab es das Gütesiegel bereits 2016. Strandzugänge, Beschilderung, Material: alles kommt auf den Prüfstand. Die Auszeichnung als Bewachter Strand/Lifeguarded Beach wird den Urlaubern auf den Inseln also in Zukunft öfter begegnen.

Zur Hauptsaison sind die sechs Stationen (jeweils drei auf Amrum und drei auf Föhr) gut besetzt. Sowohl Amrums Tourismuschef als auch Brar Nissen, der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Föhr, können sich wieder über viel Stammpersonal freuen. „Wir haben hier derzeit mit Andre Adams, David Heppel, Marf Wertz und Sven Marquardt vier Wachführer, die teilweise schon seit zwanzig Jahren kommen und immer die eigenen Leute mitbringen“, sagt Nissen. Deren DLRG-Stationen Frechen, Jena, Essen und Hamburg stellen jedes Jahr wieder aufs Neue mit ihren in Eigenregie organisierten Saison-Dienstplänen die Bewachung von Mai bis Mitte September sicher. Auch Ulrich Koch, der Werkleiter des Hafenbetriebs, wo die DLRGler untergebracht sind, ist zufrieden mit der Situation. „Wir haben in Wyk die größte Station auf den Inseln und für die 16 Freiwilligen mittlerweile auch einen großen Doppelcontainer mit Küche als Treffpunkt.“ Auch die Wiederholungstäter der DLRG-Ortsgruppe Bassum können bestätigen, dass sie betüddelt werden. „Vor allem von Ulrichs Frau“, sagt der Wachführer Frank Voßmerbäumer. Der 49-jährige Polizist ist bereits Amrum-, Binz- und Langeoog-erprobt und jetzt nach zwanzig Jahren das erste Mal wieder in Wyk. Zwei Boote, fünf Türme und die Mittelbrücke gehören zum Revier zwischen Anleger und Südstrand. Besonderheiten: Vier Meter Tidenhub. Die Fahrrinne liegt parallel zum Strand und beginnt hinter den Bojen. Dort ist die Strömung sofort stärker. Voßmerbäumer traf im Team in Wyk seinen ehemaligen Ausbilder Dietmar Siebrecht, 57, wieder. „Durch ihn habe ich damals den Reiz der DLRG kennengelernt.“ Der Diplom-Ingenieur von der DLRG Bielefeld hat schon an den verschiedensten Stränden gearbeitet und ist von den Mehrraum-Appartements am Weissenhäuser Strand sehr angetan. „Familienunterbringung zu ermöglichen, wäre meines Erachtens eine sinnvolle Sache.“

Die Unterkünfte der Freiwilligen sind ohnehin eins der ganz aktuellen Themen. Gut sollten sie sein, und nicht zu weit weg vom Einsatzort. „Das sind wichtige Kriterien“, sagt Brar Nissen. Weshalb er von der Überlegung, die Wyker Retter irgendwann in dem geplanten Neubau hinter dem Klärwerk unterzubringen, nicht sehr begeistert ist. „Zu weit weg vom Wasser und bei bestimmtem Wind droht Geruchsbelästigung.“ Die ist auch in Norddorf immer mal wieder Thema. Die Unterkünfte dort liegen genau über den Toiletten des alten Schwimmbades. Dennoch, Familie Gramm/Köppe mit kleinem Töchterchen weiß zu schätzen, was sie hat: als Familie zusammen zu sein, nur wenige Meter zum Arbeitsplatz, die Chance, sich mittags etwas zu essen zu kochen – und abends himmlische Ruhe.

Holger Gramm, 40, Lehrer aus Drochtersen und auch als DLRG-Ausbilder tätig, ist das siebte Mal auf Amrum. Für seine Frau Christin Köppe , 42, Altenpflegerin, und zuhause verantwortlich für das DLRG-Präventionsprojekt „Kindergartentag“, ist es das erste Mal. Beide haben ständig ein Auge auf die Kinder und preisen das Kindersuchband (mit hinterlegter Telefonnummer) als etwas, was sich sehr bewährt hat. „So schnell können die Eltern gar nicht gucken, wie das Kind hinter der Möwe her ist.“ Die beiden appellieren: „Nehmt die Badezeiten ernst. Wenn Rot ist, ist Rot. Dann geht bitte nicht ins Wasser“.

