Föhrer Abenteurer : Mit dem Auto bis nach Jordanien

Unterstützten die Tour zur Freude von Helmut Marczinkowski (l.) und Boy Mengel (r.) mit einer Geldspende: Petra und Gerold von Rhein.
Unterstützten die Tour zur Freude von Helmut Marczinkowski (l.) und Boy Mengel (r.) mit einer Geldspende: Petra und Gerold von Rhein.

Nach einem Jahr Vorbereitung startet am Sonntag die Allgäu-Orient-Rallye. Auch ein Insel-Team nimmt an der abenteuerlichen Reise teil.

shz.de von
06. Mai 2015, 10:00 Uhr

„Es muss nun endlich losgehen.“ Der Midlumer Arzt Helmut Marczinkowski kann es kaum noch erwarten, die Straße in Richtung Jordanien unter die Räder seines Autos zu bekommen. Und auch Boy Mengel, Oevenumer Bäckermeister im Unruhezustand, fiebert dem Start der Allgäu-Orient-Rallye entgegen. „In Gedanken bin ich die Route schon x-mal gefahren und brenne nun darauf, dass die Reise wirklich beginnt.“

Fast ein Jahr der Vorbereitung liegt hinter den beiden Föhrern und ihren sechs weiteren Mitstreitern im Team „Friesen Benefits in Exchange (BIX)“, die am kommenden Sonntag in Oberstaufen im Allgäu mit vier Fahrzeugen zur etwa 6000 Kilometer lange Reise ins jordanische Amman aufbrechen.

Helmut Marczinkowski ist auf der Insel durch seine teilweise skurrilen Reisen bekannt geworden. So nahm er unter anderem zweimal an einer Oldtimer-Tour von Düsseldorf nach Shanghai teil und seine silberne Hochzeit feierte er gemeinsam mit seiner Frau Heike im Rahmen einer Tour, die in Dubai startete. Marczinkowski „stolperte“ eher zufällig über die Ausschreibung der Rallye Allgäu-Orient, die als „eines der letzten automobilen Abenteuer der Welt“ am 10. Mai zum zehnten Mal startet. Unterstützt wird sie von Jordaniens König Abdullah II. bin al-Hussein, da die Rallye auch einen karitativen Zweck hat.

Diese Veranstaltung unterscheidet sich in jeder Beziehung von „hochgezüchteten“ Autotouren wie Paris-Dakar. Statt Tempo stehen „Spaß und Völkerverständigung sowie humanitäre Zwecke im Vordergrund“, heißt es in der Ausschreibung.

Nicht der Geldbeutel der Fahrer ist von Bedeutung, sondern die Teilnehmer sollten „etwas positiv verrückt“ sein. Dies kommt auch schon durch die Teilnahmebedingungen für diese „Schnapszahlen-Rallye“ zum Ausdruck: Es gehen 111 Teams an den Start, deren Fahrzeuge mindestens 20 Jahre alt oder maximal einen Wert von 111,11 Euro haben dürfen. Verboten ist bis auf wenige Ausnahmen die Nutzung von Maut-Strecken, Navigationsgeräte sind absolut verpönt und eine Übernachtung darf maximal 11,11 Euro pro Person kosten.

Von den Teilnehmern wird zudem erwartet, dass sie unterwegs besondere gemeinnützige Dinge auf den Weg bringen, denn soziale Aktivitäten sind von Beginn an ein wichtiger Aspekt. So haben die Föhrer kleine Bäume im Gepäck, die in der Türkei gepflanzt werden sollen. Musikinstrumente werden mitgenommen, um in Schulen gespendet zu werden, und Spielzeug für Kinder in Flüchtlingslagern an der Grenze zu Syrien. Auch die Fahrzeuge selbst sind Bestandteile humanitärer Hilfe: Sie werden am Ende dem jordanischen Staat geschenkt und in ihre Einzelteile zerlegt. Als Ersatzteile verkauft, wird der Erlös sozialen Zwecke zugute kommen. „Um den Automarkt in Jordanien nicht zu stören, dürfen nur alte Autos an den Start“, erklärt Marczinkowski. Das Programm der Tour ist so angelegt, dass die Teilnehmer, unter anderem bei einem Fußballspiel gegen eine türkische Mannschaft, mit den Einheimischen in Kontakt kommen können.

Für den Midlumer Arzt war auf Anhieb klar: An dieser Rallye will ich teilnehmen. Die Fahrzeuge waren nicht das Problem, der Midlumer hat davon eine recht große Auswahl. Viel wichtiger war die Frage, wer sich an der Tour beteiligen soll. In Boy Mengel fand Marczinkowski einen Seelenverwandten. Der schwärmt heute noch von seiner Hundeschlittenfahrt durch Lappland, von Tauchgängen und anderen Abenteuern und war sofort Feuer und Flamme. Als weitere Mitfahrer konnte Teamchef Marczinkowski nach und nach Söhne, Neffen und Freunde gewinnen. Kurz vor der Abfahrt kam dann auch noch der Oevenumer Früd Braren mit an Bord. Die Autos sind für die Fahrt vorbereitet, wobei Boy Mengel den von seinem Sohn Stefan gestifteten Kastenwagen so umgebaut hat, dass dieser als Schlafraum dienen kann. Auch der Anhänger, mit dem die diversen Spenden transportiert werden sollen, wurde aufgemöbelt und fast im letzten Moment auch durch den TÜV gebracht. Dankbar verweist Marczinkowski auf die Spendenbereitschaft der Föhrer.

Wenn das Team „FriesenBIX“ am Sonntag in Oberstaufen zu der drei Wochen dauernden Tour startet, ist Istanbul das erste Etappenziel. Dabei kann jedes Team seine eigene Route wählen. Boy Mengel etwa steuert zunächst das rumänische Klausendorf an, denn in diesem Ort hat vor 20 Jahren seine alte Bäckerei-Einrichtung eine neue Heimat gefunden. Boy Mengel war als Spender der Anlage damals eigens vor Ort, um beim Aufbau und Anbacken zu helfen.

In Istanbul warten dann verschiedene Aufgaben auf die Rallye-Mannschaften, die in der Folge die Türkei Richtung Iskenderum durchqueren, wo die Fahrzeuge auf eine Fähre verladen werden, die sie nach Israel transportiert. Nach einer Wüstenprüfung ist schließlich Amman Ziel der Allgäu-Orient Rallye. Auf den Gewinner wartet ein Kamel, ein Preis, der in der Vergangenheit stets gestiftet wurde und im Land blieb.

Der angespannten Lage im Mittleren und Nahen Osten ist die Fährfahrt geschuldet, und alle Teilnehmer sind bestrebt, keine Risiken einzugehen. „Ich werde meine Teamkollegen vor der Abfahrt noch einmal ausdrücklich auf Vorsicht einschwören. Schließlich wollen wir alle diese Tour gesund und wohlbehalten beenden“, so Helmut Marczinkowski.

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