Die bewachten Strandabschnitte sind je rund 200 Meter lang. Das ist für die DLRGler gut zu managen, aber natürlich stehen die Strandkörbe weit über diese Begrenzung hinaus. „Bei dieser extremen Weitläufigkeit an den Stränden ist es auf lange Sicht sinnvoll, technische Unterstützung zu etablieren“, sagt Einsatzleiter Hecken und meint damit strandtaugliche Allradfahrzeuge. „Die gibt es sogar elektrogetrieben, aber dann sind sie natürlich doppelt so teuer.“ Die gleiche Idee verfolgt Föhrs DLRG-Chef Nissen, der zwischen den fünf Türmen am Wyker Südstrand zusätzlich zu den zwei Booten auch gerne eine schnelle Landverbindung hätte.

Auch wenn die Sommerferien überall rettungstechnisch gesichert sind, für Vor- und Nachsaison werden noch Freiwillige gesucht. Es gibt geschickte Nachwuchsprogramme an Schulen, wo in Arbeitsgemeinschaften erst zum Rettungsschwimmer ausgebildet und dann im Rahmen einer Klassenreise erste Wachgänger-Erfahrung gemacht wird. „Die ersten Projekte an der Ostsee sind sehr gut gelaufen“, sagt Hecken.

Die „Alten“ seien sehr beständig, freut sich Hecken, aber um die Jungen muss man sich kümmern. „Wenn die Unterkunft nicht stimmt oder das Drumherum, dann kommen die einmal und nicht wieder“, weiß der Experte. Daher sind eher ruhig gelegene Stationen wie Utersum und Nieblum nicht so der Renner bei den jungen Freiwilligen, die abends gern noch Partyleben genießen möchten. Was die Qualität der Unterkünfte angeht, sei die Ostsee wesentlich weiter, sagt DLRG-Mann Nissen. „Da haben die Verantwortlichen einfach erkannt, dass man den Ehrenamtlern eine adäquate Wache und eine ordentliche Grundversorgung bieten muss.“

Wo man wann und bei welchem Wind ins Wasser gehen kann, dafür gibt es eine kostenlose DLRG-Info-App, die von den jeweiligen Stationen mit Informationen gespeist wird. Flaggenstatus und Telefonnummern inklusive. Am Strand von Nebel gucken Fritz Weber und sein Team regelmäßig nach dem Wind und der Strömung. Die Gäste mögen solche Infos. „Bei Gewitter ist es im Wasser zu gefährlich. Deshalb ziehen wir dann unsere Bereitschaftsfahne ein und gehen. Denn wenn wir bleiben, steigern wir mit unserer Präsenz nur das (falsche) Sicherheitsgefühl der Gäste“, sagt Weber. Der 55-jährige Polizist aus Köln ist eins dieser DLRG-Urgesteine und seit 1985 aktiv.

Noch länger, nämlich bis zur Mitte der 1970-er Jahre, reicht die Stammbesetzung der Station Wittdün zurück. Aber Henry Richter, 67, Bereitschaftspolizist der Bochum-Riege, die seit 1975 die Besetzung für diese Station stellt, führt schon Tagebuch für die letzte Saison. Das Gebäude soll saniert und umgebaut werden, das Nordsee-Wasser ist seit etwa 2005 weg, die Bucht ist versandet, und für die DLRGler ist ein Umzug vielleicht auf die andere Inselseite zum Badestrand am Watt geplant. „Wir sind hier in erster Linie Ansprechpartner für Fragen zur Insel, zum Kniep und für kleine Verletzungen“, sagt Wachleiter und Polizist Reinhold Proske, 55, Wiederholungstäter zum 20. Mal. Die Zimmer der Besatzung sind gleich hinter der Gemeinschaftsküche mit fantastischem Kniepblick. Die Bochumer haben in den Jahren viel Eigenleistung in die Unterkunft gesteckt. Bereits Anfang des Jahres arbeiten die Kollegen einen Wachplan aus, der von Anfang Mai bis Ende September lückenlos ist.

Mit Wasserrettung ist hier nicht mehr viel los, aber auch beim Inselwissen ist man Profi. Viel gehörte Fragen: „Wo liegt die ‚Pallas‘“ und „kann man von hier aus den Leuchtturm von Helgoland sehen?“.

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